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Deutschland auf sechstem Platz USA versagen bei Familienfreundlichkeit

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Die Autoren der Studie fordern mindestens sechs Monate bezahlten Elternurlaub in allen Ländern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Fünf Länder in Europa sind familienfreundlicher als Deutschland. Das stellt eine neue Unicef-Studie fest. Insgesamt sieht es hierzulande schon ganz gut aus. Am besten aber geht es Familien in Schweden. Anderswo gibt es hingegen überhaupt keine bezahlte Elternzeit.

Deutschland landet bei der Familienfreundlichkeit auf dem sechsten Platz unter 31 europäischen Staaten. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef untersuchte für eine Studie das Betreuungsangebot für Kleinkinder und wie viel bezahlte Elternzeit Mütter und Väter nehmen können. Die Studie stützt sich auf Daten aus dem Jahr 2016.

Die familienfreundlichsten Regeln gelten demnach in Schweden. Dort gibt es 35 Wochen Elternzeit bei vollem Gehalt. Rund elf Wochen davon sind ausschließlich Vätern vorbehalten. Etwa die Hälfte aller unter Dreijährigen haben in Schweden einen Betreuungsplatz. Die Betreuungsquote bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren liegt bei 97 Prozent.

Eltern in Deutschland verfügen zwar über 43 Wochen Elternzeit, der Anteil der Väter-Wochen liegt hierzulande jedoch nur bei 5,7 Wochen. Auch gehen in Deutschland lediglich rund ein Drittel der Kinder unter drei Jahren regelmäßig in eine Kita oder zu einer Tagesmutter. Von den Drei- bis Sechsjährigen besuchen 92 Prozent einen Kindergarten.

Auf dem zweiten Platz des Rankings steht Norwegen, anschließend folgt Island. Ebenfalls in die Top Ten schaffen es Estland, Portugal, Dänemark, Slowenien, Luxemburg und Frankreich. Am schlechtesten sieht es hingegen in Irland, Großbritannien, Zypern, Griechenland und der Schweiz aus. Auch Tschechien, Polen und die Slowakei haben zwar großzügige Regelungen beim Mutterschutz, aber ein schlechteres Angebot frühkindlicher Betreuung.

Nur acht Wochen Elternzeit in Australien

Besonders die Situation in den USA bewertet die Studie eher negativ. Der Staat sei der einzige in der OECD, in dem es landesweit keine gesetzliche, bezahlte Elternzeit gebe. Auch in Australien und Neuseeland gibt es nur acht Wochen bezahlte Elternzeit - wohlgemerkt nur für Mütter.

"Die ersten Lebensjahre sind entscheidend, wenn es darum geht, wie sich das Gehirn von Kindern entwickelt - und damit entscheidend für ihre Zukunft", sagte Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. Unicef fordert, dass jedes Land "hochwertige, bezahlbare Kinderbetreuung" von der Geburt bis zur Einschulung und bezahlten Elternurlaub von mindestens sechs Monaten sicherstellt.

Derzeit bieten nur die Hälfte der untersuchten 41 Länder mindestens sechs Monate bezahlte Elternzeit für Mütter an. Besonders bei Vätern gebe es dabei Nachholbedarf, denn auch, wenn es diese Option gebe, nehmen nur wenige Väter sie in Anspruch. Dabei könne so etwa die Bindung zwischen Vater und Kind sowie die Gleichstellung der Geschlechter gefördert werden, stellt die Studie fest.

Quelle: n-tv.de, aeh

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