Politik

Versuchter Anschlag in Ludwigshafen Zwölfjähriger befindet sich "an sicherem Ort"

d2216251dfc61491a33fa6f4300670b6.jpg

Ein zwölfjähriger Deutsch-Iraker hat zwei Mal versucht, Anschläge im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen zu verüben, darunter auf dem Weihnachtsmarkt.

(Foto: dpa)

In Ludwigshafen soll sich ein Minderjähriger so weit religiös radikalisiert haben, dass er Anschläge verüben wollte. Von dem Jungen geht keine Gefahr mehr aus, versichert die Oberbürgermeisterin - darf dann aber nichts mehr sagen.

Der wegen eines versuchten Anschlags in Ludwigshafen unter Verdacht stehende Zwölfjährige befindet sich nach Auskunft der Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen an einem sicheren Ort. Wie Eva Lohse auf einer Pressekonferenz mitteilte, gehe keine Gefahr mehr von dem Jungen aus. Weitere Erkenntnisse dürfe sie jedoch nicht machen, da der Generalbundesanwalt kurzfristig eine Auskunftsvorbehalt ausgesprochen habe.

Die Bundesregierung hatte alarmiert auf den Fall reagiert. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, es müsse nun gründlich ermittelt werden. "Das ist natürlich eine Meldung, die jeden aufschrecken lässt."

Nach Auffassung eines Terrorismusexperten wurde der in Ludwigshafen aufgewachsene Junge mit deutscher und irakischer Staatsangehörigkeit vermutlich im Internet radikalisiert. "Dort könnte der Junge mit einem Rekruteur in Syrien in Kontakt gekommen sein, der ihn gewissermaßen über Messenger-Dienste in Echtzeit ferngesteuert hat", sagte Peter Neumann vom King's College in London. "Das hatten wir ja auch schon in Hannover gesehen Anfang des Jahres, auch in Ansbach und Würzburg. Das ist ein neuer Modus Operandi: Dass man Leute quasi über Messengerdienste in Echtzeit steuert", sagte der deutsche Radikalisierungsforscher.

Der Junge soll vor eineinhalb Wochen versucht haben, eine Nagelbombe auf dem Weihnachtsmarkt in der rheinland-pfälzischen Stadt zu zünden. Die Bundesanwaltschaft bestätigte Ermittlungen wegen des Bombenfundes. Der "Focus" berichtete, der Junge sei stark religiös radikalisiert. Der Sprengsatz habe nicht gezündet.

Wie politisch kann ein Zwölfjähriger sein?

Der Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, hält die Bezeichnung "Terrorist" für den zwölfjährigen Tatverdächtigen von Ludwigshafen für nicht angemessen. "Ich habe Schwierigkeiten damit, einen Zwölfjährigen als Terroristen anzusehen", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". "Das macht Sinn, wenn Leute anfangen, sich für Politik zu interessieren, mit 15 oder 16. Aber wie politisch kann jemand sein mit 12 Jahren. Da stellt sich eher die Frage: Was ist im Umfeld los? Denn das kann ja nicht seine Idee gewesen sein."

Steinberg betonte zwar, dass das Problem mit minderjährigen Terrorverdächtigen europaweit zunehme. "Das Problem wächst auf jeden Fall. Seit 2014 haben wir europaweit relativ viele junge Leute, die nach Syrien ausreisen. Die Ausreisenden werden jünger und weiblicher. Das ist auffällig und nicht nur ein Trend in Deutschland." Doch er fügte hinzu: "Ein Kind hatten wir in Europa noch nicht. Das ist ganz neu."

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

Mehr zum Thema