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"Der Rückgang ist dramatisch" Weniger Flüchtlinge erreichen Griechenland

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Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos hoffen auf ein Weiterkommen.

(Foto: AP)

Im April kommen 90 Prozent weniger Flüchtlinge nach Griechenland als noch im März, berichtet Frontex. Ein Grund sei das Abkommen mit der Türkei. Hunderte Menschen versuchen derweil ihr Glück in Italien.

In Griechenland kommen nach dem Abschluss des umstrittenen EU-Türkei-Abkommens kaum noch Flüchtlinge an. Im April wurden weniger als 2700 Migranten auf den griechischen Inseln neu registriert und damit 90 Prozent weniger als im Vormonat, teilte die EU-Grenzschutzagentur Frontex in Warschau mit. Im März waren es noch 26.971 Menschen, im Januar waren 67.415 angekommen, im Februar 57.066.

"Der Rückgang ist dramatisch. Die Gesamtzahl für April liegt weit unter dem, was wir während der Hochphase im vergangenen Jahr oft an einem einzigen Tag allein auf der Insel Lesbos gesehen haben", sagte Frontex-Chef Fabrice Leggeri. Die meisten Ankommenden stammten aus Syrien, gefolgt von Menschen aus Pakistan, Afghanistan und dem Irak.

Die Zahlen seien das Ergebnis verschiedener Faktoren, wozu das EU-Türkei-Abkommen zähle, hieß es weiter. Dem Pakt zufolge können Flüchtlinge, die Griechenland illegal von der Türkei aus erreichen, grundsätzlich zurück in die Türkei geschickt werden. Hinzu kämen strengere Kontrollen Mazedoniens an der Grenze zu Griechenland und damit eine faktische Schließung der Balkanroute. Die Zahlen bleiben weiterhin niedrig: Von Donnerstag auf Freitag kamen nach Angaben des griechischen Stabs für die Flüchtlingskrise 118 Flüchtlinge und Migranten auf den griechischen Inseln an.

Mehr Menschen landen in Italien

Die EU und die Türkei hatten sich am 18. März auf ein Abkommen geeinigt, dass die Rückführung aller Migranten in die Türkei vorsieht, die illegal in Griechenland einreisen. Die Gegenleistungen der EU an die Regierung in Ankara - vor allem die mögliche Visafreiheit für Türken - sind allerdings umstritten. Ankara weigert sich, einer dafür notwendige Änderung der türkischen Anti-Terrorgesetze zuzustimmen.

Derweil kamen im April zum ersten Mal seit Juni 2015 mehr Menschen über das Mittelmeer in Italien an als in Griechenland. Allerdings lag die Zahl mit 8370 Migranten 13 Prozent unter dem Wert vom März und 50 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Über diese Route versuchten vor allem Menschen aus Eritrea, Ägypten und Nigeria nach Europa zu gelangen. Vor der italienischen Küste bemüht sich die EU mit dem Marine-Einsatz "Sophia" das Geschäft von Schleppern einzudämmen und Flüchtlinge aus Seenot zu retten.

Die italienische Küstenwache rettete derweil im Mittelmeer erneut mehr als 800 Flüchtlinge, die von verschiedenen Schiffen nach Sizilien und Kalabrien gebracht werden sollen. Die ersten 342 Migranten seien bereits im sizilianischen Hafen von Augusta angekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Entgegen zunächst anderslautenden Berichten sei nur ein Syrer darunter. Bei den anderen handele es sich um Ägypter, Somalier und Sudanesen, sagte ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration. Weitere etwa 500 Migranten sollen im Laufe des Tages auf Sizilien und in Kalabrien ankommen. Unbestätigten Berichten zufolge seien auch darunter keine Syrer.

Quelle: n-tv.de, mli/rts/dpa

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