Politik
Hund vor deutscher Fregatte im Hafen von Palermo.
Hund vor deutscher Fregatte im Hafen von Palermo.(Foto: Issio Ehrich)
Samstag, 11. November 2017

Pause für die deutsche Fregatte: Willkommen in "Dschibuti"

Von Issio Ehrich, Palermo

Nach zwei Wochen im Mittelmeer läuft die deutsche Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" im Hafen von Palermo ein. Der Liegeplatz weckt bei manch einem Besatzungsmitglied merkwürdige Assoziationen.

Auf der Pier rennt ein geprügelter Hund umher. Sein Fell ist völlig verdreckt. Wahrscheinlich hat er sich in einer der Pfützen gesuhlt, in denen Plastikstücke und gelb-braune Papierfetzen treiben. Vielleicht hat der Hund auch versucht, sich eine Laus aus dem Pelz zu scheuern - an einem der rostigen Kräne, die hier in den Himmel ragen.

"Malerisch", sagt Kommandant Christian Schultze und lässt den Blick von der Bücke seiner Fregatte Mecklenburg-Vorpommern über diese Szenerie schweifen. "Malerisch." Schultzes Waffenleitoffizier stimmt mit ein. "Das ist ja fast wie in Dschibuti." Plötzlich entspinnt sich ein Gespräch - über den Gestank des Hafens des ostafrikanischen Landes, über den Schmutz im Ganges. Dabei sind wir in Italien. Im Hafen des sizilianischen Palermo, um genau zu sein. Leider ist unser Liegeplatz wirklich übel.

Sizilien ist schön - der Hafen von Palermo umso weniger.
Sizilien ist schön - der Hafen von Palermo umso weniger.(Foto: Issio Ehrich)

Ich hab mir das Ende meiner Reise mit der "Mecklenburg-Vorpommern" anders vorgestellt. Feierlicher.

Die Besatzung hat das 140 Meter lange Schiff gerade souverän an seinem Liegeplatz geparkt. Und das ist wahrlich noch die kleinste Herausforderung, die sie gemeistert hat. Die 219 Männer und Frauen an Bord haben einiges geleistet in den vergangenen Tagen.

Mehr als 300 Menschen in Seenot haben sie aufs europäische Festland gebracht. Unterwegs sorgten die Sanitäter an Bord dafür, dass eine Nigerianerin den Jungen Marveloy auf die Welt bringen konnte. Die Männer und Frauen sind der libyschen Küstenwache viel nähergekommen, als es allen an Bord lieb war. Dabei fielen sogar Schüsse. Eine falsche Entscheidung auf der Brücke oder in der Operationszentrale hätte gereicht, und die Situation wäre vollends eskaliert. Die Männer und Frauen haben auch die Fregatte nach einem Schaden im Rumpf soweit seeklar gemacht, dass sie sich jetzt zutrauen, damit bis zum nächsten regulären Werfttermin im Einsatz zu bleiben.

Ich bin froh, bei alledem dabei gewesen zu sein. Ich hatte sehr viel Reporter-Glück. Von der Crew höre ich immer wieder, dass dies die zwei intensivsten Wochen ihres bisherigen Einsatzes waren.

Der geprügelte Hund und die Versorgungsoffzierin

Ganz sicher war hier an Bord nicht alles gut. Es gab für mich auch Streit, Ärger und Enttäuschungen. Aber das waren die Ausnahmen.

Dies ist mein vorerst letzter Tagebucheintrag von der "Mecklenburg-Vorpommern". Für mich ist das vor allem der Moment, mich bei der Besatzung zu bedanken. Noch viel mehr als ihr Einsatz hat mich das eine oder andere persönliche Gespräch beeindruckt. Meist auf einem der schmalen Gänge, in der Offiziersmesse oder an einem ruhigen Fleck auf Deck. Ich war gerührt, wenn mir Soldaten erzählten, die eigentlich für die U-Boot-Jagd ausgebildet wurden, wie sehr sie die Aufnahme von Flüchtlingen aus Seenot bewegt. Genauso berührt war ich, wenn sie mir erzählten, was ihre Entscheidung für das Leben, das sie an Bord so eines Schiffes führen, für sie bedeutet. Mit so viel Offenheit hatte ich nicht gerechnet.

Was bleibt noch hängen? Zurück an der Pier. Der geprügelte Hund streunt immer noch umher. Er hat offensichtlich Zutrauen zur ersten Versorgungsoffizierin gefunden, die dort die Proviantübernahme für den nächsten Turn vorbereitet. Und sie sagt: "Solche Hunde mag ich ja gar nicht. Wer weiß, was der für Krankheiten hat."

Die Frau schüttelt sich, als sie die Pier herunterschlendert. Der Hund trottet ihr trotzdem nach, fast so, als ob er ein neues Frauchen gefunden hätte. Ich muss schmunzeln. Bei allem Respekt für die Leistungen der Männer und Frauen an Bord werden auch diese Momente in meiner Erinnerung bleiben, Momente, in denen Komik und Tragik ganz nah beisammen liegen. Es gab viele davon. Wahrscheinlich, weil die Männer und Frauen an Bord der Mecklenburg-Vorpommern es bei allen Härten ihrer Arbeit schaffen, sich eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren. Das merkt sogar ein Hund.

Lesen Sie, was am 13. Tag auf See geschah.

Quelle: n-tv.de

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