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Weniger arbeiten, mehr Feiertage Wie einige Länder den Tourismus ankurbeln

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Restaurants und Hotels standen wegen Corona lange leer.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Gastronomie- und Tourismusbranche erleidet in der Corona-Krise herbe Umsatzeinbrüche. Nur langsam rappelt sie sich wieder auf die Beine. In einigen Ländern helfen die Regierungschefs deshalb mit kreativen und gleichzeitig ungewöhnlichen Lösungen nach.

Es ist ein düsteres Bild: Die erzwungenen Betriebsschließungen wegen der Corona-Pandemie sorgen im Gastgewerbe für leere Kassen. Die Einnahmen von Restaurants und Hotels haben sich allein in Deutschland im März auf Jahressicht beinahe halbiert. Das habe es seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht gegeben, teilt das Statistische Bundesamt mit. Und im April dürfte die Lage noch trüber ausgesehen haben. Denn ab dem 18. März waren Übernachtungen touristischer Gäste in Hotels verboten. Vier Tage später mussten alle Gaststätten - wenn sie keinen Abhol- und Lieferservice anbieten - ganz schließen.

Inzwischen lockern die meisten Länder die Beschränkungen wieder. Auch in Deutschland dürfen die Restaurants mit hohen Auflagen wieder öffnen. Im Sommer könnte tatsächlich so etwas wie Tourismus stattfinden. Außenminister Heiko Maas wirbt bereits pünktlich zum Sommerurlaub für offene europäische Grenzen. Doch wie groß wird die Reiselust tatsächlich sein? Anstatt den Urlaub im Ausland zu verbringen, preisen Regierungschefs in etlichen Ländern die eigenen Berge, Strände und Sehenswürdigkeiten bei der heimischen Bevölkerung an, nicht zuletzt um die eigene Wirtschaft zu stärken.

Wie das aussieht, zeigt die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. In einem Facebook-Live-Video wirbt sie für den Tourismus im eigenen "Garten". In Neuseeland, das wirtschaftlich stark von den jährlich vier Millionen Touristen abhängig ist, haben die Infektionsraten bereits Anfang April ihren Höhepunkt erreicht, nachdem Ardern am 19. März die Grenzen schließen ließ. Seither fällt die Kurve. Jetzt will sie, um die Wirtschaft anzukurbeln, den Inlandstourismus fördern: Damit Neuseeländer mehr verreisen können, schlägt sie Arbeitgebern vor, eine viertägige Arbeitswoche in Betracht zu ziehen.

Dies hätten ihr viele Menschen vorgeschlagen. "Wir haben so viel über Covid und die Flexibilität der Menschen gelernt, die im Homeoffice arbeiten und wie es die Produktivität steigern kann", sagt die Regierungschefin. Letztendlich läge die Entscheidung zwar bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern. "Ich würde die Leute, die Arbeitgeber sind und denen es möglich ist, wirklich dazu ermutigen, darüber nachzudenken", sagt die 39-Jährige weiter. "Überlegen Sie, ob dies für Ihren Arbeitsplatz geeignet ist, da es sicherlich dem Tourismus im ganzen Land helfen würde." Für den Post bekommt sie großen Zuspruch.

Ein zusätzlicher Feiertag?

In Großbritannien erwägt die Regierung sogar, in diesem Jahr einen zusätzlichen Feiertag in den britischen Kalender aufzunehmen. Der soll im Oktober um die Schulferien sein, berichtet der "Guardian". Die Idee stammt von der Tourismusagentur "VisitBritain". Damit sollen die Saison verlängert und entgangene Einnahmen aus zwei Feiertagswochenenden im Mai ausgeglichen werden, die wegen Corona für die Branche praktisch "ausgefallen" waren. Die Regierung unterstütze "die Tourismusbranche in dieser herausfordernden Zeit", heißt es aus London. Ein Sprecher fügt aber hinzu: "Es ist erwähnenswert, dass ein zusätzlicher Feiertag mit wirtschaftlichen Kosten verbunden ist."

Eine andere Idee kommt aus Bulgarien. Weil das Land auf Flüge von Feriengästen aus West- und Mitteleuropa angewiesen ist, setzt die Regierung zunächst auf heimische Touristen. Sie sollen mit Gutscheinen im eigenen Land gehalten werden. Damit kurbelten sie die Wirtschaft bereits im Juni wieder an. Eine ähnliche Idee hatte auch CSU-Chef Markus Söder. Mit finanziellen Anreizen in den Sommermonaten könnte man "ein Stück Entlastung für die Branche, aber auch Freude für die Menschen bringen", sagte der bayerische Ministerpräsident jüngst. Denkbar seien entweder Urlaubsgutscheine oder eine steuerliche Absetzbarkeit - er sei da relativ offen.

Sommerurlaub rettet Branche nicht

Mittlerweile können Restaurants in Deutschland nach der Zwangspause zumindest wieder öffnen. Doch der Auftakt verläuft bestenfalls durchwachsen: Zwar habe es in den ersten Tagen an dem sonnigen Wochenende viele Menschen nach draußen gezogen, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Ingrid Hartges. Vor allem die Außengastronomie habe davon profitiert. Aber selbst dort, wo der Andrang groß ist, können Wirte wegen der Abstandsgebote längst nicht dieselben Einnahmen erzielen wie im Vorjahr.

Hoffnung macht zumindest die Reiselust der Deutschen: "Seitdem die deutschen Ferienregionen wieder verfügbar sind, sehen wir eine große Nachfrage an den Küsten und Bergen", sagt ein Tui-Sprecher. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern seien einige Termine um die Maifeiertage sowie die Hochsommerwochen bereits ausgebucht. "Das gilt vor allem für die Nord- und Ostsee, aber auch die Alpen und Mittelgebirge ziehen an", berichtet DER Touristik.

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Campingplatzbetreiber aus Nordrhein-Westfalen berichteten von einem ungewöhnlichen Ansturm für das anstehende lange Himmelfahrts-Wochenende. Die Plätze seien landesweit so gut wie ausgebucht. Auch für die Sommerferien gebe es schon ungewöhnlich viele Buchungen.

Doch erhöhte Buchungsanfragen im Mai und zur Hochsaison im Juli und August reichen allein nicht, um die Umsatzeinbrüche der vergangenen Monate aufzufangen. Rund 70.000 Betriebe stehen am Rande der Pleite, prophezeit der Branchenverband Dehoga.

Quelle: ntv.de