Politik

Peinliche Posse in Afghanistan Westen fiel auf Hochstapler herein

Bei ihren Gesprächen mit hochrangigen Taliban haben Afghanistans Präsident Karsai und hohe NATO-Vertreter offenbar mit einem einfachen Ladenbesitzer aus Quetta an einem Tisch gesessen. Der Mann hatte sich als Mullah Achtar Muhammad Mansur, die Nummer Zwei der Taliban, ausgegeben.

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Karsai will den Möchtegern-Taliban nie gesehen haben.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der afghanische Präsident Hamid Karsai und seine westlichen Verbündeten sind bei ihren Geheimgesprächen mit Taliban-Führern auf einen Schwindler reingefallen. Einen entsprechenden Bericht der "New York Times" bestätigte der Kommandeur der internationalen Schutztruppe Isaf, US-General David Petraeus, bei einem Besuch in Berlin. Der Hochstapler soll erst aufgeflogen sein, nachdem er eine beachtliche Summe vom Westen erhalten haben soll.

Petraeus sagte, man sei dem Mann von Anfang an mit Skepsis begegnet. "Es kann gut sein, dass diese Skepsis gut begründet war", sagte er nach einem Treffen mit Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg. "Deswegen ist es überhaupt keine Überraschung, dass heute dieser Zeitungsartikel erschienen ist." Der afghanische Präsident Karsai hatte den Bericht zuvor noch dementiert.

Gespräche mit der Nummer Zwei

Die "New York Times" schreibt, der Vorfall könnte einem Spionagethriller entstammen. Demnach glaubten Karsai und die Nato, die diese geheimen Treffen unterstützt, dass es sich bei dem Gesprächspartner um Mullah Achtar Muhammad Mansur handelte. Er gilt als eine führende Person in der Taliban-Bewegung, manche hielten ihn gar für die Nummer Zwei hinter Mullah Mohammed Omar. Die "Washington Post" berichtete, der Mann sei in Wirklichkeit Besitzer eines kleinen Ladens in der pakistanischen Stadt Quetta.

Der afghanische Präsident wies die Anschuldigungen als "Propaganda der Medien" zurück. "Ich habe niemanden mit dem Namen Achtar Muhammad Mansur getroffen", sagte Karsai vor Reportern in Kabul. "Trauen Sie der New York Times nicht." Was ausländische Medien über die Gespräche zwischen der afghanischer Regierung und den Taliban verbreiteten, seien meistens "Lügen und Propaganda".

Kein Ähnlichkeit mit Mansur

Wie die Zeitung unter Berufung auf afghanische und westliche Beamte weiter berichtete, soll es drei Treffen mit dem vermeintlichen Taliban-Führer gegeben haben. Der falsche Mullah Mansur sei aus dem Nachbarland Pakistan angereist und in einem Fall sogar in einer NATO-Maschine zu einem Treffen mit Karsai nach Kabul geflogen worden.

Zweifel seien nach dem dritten Treffen im südafghanischen Kandahar aufgetaucht. Da habe ein Mann, der Mansur von früher kannte, afghanischen Vertretern gesagt, dass der Mann am Verhandlungstisch keine Ähnlichkeit mit dem Taliban-Führer besitze. "Er sagte, dass er ihn nicht erkennt", zitierte die Zeitung einen hochrangigen Afghanen.

Viel Geld im Spiel

Inzwischen, so die "New York Times", seien amerikanische und westliche Beamte überzeugt davon, dass es um einen Schwindel handele. "Er ist es nicht", sagte ein westlicher Diplomat nach Angaben der Zeitung. "Und wir haben ihm eine Menge Geld gegeben."

Karsai setzt sich seit langem für Gespräche mit den Aufständischen ein, um den Konflikt am Hindukusch zu beenden. Erst Anfang Oktober hatte er einen "Hohen Friedensrat" ins Leben gerufen, um den Dialog mit den Taliban voranzutreiben. Kurz darauf räumte er erstmals "inoffizielle private Kontakte" zu den Aufständischen ein. Offizielle Verhandlungen zwischen beiden Seiten soll es bislang nicht geben.

Quelle: ntv.de, dpa

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