Politik

Schweigen auf Rat des Anwalts Zschäpe wollte aussagen

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Mit ihrer Verteidigung war Zschäpe wohl nicht immer zufrieden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein BKA-Beamter fährt acht Stunden mit Beate Zschäpe durch Deutschland und plauscht mit der mutmaßlichen Rechtsterroristin. Dabei äußert Zschäpe Erstaunliches und lästert über ihren Verteidiger.

Die NSU-Hauptangeklagte Beate Zschäpe soll zu einer Aussage bereit gewesen sein - ihr Anwalt soll ihr jedoch davon abgeraten haben. Das habe sie während eines Gefangenentransports erzählt, berichtete ein Ermittler des Bundeskriminalamts bei seiner Vernehmung vor dem Oberlandesgericht München. "Ja, sie wollte das eigentlich, insbesondere als es ihrer Großmutter schlecht ging, um sich bei ihrer Großmutter zu entschuldigen", sagte der Beamte. Sie habe aber gesagt, dass ihr Anwalt davon abrate. "Wenn sie aussagt, dann vollständig und umfassend", habe sie gesagt, berichtete der Beamte. "Sie sei niemand, der nicht zu ihren Taten steht."

Der BKA-Beamte hatte Zschäpe im Juni 2012 auf einem Transport nach Jena begleitet. Dort konnte sie im Gefängnis Besuch von ihrer Mutter und ihrer Großmutter bekommen. Der Erinnerung des BKA-Beamten zufolge war Zschäpe vor der Fahrt aufgeregt und freute sich über den "Ausflug". Aus ihrem Verhalten entnahm der Polizist, dass sie Angst hatte, dass die Presse Wind von der Fahrt bekommt und fürchtete, dass jemand ein Foto macht.

Auf der zwei Mal vier Stunden dauernden Fahrt habe Zschäpe mit ihm und einer weiteren Beamten geplaudert.  "Das lief alles in einer freundlichen Atmosphäre ab", sagte der Beamte. "Die Zeit verging wie im Flug." Dabei habe sich Zschäpe "sehr, sehr unzufrieden" über ihren Verteidiger geäußert. "Er macht ja eigentlich sehr wenig", habe sie gesagt. Ständig lese sie etwas in der Presse. Zu diesem Zeitpunkt wurde Zschäpe lediglich von Wolfgang Heer vertreten. Inzwischen hat sie drei Verteidiger.

"So einen Fall wie mich hat es doch noch nie gegeben", habe Zschäpe zu ihm gesagt, berichtet der Beamte. Er habe sie daraufhin an die Täter der RAF erinnert. Wenn sie einmal aus dem Gefängnis käme, würde sie den Namen Zschäpe ablegen und sich Müller, Meyer oder Schulze nennen, entgegnete Zschäpe.

Der 38-Jährigen wird Mittäterschaft an allen Terroranschlägen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) vorgeworfen, darunter zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge. Vor Gericht hat Zschäpe bislang keine Angaben gemacht.

Quelle: ntv.de, sba/dpa