Dossier

Ethikverband der Deutschen Wirtschaft "Guttenberg war ein Leuchtturm"

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Guttenberg auf dem Weg zu seiner Rücktrittserklärung.

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Karl-Theodor zu Guttenberg zieht sich aus der Politik zurück. Zu groß ist der öffentliche Druck. Es sei bitter, weil ein politischer Hoffnungsträger verlorengehe, sagt der Präsident des Ethikrates der Deutschen Wirtschaft, Ulf Posé, im Gespräch mit n-tv. Guttenberg hätte aus der Affäre besser hervorgehen können, hätte er gleich alle Karten auf den Tisch gelegt, sagt Posé. Dennoch habe er - wenn Gras über die Sache gewachsen sei - eine zweite Chance.

n-tv: Hat Guttenberg denn eine Chance, seine Reputation wiederherzustellen, jetzt nach dieser Plagiatsaffäre?

Ulf Posé: Das kommt darauf an, was danach geschieht. Was bisher geschehen ist, ist bitter, traurig und wenn Sie so wollen, ein Stück weit auch absurd. Bitter, weil wir einen der Hoffnungsträger in der Politik verlieren. Er war wirklich ein Leuchtturm. Er hat frischen Wind in die Politik gebracht und es ist schade, dass wir ihn verlieren. Traurig ist es eigentlich und schade, dass er so spät zurücktritt, denn die Glaubwürdigkeit wird dadurch ja nicht erhöht, wenn unter Druck ein Rücktritt entsteht und nicht durch einen echten Selbstentscheid. Und das Ganze ist ein wenig absurd in meiner Wahrnehmung, weil wir wieder einmal etwas erleben, das nicht gerade die Glaubwürdigkeit aller Politikerinnen und Politiker unterstützt – und das ist bitter.

Wie weit ist es überhaupt her mit dem Anstand im Moment auf der großen politischen Bühne bei uns – rückblickend auch?

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Ulf Posé ist Präsident des Ethikrates der Deutschen Wirtschaft.

Wenn Sie generell auf die Politik schauen und auch auf die Wirtschaft, erleben Sie immer einen Umstand, der wirklich verwerflich ist in höchstem Maße. Wenn etwas geschehen ist, dann wird immer nur das zugegeben, was längst bekannt ist, anstatt die Karten auf den Tisch zu legen und einen sauberen Tisch zu hinterlassen. Man muss forschen und forschen und forschen – und so ist es auch bei Herrn zu Guttenberg passiert. Hätte er gleich die Karten auf den Tisch gelegt, hätte er gleich auch gesagt, ich kann nicht in Anstand und Würde dieses Amt weiter betreiben, wäre wahrscheinlich das Nachforschen etwas weniger heftig gewesen.

Nun hat ja mancher ihn nun schon als künftigen Kanzler gehandelt. Das wird vielleicht auch nicht allen so gut gefallen haben zu diesem Zeitpunkt. Ist eine solche Vorstellung  inzwischen völlig ausgeschlossen oder gibt es die Möglichkeit, dass in ein paar Jahren Gras über die Sache gewachsen ist und dann das Spiel von vorn beginnt?

Zunächst: die Vergangenheit hat gezeigt, dass jemand, der falsch gehandelt hat, auch wieder eine zweite Chance bekommt – sei es in den Medien, sei es in der Wirtschaft, sei es in der Politik. Also wird auch bei Herrn zu Guttenberg Ähnliches passieren. Man wird sehen, was die Zeit da bringt. Was ein wenig traurig, schade und bitter wiederum ist letztlich, ist immer die Frage: was wollen Politiker, was tun sie, um ihre Glaubwürdigkeit zu unterstützen? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass unsere Politiker da nicht immer redlich gehandelt haben und das ist eigentlich schade.

Quelle: n-tv.de

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