Politik

Schnellverfahren gegen Pädophile Vatikan verschärft Kirchenrecht

Die Missbrauchsskandale in Einrichtungen der katholischen Kirche haben nun auch Konsequenzen für das Kirchenrecht. Die Regeln gegen Pädophilie und ähnliche Verbrechen werden verschärft. So können Priester vor Schnellgerichte gestellt werden. Auch die Verjährungsfrist wird verlängert.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Unter dem Eindruck des riesigen Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche hat der Vatikan seine Regeln für den Kampf gegen Pädophilie und ähnliche Verbrechen verschärft und erweitert. Zu den in Rom veröffentlichten neuen kirchenrechtlichen Strafnormen gehört, dass die Verjährungsfrist für Pädophilie von bisher zehn Jahren (gerechnet vom 18. Geburtstag des Opfers an) auf 20 Jahre verlängert wird. Übergriffe von Priestern auf Geisteskranke werden mit jenen auf Kinder gleichgestellt. Als "schwerwiegenderes Verbrechen gegen die Sitten" wertet die Glaubenskongregation künftig auch den Besitz und die Verbreitung kinderpornografischen Materials. Die Regeln ermöglichen zudem kirchliche Schnellverfahren gegen pädophile Geistliche.

Das von dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, unterzeichnete Dokument fasst so die innerkirchlichen Normen zu "schwerwiegenden Delikten" neu. Sie sehen auch vor, dass in "sehr schwerwiegenden Fällen" einer offenkundigen Straftat diese dem Papst direkt vorgelegt werden können: Das Kirchenoberhaupt entscheidet, ob der Angeklagte aus dem Klerikerstand entlassen wird. Entlassung oder Absetzung drohen im Übrigen auch jedem Kleriker, der eine Frau zur Priesterin weiht. Beide sollen in einem solchen Fall exkommuniziert werden, weil es sich dabei um eine "schwerwiegende Straftat" handele.

"Staatliches Gesetz sollte immer befolgt werden"

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Die Meldepflicht bei staatlichen Behörden bleibt unberührt.

(Foto: AP)

Runderneuert werden die Gesetzesregeln, die die Kongregation 2001 unter dem damaligen Präfekten Joseph Ratzinger aufgestellt hatte. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, begrüßte die "Anpassung an heutige Erfordernisse". "Das neue Dokument der Glaubenskongregation stellt ein eindeutiges Zeugnis zugunsten der Opfer von Verfehlungen und Verbrechen im kirchlichen Raum dar", erklärte Zollitsch. Zudem werde ein klares Signal für die rückhaltlose Aufklärung und Ahndung von Untaten gegeben. Zu bedenken sei, "dass die Kirche hier nur ihren eigenen kircheninternen Rechtskreis regelt", erklärte er.

Die Bestrafung von Tätern nach den staatlichen Gesetzen bleibt nach Zollitschs Worten davon unbenommen und werde in keiner Weise berührt. Rom hatte im April zum Höhepunkt des Missbrauchsskandals bereits klargestellt: "Das staatliche Gesetz, das die Anzeige von Verbrechen bei den Behörden betrifft, sollte immer befolgt werden."

Es gehe darum, mit dem kanonischen Recht die schlimmsten Fälle schneller und effektiver bewältigen zu können, erklärte in Rom der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi. Auch Laien könnten als Richter in den Verfahren um Missbrauchsfälle hinzugezogen werden. Benedikt XVI. hat die neugefassten Normen nicht unterschrieben, so dass es sich nicht um eine "päpstliche Botschaft" handelt. Der Papst überließ dies dem US-Kardinal, der nach der Wahl von Joseph Ratzinger zum Pontifex 2005 das Amt des Präfekten der Kongregation übernahm.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP