Kein Ende in SichtZermürbt der Iran-Krieg letztlich Trump selbst?

Sechs Monate nach Beginn der US- und israelischen Luftangriffe auf den Iran hat sich der Konflikt zu einer Art Zermürbungskrieg entwickelt. Der von US-Präsident Donald Trump als "kleiner Ausflug" bezeichnete Krieg belastet seine Präsidentschaft zunehmend. Der Iran hat nicht kapituliert, und der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus bleibt stark beeinträchtigt.
Ein Ende des Konflikts, für den Trump eine Dauer von vier Wochen vorausgesagt hatte, ist nicht in Sicht. Was wollte der US-Präsident ursprünglich erreichen, was davon ist ihm gelungen - und wie geht es weiter? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:
Welche Ziele hatte Trump zu Beginn des Krieges?
Die Verhinderung einer iranischen Atombombe war und ist Trumps oberstes Kriegsziel. So begründete er die Angriffe auf den Iran Ende Februar vor allem mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm. Trump erklärte, er wolle die USA vor "direkten Bedrohungen" durch den Iran schützen. Der US-Präsident warf Teheran vor, "Raketen zu bauen, die bald die Vereinigten Staaten von Amerika erreichen werden". Belege dafür lieferte er nicht.
Trump hatte die Luftangriffe zudem mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon, begründet. Durch die Milizen sowie das Atom- und Raketenprogramm sieht Israel seine Existenz bedroht. Nach Recherchen von US-Medien war es letztlich der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der Trump zu den Angriffen überredet hatte. Netanjahus Ziel ist dabei, den Erzfeind Iran zu schwächen.
Eine Demokratie im Iran war nach Angaben von Pentagon-Chef Pete Hegseth kein ausdrückliches Kriegsziel der USA. Es gehe nicht um ein "Experiment zum Demokratie-Aufbau", sagte er Anfang März. Stattdessen rief Trump die iranische Bevölkerung nach der Tötung von Irans oberstem Führer Ayatollah Ali Chamenei dazu auf, "sich ihr Land zurückzuholen".
Was hat Trump in sechs Monaten Krieg erreicht?
Das iranische Atomprogramm wurde zurückgeworfen, die genaue Entwicklung bleibt jedoch unklar. Bei Angriffen im Juni 2025 und zu Beginn des aktuellen Krieges wurden drei bekannte Urananreicherungsanlagen sowie weitere mutmaßliche Nuklearstandorte beschädigt. Zudem töteten israelische Angriffe führende iranische Atomwissenschaftler. US-Geheimdienste schätzten im Mai, dass der Iran nun bis zu einem Jahr für die Herstellung von ausreichend Spaltmaterial für eine Atombombe benötige. Vor dem Krieg lag diese Zeitspanne bei sechs Monaten.
Der tatsächliche Zustand des Atomprogramms ist jedoch ungewiss, da UN-Inspektoren keinen Zugang zu den Anlagen haben. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) konnte den Verbleib von rund 440 Kilogramm an auf 60 Prozent angereichertem Uran seit den Angriffen im Jahr 2025 nicht überprüfen. Dieses Material könnte in geheimen Anlagen weiter angereichert werden. Der Iran bestreitet die Absicht, eine Atombombe zu bauen.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete im März unter Berufung auf Insider, die USA hätten nach eigenen Erkenntnissen etwa ein Drittel des iranischen Raketenarsenals nachweislich zerstört. Bei einem weiteren Drittel sei der Zustand unklar. Diese Raketen seien vermutlich beschädigt oder in Tunneln verschüttet worden.
Allerdings hat sich die Sicherheitslage im Nahen Osten im Verlauf des Krieges insgesamt verschlechtert. Analysten zufolge hat der Krieg Teheran nicht geschwächt, sondern gestärkt und die Region unsicherer gemacht. Iranische Raketen- und Drohnenangriffe auf arabische Golfstaaten trafen diplomatische und militärische Einrichtungen der USA und störten den Flugverkehr. Zudem erhöhten die Angriffe auf die Schifffahrt und die Blockade von Schiffen mit Verbindungen nach Saudi-Arabien durch die Huthi-Rebellen im Roten Meer die Transport- und Versicherungskosten. Dies beeinträchtigt die Lieferketten und belastet vor allem die Wirtschaft der Golfstaaten.
