Politik

Kirche drängt zum Rücktritt Weihbischof dankt ab

Der Mainzer Weihbischof Franziskus Eisenbach ist nach Aufforderung der Kardinalsversammlung zurückgetreten. Zahlreiche Verstöße werden ihm vorgeworfen: Unter anderem beschuldigte ihn eine Mainzer Professorin der sexuellen Übergriffe und Körperverletzung bei Teufelsaustreibungen.

Wie das Bistum Mainz bestätigte, hat Papst Johannes Paul II. das Rücktrittsgesuch Eisenbachs angenommen. Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, bedauerte den Rücktritt des Weihbischofs, zeigte sich jedoch erleichtert, dass die Kurie keinen Strafprozess gegen Eisenbach einleiten will. Die beiden Kurienkardinäle Joseph Ratzinger und Giovanni Battista Re erklärten in Rom, Eisenbach sei von der Kardinalsversammlung zum Rücktritt aufgefordert worden - "wegen des Wohls der Kirche und der Klarheit ihres Zeugnisses".

Der Rücktritt gilt aber nicht als Schuldeingeständnis. Lehmann erklärte, Eisenbach werde eine neue Tätigkeit als Seelsorger erhalten. Dennoch ist die Anklageliste lang: Es geht um jahrelangen Verstoß gegen das Zölibatsgesetz durch sexuelle Beziehungen zu mehreren Frauen, um Verführung zur Sünde innerhalb der Beichte, um schwere Körperverletzung als Folge von Exorzismus, um Verletzung des Beichtgeheimnisses und der priesterlichen Schweigepflicht, um unbefugte Ausübung des "Großen Exorzismus" und um Verletzung des guten Rufes.

Erstmals Ermittlungen gegen Bischof

Erstmals war in Deutschland gegen einen Bischof strafrechtlich ermittelt worden. Eine Mainzer Professorin hatte im September 2000 Strafanzeige gegen Eisenbach gestellt, weil er eine Dämonenaustreibung in Form des "Großen Exorzismus" mit körperlicher Gewalt an ihr vorgenommen, sie dabei in sexuelle Abhängigkeit gebracht und diese ausgenutzt habe.

Die Staatsanwaltschaft Mainz allerdings hatte das Ermittlungsverfahren im April 2001 eingestellt, weil sich die Vorwürfe nicht als haltbar erwiesen haben. Es gebe Zweifel, ob die Frau tatsächlich aus therapeutischen Gründen Kontakt zu dem Bischof aufgenommen habe oder ob sie nicht eine religiös verbrämte Beziehung gesucht habe, so das Urteil der Staatsanwaltschaft.

Gleichzeitig hatte die Professorin Änne Bäumer-Schleinkofer den Weihbischof auch beim Vatikan angezeigt. Sie begrüßte am Dienstag den Rücktritt des Weihbischofs. Der Vatikan habe im vorliegenden Fall zur zweitschärfsten möglichen Sanktion gegen Eisenbach gegriffen.

Quelle: n-tv.de