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Zwischenruf Rückzugstrategie ist die beste Medizin

Afghanistan_Supply_Route_ANS102.jpg7411807030790049337.jpgKrieg ist grausam. Auch wenn man ihn als "Stabilisierungseinsatz" oder "bewaffneten Schutz für Aufbauhilfe" drapiert. Krieg hinterlässt sichtbare Spuren: Allein in Afghanistan hat er 33 deutsche Militärangehörige beziehungsweise Polizisten das Leben gekostet. Und unsichtbare: Wenn immer mehr deutsche Soldaten am Hindukusch psychische Probleme haben, ist dies ein zweifelsfreies Zeichen dafür, dass der Einsatz weitaus mehr ist als uns Verteidigungsminister Franz Josef Jung weismachen will.

Was ist so schlimm, das es zu psychischen Störungen führt? Das ist die Frage, die der für die Parlamentsarmee zuständige Ressortchef dem Parlament und damit den Wählern beantworten muss. Offensichtlich gibt es der Dinge mehr zwischen blauem Himmel am Hindukusch und karger Steppe bei Kunduz als sich unsere O-Ton-Weisheit träumen lässt. Ein dänischer Soldat hat nach seiner Rückkehr ein Buch über seine Erlebnisse geschrieben, dessen Veröffentlichung von Verteidigungsminister Søren Gade verboten wurde. Die Bilder von Bonbons verteilenden Bundeswehrangehörigen geben offensichtlich nicht die ganze Realität wider.

Die beste Hilfe

Für Ehrenmale und Orden ist Geld da. Für das kürzlich vom Bundestag geforderte Behandlungs- und Erforschungszentrum für Soldaten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung offensichtlich nicht. Der Minister hat offenbar auch nicht erkant, dass ein Psychiater für 4.500 deutsche Soldatinnen und Soldaten nicht einmal ein schlechter Witz ist. Auch wird immer wieder beklagt, dass die Ausrüstung der Kräfte vor Ort nicht ausreichend sei.

Schon die Wortwahl der Erklärung des Verteidigungsministeriums, je länger und robuster die Auslandseinsätze verliefen, desto höher sei auch die Aufkommenswahrscheinlichkeit für Fälle von Posttraumatischer Belastungsstörung, lässt fehlendes Mitgefühl aufkommen. Es sollte alles unternommen werden, den Betroffenen zu helfen. Und zwar sofort. Die beste Hilfe aber wäre eine überzeugende Rückzugsstrategie, die im Wahlkampf von vielen, den Einsatz befürwortenden, Politikern angesprochen wurde. Es ist zu hoffen, dass sie sich am Montagmorgen ihrer Reden erinnern.

Bleskin.jpgManfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

Quelle: n-tv.de

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