Wie steht es um die Stärke des iranischen Militärs?
Militärisch ist der Iran schwer getroffen, er bleibt jedoch handlungsfähig. Im Mai erklärte der Kommandeur der US-Streitkräfte im Nahen Osten, Admiral Brad Cooper, vor dem Kongress, amerikanische Einheiten hätten 161 iranische Kriegsschiffe zerstört und 82 Prozent der Luftabwehrsysteme ausgeschaltet. Die iranische Luftwaffe fliege keine Einsätze mehr. Dennoch verfügt das Land weiterhin über Drohnen und Raketen.
Und wie steht es um das US-Militär?
Die Einsatzbereitschaft des US-Militärs ist durch den Konflikt gesunken. Die USA verloren Drohnen und Kampfflugzeuge durch iranischen Beschuss und Unfälle. Mindestens 18 US-Soldaten wurden getötet und mehr als 750 verletzt. Einem Bericht des Wissenschaftlichen Dienstes des US-Kongresses vom Mai zufolge gingen 42 Militärflugzeuge verloren. Zudem mangelt es an Munition.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, das Militär habe fast die gesamten weltweiten Bestände bestimmter Präzisionsraketen aufgebraucht. Nach Schätzungen des Zentrums für strategische und internationale Studien (CSIS) hatten die USA bis Juli etwa 65 Prozent ihrer Patriot-Abfangraketen verbraucht. Der Bestand an THAAD-Abwehrraketen sank um mindestens 38 Prozent.
Washington verlegte Kampfjets und Kriegsschiffe aus Europa und dem Asien-Pazifik-Raum in den Nahen Osten. Dies verlängerte die Dienstzeiten und wirft Fragen über die Einsatzbereitschaft in anderen Regionen auf. Der Flugzeugträger "USS Gerald R. Ford" war mehr als ein Jahr auf See - die längste Mission seit dem Vietnamkrieg. Die "USS Abraham Lincoln" verbrachte 200 Tage ununterbrochen auf See, bevor sie vergangene Woche durch einen anderen Flugzeugträger aus dem Pazifik ersetzt wurde.
Was bedeutet der bisherige Krieg innenpolitisch für Trump?
In den USA zahlt Trump für den Konflikt einen hohen Preis. Einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Instituts Ipsos zufolge fielen seine Zustimmungswerte seit Beginn des Krieges von 40 auf 33 Prozent. Steigende Benzinpreise konterkarieren Trumps Versprechen aus dem Wahlkampf 2024, die Kosten für die Bürger zu senken. Trump hatte im Wahlkampf versprochen, Kriege zu beenden.
Jetzt aber argumentiert er, dass das Raketenprogramm und die nuklearen Bestrebungen des Iran ein Handeln erforderten. Die Mehrheit der Wähler überzeugt dies jedoch nicht. Lediglich 31 Prozent der US-Bürger befürworten den Konflikt. Dies ist ein niedrigerer Wert als bei anderen US-Einsätzen in einer vergleichbaren Phase. Der Krieg in Afghanistan verzeichnete in Umfragen des Instituts Gallup über Jahre eine Zustimmung von mehr als 50 Prozent.
Was heißt das für die Zwischenwahlen in den USA?
Die Unzufriedenheit der Wähler über die hohen Preise gefährdet die knappe Mehrheit der Republikaner im Kongress vor den Wahlen im November. Nicht besser wird die Lage dadurch, dass die US-Staatsverschuldung mit 40 Billionen Dollar (gut 34.000.000.000.000 Euro) einen neuen Höchststand erreichte. Das liegt nicht nur an Trumps Steuersenkungen und den hohen Ausgaben für die Einwanderungsbehörde ICE, sondern auch am Iran-Krieg.
"Was als zweiwöchige Operation angekündigt war, ist jetzt ein umfassender Krieg, der seit über 150 Tagen andauert, mehr als 37 Milliarden Dollar gekostet und das Leben von 18 Soldaten gefordert hat", schrieben rund 50 Abgeordnete der oppositionellen Demokraten diese Woche in einem Brief an Trump. "Die Regierung sollte sich darauf konzentrieren, den Konflikt zu beenden und die sehr realen finanziellen Sorgen der amerikanischen Öffentlichkeit anzugehen."
