Dossier

fiftyfifty Allen wollen einen Immendorff

Einen Tag nach dem Tod des Malers Jörg Immendorff gibt es einen Ansturm auf die Arbeiten, die der Künstler seit 1995 für die Düsseldorfer Obdachlosen-Hilfe geschaffen hat. "Seit gestern hatten wir unheimlich viele Bestellungen", berichtete Hubert Ostendorf von der "fiftyfifty"-Galerie in Düsseldorf. Immendorff hatte dem Projekt seit 1995 immer wieder Arbeiten gespendet. Die Anfragen würden zunächst nicht bearbeitet, kündigte Ostendorf an. "Wir lassen erst eine angemessene Trauerfrist verstreichen."

Informationen über einen Termin zur Trauerfeier und Beerdigung des Künstlers und Professors der Düsseldorfer Kunstakademie wurden zunächst nicht bekannt. Der 1945 im niedersächsischen Bleckede geborene Immendorff war am Montag in Düsseldorf im Alter von 61 Jahren an einem plötzlichen Herzstillstand gestorben. Er litt seit Jahren an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose).

"Immendorff war der erste Künstler, der fiftyfifty unterstützt hat, sozusagen Gründungsvater unserer Benefiz-Galerie", würdigt Bruder Matthäus, Franziskaner und Schirmherr der Düsseldorfer Obdachlosenhilfe den Gestorbenen. Zur Erinnerung an den Künstler steht Immendorffs "Oskar für Obdachlose" im Schaufenster der "fiftyfifty"-Galerie.

Immendorff sei "schon eine Kante" gewesen, sagt Ostendorf. "Wer ihn nicht kannte, auf den machte er oft einen ruppigen Eindruck. Die aber, denen er sich verbunden fühlte, hat er berührt." Was ihn selbst "total berührt" habe, sei das künstlerische und menschliche Engagement Immendorffs für die Obdachlosenhilfe. Die Kunst, die Immendorff gespendet habe, habe er nicht einfach aus der Schublade gezogen. "Er hat alle Arbeiten eigens für uns gemacht", sagte Ostendorf.

In seiner letzten Arbeit für die Galerie habe der an ALS leidende Immendorff sein eigenes Schicksal mit dem der Obdachlosen verknüpft, sagte Ostendorf. Das dreiblättrige grafische Werk zeigt auf dem mittleren Blatt in Anspielung an Immendorffs Erkrankung Dürers berühmte Frauengestalt "Melancholie". Deren Kopf allerdings ist gegen den eines Affen vertauscht. Der dazugehörige Text lautet: "Gebt mir mein Gesicht wieder".

Nach Plänen des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Joachim Erwin (CDU) soll der Künstler und Kunstprofessor im nächsten Jahr in Düsseldorf mit einer umfangreichen Retrospektive geehrt werden. "Angemessener und sinnvoller" Ort der ein Lebenswerk würdigenden Schau sei das "museum kunst palast", sagte Erwin. Zu einem "ungewollten Nachruf" werde dagegen die seit langem im gleichen Haus geplante, erste Ausstellung zum gesamten zeichnerischen Werk Immendorffs (ab 1. September). Trotz des Todes Immendorffs soll das Konzept, das in Zusammenarbeit mit dem Kunstprofessor entstand, nicht verändert werden.

Bereits seit 2005 tourt eine Schau zum grafischen Werk Immendorffs durch die Bundesrepublik. Derzeitige Station: Das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg. Weitere Stationen der Schau, die es in mehreren Versionen gibt, sind Mainz und Hofheim. Im Südflügel des Kasseler Kulturbahnhofs werden vom 14. Juni an 15 Bronze-Skulpturen Immendorffs gezeigt. Organisator der Ausstellungen ist Dirk Geuer von der Düsseldorfer Verlagsgruppe "Geuer und Breckner" -nach eigenen Angaben "visionärer Konzeptioner und Initiator von Innovationen in den Bereichen Verlag und Kunst".

Antje Lorscheider, dpa

Quelle: ntv.de