Gespräche mit US-PolitikernWadephul trifft in Washington auf "sehr viel Verständnis und sehr viel Vernunft"

Bei seiner Reise in die USA hat Außenminister Wadephul diverse heikle Themen im Gepäck. Nach seinen Gesprächen in Washington klingt er erleichtert. Zwar gebe es Dissens - aber auch Konsens in wichtigen Fragen.
Außenminister Johann Wadephul sieht nach seinen Gesprächen in Washington trotz teils harter Kritik aus den USA an Deutschland und Europa auch große Bereitschaft zu enger Zusammenarbeit. Natürlich gebe es Dissens, "natürlich haben wir Diskussionen richtigerweise über Fragen des Völkerrechtes", sagte der CDU-Politiker zum Abschluss seines USA-Besuches. Es gebe aber sehr viel mehr Punkte, in denen Deutschland und Europa "einen großen Konsens mit den Vereinigten Staaten von Amerika" hätten. "Insofern kehre ich wirklich ruhig zurück, aber eben auch mit dem Gefühl, dass es gut ist, auch in Zukunft in einem engen Austausch zu bleiben."
Neben Vertretern der Demokraten hatte Wadephul auch mehrere Republikaner zu Gesprächen getroffen. "Es waren zum Teil auch harte Argumente, die ausgetauscht werden mussten, aber es war sehr viel Verständnis und sehr viel Vernunft dabei", sagte der Minister. Kein Gesprächspartner habe aber Vorwürfe über eine beschränkte Meinungsfreiheit in Europa oder Deutschland oder die Migrationspolitik gemacht. Derartige Klagen waren vor fast einem Jahr erstmals direkt von US-Außenminister JD Vance erhoben worden und fanden später Aufnahme in die Sicherheitsstrategie der USA.
Fokus auf die Kernfragen
"Die allermeisten sind der Meinung, dass wir uns auf unsere Kernfragen miteinander konzentrieren sollten", sagte Wadephul. Das sei gemeinsame Verteidigung in der Nato. Dass sich Deutschland und Europa keine Vorschriften machen ließen von anderen, "wie wir unseren Rechtsrahmen organisieren, wie wir Meinungsäußerungsfreiheit organisieren, das ist selbstverständlich", fügte er hinzu. Dies sei auf viel Verständnis gestoßen.
Er könne alle in Deutschland und Europa "nur ermutigen, weiter hier an diesem Verhältnis zu arbeiten", sagte Wadephul. Es sei wie in allen Beziehungen: "Man muss an ihnen arbeiten, man muss sich für diese Beziehung engagieren. Und wenn man es macht, dann hat man auch jeweils eine gute Aussicht dazu, dass sie stabil bleiben und dass sie eine gute Zukunft haben."
Am Montag hatte sich Wadephul rund eineinhalb Stunden lang mit seinem US-Kollegen Marco Rubio ausgetauscht. Am Dienstag traf er unter anderem den US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer in der Residenz des deutschen Botschafters. Später kam Wadephul mit dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus, dem Republikaner Brian Mast, zusammen, sowie mit mehreren Kongressabgeordneten und Senatoren aus beiden Parteien.
Bei den Gesprächen sei es auch um den aktuellen Streit um die Zukunft Grönlands gegangen, führte Wadephul aus. Klar sei, dass dies nur von den Grönländerinnen und Grönländern und Dänemark letztlich entschieden werden könne. "Dafür habe ich hier in den USA viel Verständnis gefunden", betonte er. Dies müsse immer wieder mit Klarheit, aber auch in einem dialogorientierten Ton deutlich gemacht werden.