Politik

Notfälle im Bundestag Zweite Abgeordnete erleidet Schwächeanfall

Innerhalb weniger Stunden werden Ärzte im Plenarsaal des Bundestages gebraucht. Nachdem ein CDU-Politiker während seiner Rede gesundheitliche Probleme bekam, erleidet eine Linken-Abgeordnete einen Schwächeanfall. Eine Parteikollegin kritisiert nun "unmenschliche" Arbeitsbedingungen.

Zum zweiten Mal binnen weniger Stunden ist es im Plenarsaal des Bundestags zu einem medizinischen Notfall gekommen. Während einer namentlichen Abstimmung wurde plötzlich nach einem Arzt gerufen. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki unterbrach die Parlamentssitzung augenblicklich. Nach Angaben der Linksfraktion hatte die Abgeordnete Simone Barrientos einen Schwächeanfall erlitten.

Nachdem die Parlamentsdebatte für rund 20 Minuten unterbrochen war, teilte Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth mit, dass es der Betroffenen "den Umständen entsprechend besser geht". Wie die Linken-Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg twitterte, soll Barrientos nach ein paar Minuten wieder zu sich gekommen sein. "Es waren Ärzte unter den Abgeordneten. Wir schirmten sie mit Tüchern ab", so Domscheit-Berg. Sie schloss ihren Tweet mit den Worten: "Was für ein Tag."

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Wenige Stunden zuvor hatte der Abgeordnete Matthias Hauer seine Rede wegen gesundheitlicher Probleme abbrechen müssen. Der CDU-Politiker hatte die AfD kritisiert, die die Debatte zum Thema "Beibehaltung des Bargelds als Zahlungsmittel" beantragt hatte. Die Freiheit des Bargeldverkehrs sei unantastbar. Die Bundesregierung bekenne sich klar zum Bargeld. "Fazit: Niemand will das Bargeld abschaffen", sagte Hauer. Und kündigte dann an, zum Ende seiner Rede zu kommen. Kurz darauf stockte der Politiker, schien nach Worten zu ringen und begann zu zittern.

Mitarbeiter und Abgeordnete eilten zu Hilfe und forderten ihn auf, sich hinzulegen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble unterbrach die Sitzung. Beobachter auf der Besuchertribüne und Abgeordnete verließen den Saal. Schließlich wurde der 41-jährige Politiker mit einer Trage aus dem Plenarsaal gebracht. Nach gut einer Stunde Unterbrechung wurde die Sitzung des Bundestages fortgesetzt. FDP-Politiker Kubicki sagte, Hauer sei voll stabilisiert, ansprechbar und bei den Ärzten in guten Händen. Eine CDU-Fraktionssprecherin teilte zudem mit, Hauer sei in einer Klinik und bedanke sich bei seinen Helfern. Weitere Informationen gab es bislang nicht.

"Dehydrierung ist ungesund"

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Andere Abgeordnete leisteten Simone Barrientos erste Hilfe.

(Foto: imago/Markus Heine)

Domscheit-Berg nahm den Zwischenfall zum Anlass, die Arbeitsbedingungen im Bundestag als "unmenschlich" zu kritisieren. Die Abgeordneten dürften nicht einmal Wasser trinken während der Sitzungen, schrieb sie. "Dehydrierung ist ungesund" und behindere Denken und Konzentration. An Donnerstagen in Sitzungswochen sehe die Tagesordnung Beratungen bis in den frühen Morgen vor. Dazu kämen weitere Termine, alle Tage seien sehr lang. "Ich kenne kaum Bundestagskollegen ohne chronischen Schlafmangel", schrieb Domscheit-Berg. "Wenn man gute Politik haben möchte, muss man auch gute Arbeitsbedingungen dafür schaffen."

Der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maizière warb unterdessen am Rednerpult dafür, Konsequenzen aus den beiden Vorfällen zu ziehen. "Vielleicht sollten wir mal ein bisschen darüber nachdenken, wie wir manchmal miteinander umgehen", sagte de Maizière am Abend. "Und vielleicht wird auch manche Häme gegenüber Politikern angesichts dessen, was heute passiert ist, auch etwas demütiger." Nach Hauers Zusammenbruch hatte Kubicki an die Öffentlichkeit appelliert, keine Bilder oder Videos von dem Notfall in sozialen Medien zu verbreiten. "Im Netz kursieren bereits Posts mit teilweise erbärmlichen Kommentaren." Er bitte die Menschen aus Respekt vor der Würde des Abgeordneten, davon Abstand zu nehmen, den Zusammenbruch oder die Behandlung zu posten. "So viel Anstand sollte vielleicht in unserer Gesellschaft noch vorherrschen."

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

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