Politik

164 Morde in einem Jahr Umweltschützer leben äußerst gefährlich

Ein Demonstrant geht mit einem Plakat mit einer gezeichneten weinenden Erde durch die Stadt. Foto: Christophe Gateau/Archivbild

Hunderte Aktivisten werden Global Witness zufolge getötet oder oder mit Einschüchterung zum Schweigen gebracht.

(Foto: Christophe Gateau/dpa)

Im vergangenen Jahr wurden weltweit mehr als 160 Land- und Umweltaktivisten ermordet. Ausländische Investoren tragen der NGO Global Witness zufolge eine Mitschuld an diesem "beunruhigenden globalen Trend", weil sie Geld in missbräuchliche Projekte steckten.

Weltweit sind nach Angaben einer Nichtregierungsorganisation im vergangenen Jahr mindestens 164 Umweltschützer und Landrechtsaktivisten ermordet worden. Unzählige weitere seien unter anderem durch Gewalt und Einschüchterung zum Schweigen gebracht worden, weil sie gegen die Ausbeutung von Land und natürlichen Ressourcen protestierten, erklärte die Organisation Global Witness. Sie warf ausländischen Investoren vor, die Gewalt und Ausbeutung indirekt zu begünstigen.

Dem Bericht zufolge sind die Philippinen das gefährlichste Land für Umweltschützer und Landrechtsaktivisten: Hier wurden im vergangenen Jahr 30 Aktivisten ermordet. Es folgen Kolumbien mit 24 und Indien mit 23 Morden. Das schlimmste Massaker ereignete sich demnach im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, wo 13 Menschen nach Protesten gegen eine Kupfermine ermordet wurden. Im brasilianischen Bundesstaat Para wurden dem Bericht zufolge mindestens acht Aktivisten getötet, die in Streitigkeiten mit Vertretern der Sojaindustrie verwickelt waren.

"Diese Gewalt ist eine Menschenrechtskrise"

Global Witness wies auf einen "beunruhigenden globalen Trend" zur Einschüchterung und Inhaftierung von Landrechtsverteidigern und Aktivisten hin. Auch die UN-Sonderberichterstatterin für indigene Völker, Vicky Tauli-Corpuz, sprach von einem weltweiten Phänomen. "Land- und Umweltschützer, von denen viele Eingeborene sind, werden als Terroristen, Schlägertypen oder Kriminelle bezeichnet, weil sie ihre Rechte verteidigen", sagte sie. "Diese Gewalt ist eine Menschenrechtskrise, aber auch eine Bedrohung für all jene, die auf ein stabiles Klima angewiesen sind."

Ausländische Investoren, darunter Entwicklungsbanken, begünstigen Global Witness zufolge die Gewalt, indem sie Geld in missbräuchliche Projekte und Sektoren stecken. In dem Bericht werden eine Reihe von bekannten Unternehmen genannt, die Rechtsverletzungen unterstützt haben sollen. Ausländische Konzerne könnten sich nicht mit dem Hinweis auf Unwissenheit verteidigen, heißt es in dem Bericht. Vielmehr seien sie dafür verantwortlich sicherzustellen, dass das von ihnen genutzte Land mit Zustimmung der Bewohner legal gepachtet werde.

Im Vergleich zum Jahr 2017 sank die Zahl der Todesfälle von Aktivisten und Landverteidigern leicht. Damals wurden 207 Morde gezählt. Global Witness betonte jedoch, dass es eine hohe Dunkelziffer gebe, da es sich häufig um entlegene Gebiete handle.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP

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