"Werden ja schon angegriffen"Wadephul sieht "weitergehende Pläne" des Kreml

BND-Chef Jäger warnt vor einer gefährlichen Konfrontation mit Russland. Auch Außenminister Wadephul sieht Pläne des Kremls über die Ukraine hinaus - und warnt Moskau: Eine Eskalation wäre ein "unkalkulierbares Risiko".
Außenminister Johann Wadephul teilt die Einschätzung von BND-Präsident Martin Jäger, wonach sich die Konfrontation mit Russland verschärft. "Ja, die Dienste waren alle davor", sagte Wadephul in der ntv-Sendung "Pinar Atalay". Auch die außenpolitische Analyse der Bundesregierung sei, dass Russland "weitergehende Pläne" habe. "So ganz versteht man das ehrlich gesagt nicht", so Wadephul. Was sei schon rational daran, "jetzt die Ukraine erobern zu wollen?" Russland habe zuvor ein gutes Auskommen mit der Ukraine gehabt und sei auch wirtschaftlich eng mit Deutschland verbunden gewesen. "Und deswegen müssen wir doch davon ausgehen, dass Russland weitergehende Pläne hat."
Wadephul verwies auf Äußerungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin, wonach der Zusammenbruch der Sowjetunion die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts gewesen sei. Daraus müsse man ableiten, dass Putin möglicherweise die Wiederherstellung sowjetischer Einflussgebiete anstrebe. "Dazu gehört die Ukraine. Dazu gehört auch Georgien", sagte Wadephul. Auch in Moldau sehe man russische Aktivitäten. "Und dazu würde natürlich auch das Baltikum wieder gehören." Da Estland, Lettland und Litauen inzwischen EU- und Nato-Mitglieder seien, "sind wir dann selbst auch betroffen als Alliierte".
"Ist unkalkulierbares Risiko für Russland"
Deutschland sei bereits jetzt mit russischen hybriden Angriffen konfrontiert. "Wir werden ja jetzt schon angegriffen. Denken Sie an die Drohnen in Leipzig." Auch Cyberangriffe gebe es "ständig". Einen Krieg sehe er darin allerdings noch nicht: "Nein, das würde ich nicht als Krieg bezeichnen. Wir haben das als einen hybriden Angriff bezeichnet." Zugleich warnte Wadephul Russland: "Es ist ein unkalkulierbares Risiko für Russland, sich mit uns anzulegen." Die Nato könne auf entsprechende Vorfälle reagieren. "Wir scheuen uns auch nicht davor, dann von Krieg zu sprechen, wenn es einer wäre."
Bei seinem Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Rande der UN-Generalversammlung habe er die Drohnenvorfälle in Leipzig angesprochen. "Für Deutschland ist da eine Linie überschritten worden und hat es eine neue Qualität." Dass er Lawrow bei dem Treffen die Hand gegeben habe, verteidigte Wadephul: "Die Zivilisation - die legt man nicht ab, nur weil die Person, die man trifft und mit der man spricht, völlig andere Werte vertritt als man selber."
Die ntv Sendung “Pinar Atalay” wird am Montag, den 5. Oktober 2026 um 20:15 Uhr und 23:30 Uhr auf ntv ausgestrahlt.

