Dossier

Wo die USA deutsch klingen Bismarck, Luther, Schmidt

Heimweh hin oder her, die meisten deutschen Auswanderer kamen auf der Suche nach einem besseren Leben in die USA. Doch kaum dort angekommen, hielten viele gern an Gewohntem fest: Sie nannten ihre neuen Siedlungen Berlin, Hamburg oder Neu Braunfels. Auch berühmte Deutsche wie Bismarck hielten als Namensgeber her, und solche, deren Heldentaten längst verblasst sind. So gibt es Bergholz in Ohio, Kronenwetter in Wisconsin, Schertz in Texas, Schmidt in North Dakota und Oelrichs in South Dakota.

Die Gründer von Humboldt in Nebraska oder Luther in Oklahoma und vielen anderen US-Staaten machten mit dem Namen auch ihre Gesinnung deutlich. Von Städten mit deutschen Personennamen brachte es Bismarck am weitesten, nämlich als Hauptstadt des Bundesstaates North Dakota.

Bei der Taufe waren hier aber nicht Deutsche am Werk, wie der Archivar des Staatsarchivs von North Dakota, James Davis, erläutert: "Die Stadt hieß erst Edwinton und wurde dann 1873 in Bismarck umbenannt - ein Versuch, mehr deutsche Investoren für die damals in der Gegend tätige Eisenbahngesellschaft Northern Pacific zu finden", erzählt er. Bismarck hat sich in einem Brief für die Ehre bedankt. Ob die Investoren deshalb spendabler wurden, ist nicht überliefert.

Charlotte in Mecklenburg County, North Carolina, ist zwar nach der englischen Königin Charlotte benannt, doch hatte diese deutsche Wurzeln. "Das war Prinzessin Sophie Charlotte zu Mecklenburg-Strelitz", erklärt Jason Luker vom Museum für Lokalgeschichte in Charlotte. "Die Stadt wurde 1769 nach ihr benannt, da war sie schon auf dem englischen Thron." Zu Ehren ihrer Herkunft wurde der Landkreis Mecklenburg genannt.

Im 18. Jahrhundert kamen aus keinem Land so viele Einwanderer wie aus Deutschland in die USA. 1790 lebten nach alten Zählungen rund 277.000 Menschen deutscher Abstammung, allein 141.000 in Pennsylvania, wo sie etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachten. Viele Deutsche zogen weiter, vor allem in den Nordwesten, nach Wisconsin, Ohio, Minnesota und in die Dakotas.

So mancher deutsche Ortsname geht auf die verwegenen Pioniere zurück. Wie im Landkreis Schleicher in Texas. Gustav Schleicher war ein Ingenieur aus Darmstadt, der unter anderem als Gründer des "Texas State Sängerbundes" und der "Texas Staats-Zeitung" in die Annalen einging. Schleicher baute Brücken und Eisenbahnen und wurde nach seiner Einbürgerung 1874 sogar in den Kongress gewählt.

Und dann sind da noch Örtchen wie Oelrichs in South Dakota. Die Hobbyhistoriker des 145-Seelen-Ortes, das pensionierte Lehrer-Ehepaar LeMay und Maynard Britain, wissen nicht viel über den Mann, der hier verewigt wurde. Harry Oelrichs war ein New Yorker Anwalt, Nachkomme reicher deutscher Einwanderer, der 1882 als Vertreter einer Vieh-Company in die Gegend kam. "Er hielt viel von Festen", berichtet Maynard. Oelrichs sei unverheiratet und kinderlos gestorben.

Die Geschichten der Gründerväter solcher Städtchen gingen im harten Überlebenskampf in der Neuen Welt oft verloren. So ist es für die heutigen Kronenwetters, Schertzs und Oelrichs praktisch unmöglich festzustellen, ob diese Orte vielleicht einen verwegenen Vorfahren ehren. Für einen Party-Gag ist die passende amerikanische Landkarte mit dem Namen der "eigenen" Stadt allerdings immer gut.

Von Christiane Oelrich, dpa

Quelle: n-tv.de