Politik

"Sehr nahe an gefährlicher Linie" USA warnen Nordkorea

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Einer der unzähligen Aufmärsche in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang.

(Foto: REUTERS)

US-Verteidigungsminister Hagel fordert Nordkorea auf, von seiner kriegerischen Rhetorik Abstand zu nehmen. Wegen der anhaltenden Drohungen aus Pjöngjang geben die USA und Südkorea eine höhere Warnstufe für ihre Streitkräfte in der Region aus. Nach Angaben aus Seoul steht ein Raketentest des Nordens unmittelbar bevor.

Nordkorea bewegt sich nach den Worten von US-Verteidigungsminister Chuck Hagel nach zahlreichen Angriffsdrohungen "sehr nahe an einer gefährlichen Linie". "Ihre Taten und ihre Worte haben nicht geholfen, eine entflammbare Situation zu entschärfen", sagte der Pentagon-Chef in Washington. Die USA hofften weiterhin, dass Pjöngjang von der kriegerischen Rhetorik Abstand nehme. Falls nicht, sei Amerika vorbereitet, auf jede Eventualität zu reagieren.

Die USA vermuten, dass Nordkorea noch in dieser Woche eine Mittelstreckenrakete mit einer Reichweite von bis zu 4000 Kilometern von einer mobilen Startrampe von der Ostküste abfeuern wird. Ein solcher Schritt wäre eine deutliche Eskalation in der ohnehin stark angespannten Situation auf der koreanischen Halbinsel. Die Streitkräfte sind daher in erhöhter Alarmbereitschaft.

Raketen können Japan erreichen

Wegen einer vermuteten Raketenverlegung in Nordkorea verstärkt Südkorea seine geheimdienstliche Aufklärung des Nachbarlandes. Außenminister Yun Byung Se sagte in Seoul, die Wahrscheinlichkeit eines Starts einer Mittelstreckenrakete sei sehr hoch. Seine Regierung habe Nordkoreas Verbündeten China und Russland ersucht, auf die Führung in Pjöngjang einzuwirken, um die seit Wochen zunehmenden Spannungen abzubauen. Nordkorea hat Südkorea und den USA mit Krieg gedroht.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zitierte einen namentlich nicht genannten hohen Armeeangehörigen mit den Worten, es gebe klare Hinweise darauf, dass Nordkorea parallel Kurz- und Langstreckenraketen abfeuern könnte. Darunter seien Musudan-Raketen, die mutmaßlich eine Reichweite von 3000 bis 3500 Kilometern haben. Südkoreas Außenminister Yun sagte, die Musudan-Raketen könnten jederzeit starten, und es liege an Nordkorea, wie weit sie flögen.

Die Raketen könnten auch Japan erreichen. In der Hauptstadt Tokio ließ die Regierung daher Patriot-Abfangsysteme in Stellung bringen. In Washington erklärte ein Regierungsmitglied, man gehe davon aus, dass Nordkorea zwei Raketen an die Ostküste verlagert habe und für einen Abschuss vorbereite. Ähnlich äußerte sich das US-Militär.

Für die US-Streitkräfte und das südkoreanische Militär gilt laut Yonhap nun die Warnstufe einer "lebensbedrohlichen Situation". Dies ist die zweithöchste Alarmstufe, Stufe eins gilt in Kriegszeiten. Allerdings erhöht die Einstufung nicht die allgemeine Alarmbereitschaft der Armee. Stattdessen werden polizeiliche Überwachung und geheimdienstliche Tätigkeiten verstärkt. Die japanische Armee befindet sich "in vollem Alarmzustand", wie Verteidigungsminister Itsunori Onodera sagte.

Mehrere mögliche Termine

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(Foto: dpa)

Nordkorea hatte den USA auch mit einem Atomschlag gedroht. Die weitreichenden Raketen könnten möglicherweise US-Stützpunkte im Pazifik erreichen. Allerdings ist weder klar, ob sie mit Atomsprengköpfen bestückt werden können, noch ob sie präzise genug sind, um eine US-Basis in großer Entfernung zu treffen.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist seit einem Atomtest von Nordkorea Ende Februar eskaliert. Die USA haben mit der Verlegung von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen in die Region reagiert. Experten rechnen zudem mit einem weiteren Atom- oder Raketentest. Anlass könnten mehrere Jahrestage in den kommenden Tagen sein: der Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung, der 20. Jahrestag der Machtübernahme durch dessen Sohn Kim Jong Il und der formelle Amtsantritt von Kim Jong Un, der seinem 2011 verstorbenen Vater Kim Jong Il folgte. Kim Il Sungs Geburtstag am 15. April wird üblicherweise mit einer Militärparade begangen.

Westerwelle: Pfad der Eskalation verlassen

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(Foto: dpa)

Nordkorea hatte die in Südkorea lebenden Ausländer aufgefordert, das Land zu verlassen, um nicht in einen Krieg hineingezogen zu werden. Die Europäische Union ließ der Führung in Pjöngjang aber mitteilen, dass ihre Mitgliedsstaaten derzeit keinen Anlass für eine Evakuierung ihrer Botschaften sähen.

In Berlin rief Bundesaußenminister Guido Westerwelle alle Staaten zu Geschlossenheit auf: "Es ist wichtig, dass die internationale Gemeinschaft zusammensteht und auch eindeutig auf Pjöngjang einwirkt, dass der Pfad der Eskalation verlassen wird." Das Spiel mit dem Feuer müsse ein Ende haben. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte in Moskau, in dem Konflikt gebe es keine Differenzen zwischen Russland und den USA. Gleichwohl warnte er, dass weitere Militärmanöver in der Region die Spannungen verschärfen könnten. US-Außenminister John Kerry wurde noch in dieser Woche in Südkorea erwartet.

Nur wenige Deutsche im Land

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes halten sich derzeit nur wenige Deutsche in Nordkorea auf. Die Zahl liege "im niedrigen zweistelligen Bereich", sagte ein Sprecher in Berlin. Dabei handele es sich vor allem um Entsandte, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, Geschäftsleute und Touristen. In aller Regel kenne die Botschaft in Pjöngjang diese persönlich. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass diese Deutschen das Land verlassen wollten.

Die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes für Nord- und Südkorea seien in den vergangenen Tagen unverändert geblieben, sagte der Sprecher. Demnach ist Südkorea ein "vergleichsweise sicheres Reiseland", die Spannungen haben "die Sicherheitslage für Reisende in Südkorea bisher nicht beeinträchtigt". Von nicht notwendigen Reisen nach Nordkorea rät das Ministerium allerdings "vor dem Hintergrund der aktuellen Drohungen aus Nordkorea" ab, obwohl es ein vergleichsweise sicheres Land sei.

Quelle: ntv.de, dpa/rts