Dossier

Konsequent im "Dirndl-Streit" Marga Beckstein gibt nicht nach

Sie wusste, dass alle Blicke auf sie gerichtet sein werden. Aber sie blieb ihrer Linie treu. Marga Beckstein kam wie angekündigt nicht im Dirndl zum Fassanstich auf dem Oktoberfest. Die aus dem fränkischen Nürnberg stammende bayerische First Lady gab damit nicht in dem skurrilen Dirndl-Streit nach, der seit einigen Tagen in München tobte. Damit bestätigt sie den Eindruck, den Günther Beckstein immer wieder von seiner Frau vermittelte: Dass sie selbstbewusst ist und einen eigenen Kopf hat - auch wenn in diesem Fall die Wahlkämpfer der CSU darüber geflucht haben mögen.

Für Marga Beckstein war es selbstverständlich, dass sie nicht im Dirndl kommt: Das sei etwas sehr eng an die Heimat gebundenes - und in Nürnberg wird nun einmal nicht Dirndl getragen. Diese schlüssige Begründung kam nicht bei allen an. Der Trachtenverband regte sich auf, auch einige Münchner CSU-Frauen. Doch davon und von kritischen Schlagzeilen in den Münchner Boulevardblättern ließ sich die für ihre klare Linie bekannte 63-Jährige nicht beeindrucken. Sie erschien in einem Trachtenkostüm.

Wichtige Beraterin ihres Mannes

"Ich ringe um Gleichberechtigung", beschreibt Bayerns Ministerpräsident das Leben mit seiner Frau. Und obwohl Beckstein das mit einem Augenzwinkern sagt, ist Marga Becksteins Selbstbewusstsein hervorstechend. Sie steht für ein in ihrer Generation noch seltenes Beispiel der modernen Frau. Trotz dreier Kinder hat sie sich im Beruf etabliert und ist obendrein eine wichtige Beraterin ihres Mannes, wie dieser freimütig zugibt: "Ich danke dem Herrgott für diese sehr starke, grundgescheite Frau. Sie sagt mir ungeschminkt, was ich falsch mache."

Die bisweilen scharfe Zunge der Marga Beckstein hat ihren Anteil daran, dass ihr Mann sich 2005 nicht von der Politik abwandte, als Edmund Stoiber überraschend auf den Wechsel nach Berlin verzichtete und das schon sicher geglaubte Ministerpräsidentenamt für Beckstein verloren schien. Er liebäugelte damals mit einer Rückkehr in seine Anwaltskanzlei. "Meine Frau hat zu mir gesagt, wie ich da ein wenig rumgejammert hatte: Günther, sei ned so wehleidig, es ist doch selbstverständlich, dass manche Träume nicht in Erfüllung gehen", berichtete Beckstein. Die Mahnung habe er seit den damaligen Turbulenzen verinnerlicht.

Ein gemeinsamer Spitzname

Mit kontroversen Debatten hat in den 60er Jahren die junge Liebe des Paares auch schon begonnen. Im Kirchenvorstand ihrer evangelischen Gemeinde lernten sich die beiden kennen. "Sie war damals eher eine Vertreterin des linken evangelischen Flügels", erinnerte sich der von je her konservative Beckstein später. "Wir haben uns damals unheimlich viel gestritten. Aber dabei haben wir uns eben auch schätzen und lieben gelernt und dann auch geheiratet. " Die Eintracht geht soweit, dass die Becksteins einen gemeinsamen Spitznamen haben - sie rufen sich gegenseitig "Bär".

Seit November 1973 ist das Paar verheiratet. Zwei Söhne und eine Tochter haben sie, alle drei sind längst aus dem Haus und haben in unterschiedlichen Fachbereichen eine akademische Karriere gestartet. Das Paar hat sich stets darum bemüht, die Bodenhaftung zu behalten. Die Familie steht im Telefonbuch, ihr 1977 bezogener kleiner Bungalow liegt im Nürnberger Arbeiterviertel Langwasser. Dort schickten die Becksteins auch ihre Kinder zur Schule, trotz des hohen Ausländeranteils. Eine opulente Vermählungsfeier für eines der Kinder in der Münchner Residenz, wie sie Edmund Stoiber kürzlich seinem Sohn Dominic ausrichtete, wäre bei so viel Bescheidenheit unvorstellbar.

Anders als viele Politikerfrauen ihrer Generation wartet Marga Beckstein zu Hause nicht auf ihren Mann. Ihre Arbeit als Seminarrektorin in Nürnberg - sie bildet Religionslehrer aus - wollte sie trotz seiner Bitte nicht aufgeben, nur weil er 1993 Innenminister wurde. "Wenn du zweimal in der Woche um fünf zu Hause bist, höre ich auf", sagte sie ihm damals - das Thema kam nie mehr auf die Tagesordnung.

Quelle: ntv.de, Ralf Isermann, AFP

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