Politik

Der kleine Unterschied Warum Frauen weniger verdienen

"Männer und Frauen sind gleichberechtigt." So steht es im Grundgesetz - doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. An diesem Donnerstag steht der "Equal-Pay-Day" im Kalender, als symbolische Marke für den Lohnrückstand von Frauen im Vergleich zu den männlichen Kollegen.

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Beim "Equal-Pay-Day" 2012 in Berlin.

(Foto: dpa)

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Frauen verdienen durchschnittlich 22 P rozent weniger als Männer. Das hat das Statistische Bundesamt offiziell festgestellt. Stand: 2012. Sechs Jahre zuvor lag der Unterschied noch bei 23 Prozent. Auch wenn sich damit die Lohn-Kluft minimal geschlossen hat: Der kleine Unterschied zwischen Männern und Frauen ist an dieser Stelle immer noch groß.

So groß, dass selbst die schwarz-gelbe Koalition Handlungsbedarf bei diesem sonst von der Opposition besetzten Thema erkannte und einen Antrag auf "Entgeltgleichheit für Frauen und Männer" in den Bundestag einbrachte. Mit dem Ziel, dass Arbeit familien- und damit frauenfreundlicher werden muss. Die SPD ruft aus der Opposition nach gesetzlichen Schritten, um der Diskriminierung einen Riegel vorzuschieben.

Der "Equal Pay Day" markiert genau jenen Tag, bis zu dem Frauen über den zurückliegenden Jahreswechsel hinaus rein rechnerisch weiter arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Vorjahreseinkommen ihrer männlichen Kollegen zu kommen. In diesem Jahr ist das der 21. März. Am Tag danach befasst sich der Bundestag mit dem Thema.

Mehr Frauen in schlechtbezahlten Berufen

Die ungleiche Bezahlung rührt selbstverständlich nicht aus Tarifverträgen.  Die unterscheiden bei gleichen Tätigkeiten nicht zwischen Mann und Frau - sonst wäre das Anlass zur Verfassungsklage. Die Gründe für die Entgeltungleichheit liegen tiefer und haben eher mit dem auf männliche Erwerbsbiografien zugeschnittenen Arbeitsmarkt zu tun. Experten sprechen von strukturellen Faktoren.

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Wenn Männer als Frisöre arbeiten, gehört ihnen meist auch der Laden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sie meinen damit, dass viele Frauen auch heute noch vorzugsweise Berufe am unteren Ende der Gehaltsskala wählen: Sie arbeiten als Kindergärtnerin, Friseurin, Krankenschwester oder Verkäuferin. Weibliche Führungskräfte sind dagegen die Ausnahme, und wenn, dann verdienen sie laut Statistik 30 Prozent weniger als die männliche Konkurrenz.

Und: Frauen stellen die große Mehrzahl der Minijobber mit oft niedrigem Verdienst. Eine Studie im Auftrag des Familienministeriums kommt zu dem Ergebnis: Selbst eine qualifizierte Berufsausbildung gilt wenig, wenn Frauen jahrelang in Minijobs arbeiten. Auf lange Sicht würden Minijobs zur "Armutsfalle", warnt der DGB.

Frauen erreichen weniger Dienstjahre

Hinzu kommt: Babypause oder Pflege von Angehörigen sind meist Frauensache - und befördern weder Einkommen noch Karriere. Deutlich mehr Frauen (7,7 Millionen) als Männer (1,8 Millionen) arbeiten zudem in Teilzeit. Belohnt wird erfahrungsgemäß mit einem Spitzenjob aber, wer immer präsent ist: Das sind in den meisten Fällen Männer.

Kein Wunder also, dass der Verdienstabstand mit zunehmendem Alter steigt: Beträgt er beim Einstieg in den Beruf nur zwei Prozent, liegt er in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen schon bei elf Prozent; in der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen erreicht er dann 24 Prozent. Selbst im öffentlichen Dienst verdienten Frauen im Schnitt acht Prozent weniger, beklagt die dbb Bundesfrauenvertretung.

Der Bruttomonatsverdienst von Frauen hierzulande liegt laut WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung "bei gleicher Arbeitszeit rund 21 Prozent unter dem der Männer". Das von den Arbeitgebern getragene Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hält dagegen: Die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen betrage nur 11 Prozent, würden Struktur-Faktoren berücksichtigt wie Bildung, Alter, Berufserfahrung, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Firmengröße. Beziehe man auch noch Babypausen mit ein, schrumpfe die Differenz gar auf 2 Prozent. Damit wäre der verbliebene kleine Unterschied fast weggerechnet.

Quelle: n-tv.de, Von Günther Voss, dpa

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