Was hat sich für das iranische Regime und die Menschen im Land verändert?
Im Iran herrschen weiter die ultrakonservativen Geistlichen, die Opposition hingegen ist extrem geschwächt. Die Gegner der Mullahs seien die größten Verlierer des Abkommens zwischen Washington und Teheran, sagen Experten und Menschenrechtsaktivisten. Anders als von Trump zu Beginn der Angriffe suggeriert, ebneten die Bombardements nicht den Weg für einen Volksaufstand gegen die Machthaber in Teheran.
Stattdessen kostete der Krieg Tausende Menschen das Leben und verschärfte die Wirtschaftskrise im Iran. Im Juli lag die Inflation bei Lebensmitteln nach Angaben der iranischen Statistikbehörde bei 128 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Viele Menschen haben ihren Konsum eingeschränkt und kaufen nur noch das Nötigste. Die schwere Wirtschaftskrise setzt auch die Regierung unter Druck, die neue Proteste fürchtet. Wohl auch als Zeichen der Einschüchterung nahm die Zahl der Hinrichtungen seit Beginn des Iran-Krieges weiter zu.
Wie sehr hat der Iran-Krieg die Weltwirtschaft belastet?
Die Angriffe erschütterten die Weltwirtschaft, die Folgen fielen jedoch weniger verheerend aus als befürchtet. Durch die Straße von Hormus, die an ihrer engsten Stelle zwischen dem Iran und dem Oman rund 34 Kilometer breit ist, wird etwa ein Fünftel der weltweiten Energieträger transportiert. Die Blockaden ließen die Ölpreise steigen und schürten Sorgen über eine globale Rezession.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine Wachstumsprognose seit Kriegsbeginn zweimal. Er erwartet für das laufende Jahr ein globales Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent, nach einer Prognose von 3,3 Prozent im Januar. Dennoch zeigte sich die Weltwirtschaft widerstandsfähiger als während der Ölschocks der 1970er Jahre. Moderne Volkswirtschaften sind weniger energieintensiv. Zudem stützten hohe Investitionen, unter anderem durch den Boom im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI), die Konjunktur.
Wie geht Teheran nun weiter vor?
Irans Führung misstraut den USA und wirft Regierungsvertretern in Washington vor, kein Interesse an der Einhaltung des im Juni unterzeichneten Rahmenabkommens für eine Beendigung des Krieges zu haben. Der Machtapparat stimmt die Bevölkerung daher zunehmend auf eine neue Eskalation ein. Beobachter halten es für möglich, dass Irans Streitkräfte wenige Wochen vor den Wahlen in den USA mit militärischem Druck versuchen könnten, Washington weitere Zugeständnisse abzuringen.
Was plant Trump als Nächstes?
Der US-Präsident will den Iran nun mit einem "Wirtschaftskrieg" in die Knie zwingen. Dafür hat seine Regierung neue Sanktionen angekündigt. US-Finanzminister Scott Bessent sprach in Anspielung auf die Landung der Alliierten in Nordfrankreich 1944 sogar von einem "D-Day" für den Iran. Unklar ist allerdings, wann die angedrohten Sanktionen gegen Irans Handelspartner überhaupt greifen sollen. Schon jetzt ist das Land mit weitreichenden Strafmaßnahmen belegt und vom internationalen Finanzsystem weitgehend abgeschnitten.
Gibt es Zeichen für Diplomatie?
Zwar spricht die Regierung im Nachbarland Pakistan, das in dem Konflikt zwischen Teheran und Washington vermittelt, nach einem Besuch in der iranischen Hauptstadt von "sehr positiven und produktiven Gesprächen". Erkennbare Fortschritte sind auf diplomatischer Ebene jedoch in den vergangenen Wochen nicht erzielt worden. Nach US-Angaben gibt es zwischen den USA und dem Iran derzeit keine Verhandlungen. Es lägen jedoch weiterhin alle Optionen auf dem Tisch, sagt die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, in einem Interview mit dem US-Sender Fox News.