Dossier

Hintergrund Tridentinische Messe

Die Tridentinische Messe geht auf die Liturgiereform des Konzils von Trient (1545-1563) zurück. Im Messbuch "Missale Romanum" wurde der lateinische Ritus 1570 verbindlich für die gesamte katholische Kirche festgeschrieben und über Jahrhunderte bewahrt; 1962 ändert Papst Johannes XXIII. den Tridentinischen Messritus behutsam um einige, für Juden beleidigende Formulierungen. Erst das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) beschloss eine neue Form der Gottesdienstfeier, die 1970 von Papst Paul VI. in Kraft gesetzt wurde. Im Mittelpunkt steht der Gedanke der stärkeren Teilhabe der Gläubigen an der von nun an in den Landesprachen gehaltenen Messe. Das tridentische Messformular war damit überholt und wurde praktisch abgeschafft.

Papst Johannes Paul II. gab 1984 dem Drängen traditionalistischer Kreise nach und gestattete Sonderregelungen. Mit Zustimmung des jeweiligen Ortsbischofs durfte seitdem in streng geregelten Einzelfällen auch wieder die tridentinische Messe gefeiert werden. Die Nachfrage ist in Deutschland allerdings sehr gering, wie 2006 eine Umfrage in den Bistümern ergab.

Die Tridentinische Messe wird auf Latein gelesen, in der Regel auch die Lesung und das Evangelium sowie die wichtigen Gebete wie das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Der Priester steht mit dem Rücken zur Gemeinde und ist der einzige Handelnde.

Anders als heute üblich gibt es keine Fürbitten und keinen Friedensgruß der Gläubigen, Laien dürfen nicht die Lesung vortragen, die Kommunion wird kniend entgegen genommen, üblich ist nur die Mundkommunion und nicht die heute verbreitete Handkommunion. Gesungen werden gregorianische Choräle und keine späteren oder gar modernen Kirchenlieder. Im Vordergrund steht der Gedanke der Opfermesse, also des Kreuzestods Jesu zur Erlösung der Menschen von den Sünden.

Das Zweite Vatikanische Konzil änderte diese einseitige Sicht. Es betonte die Bedeutung der Laien und definierte die Kirche als "Communio" (Gemeinschaft) und "wanderndes Volk Gottes". Seit 1970 werden die Gottesdienste verständlich für alle in der jeweiligen Volkssprache und mit neuen Messtexten gefeiert. Theologisch steht die eucharistische Gemeinschaft der Gläubigen im Mittelpunkt, also die Mahlgemeinschaft mit Jesus Christus.

Eine Rückkehr zum Tridentinischen Ritus forderten vor allem die Anhänger des erzkonservativen französischen Bischofs Marcel Lefebvre (1905-1991), der 1988 nach der von Rom untersagten Weihe von Bischöfen exkommuniziert wurde. Die von ihm gegründete Bruderschaft St. Pius X. erkennt die Modernisierung und Öffnung der Kirche durch das Zweite Vatikanische Konzil nicht an.

Quelle: n-tv.de