Person der Woche

Person der Woche Rupert Stadler: Der VW-Bundesliga-Macher

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Der FC Ingolstadt steigt in die Bundesliga auf. Dahinter steht der Audi-Chef, dessen Chancen künftiger VW-Konzenlenker zu werden, gerade steigen. Eine glänzende Bilanz hilft, eine clevere Fußballstrategie aber auch.

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Er könnte der neue starke Mann im VW-Konzern werden: Rupert Stadler.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der FC Ingolstadt 04 wird unter eingefleischten Fußballfans von Traditionsvereinen gerne als "FC Audi A4" verschmäht. Eine zusammengekaufte Werkself ohne Seele und Tradition sei das - wie die Teams aus Leverkusen (Bayer), Wolfsburg (VW), Hoffenheim (SAP) und Leipzig (Red Bull). Seit dieser Woche ist jedenfalls klar, dass man sich an Ingolstadt als Bundesligastandort gewöhnen muss, denn sie sind aufgestiegen.

Dahinter steht vor allem ein Mann: Rupert Stadler, Audi-Chef und Fußballfan. Audi wirkt unter Stadler nicht bloß als strategischer Partner des FC Bayern München – mit 8,33 Prozent ist Audi sogar direkt am Rekordmeister beteiligt. Stadler sitzt damit im Aufsichtsrat und kontrolliert Rummenigge & Co. Doch nun hat er mit Ingolstadt sogar noch einen ganz eigenen Bundesligaverein. Dort hält Audi offiziell 19,94 Prozent der Anteile und 100 Prozent an der Stadion GmbH. Vier von sechs Klub-Aufsichtsräten kommen aus dem Konzern und gegen den Willen Stadlers läuft auf dem Rasen nichts.

Stadler versteht sich auch aufs Doppelpass-Spiel mit den Fußballgrößen. In seinem Audi-Geschäftsbericht muss Pep Guardiola schon mal zu einem Zwiegespräch über die Parallelen vom Autobauen und Fußballspielen herbeikommen. Dann fallen beim Audi-Chef Sätze wie: "Gerade wenn es nicht rund läuft, drehe ich den Spieß um und versuche, den entscheidenden Pass zu geben, um das Spiel wieder zu öffnen. Als Topmanager kann ich nicht einfach vom Platz gehen. Gerade dann zeigen sich Leistungswille und Leadership. Nicht aufzugeben."

Erfolgreich und jung: der neue Konzern-Boss?

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Aufstieg: In Ingolstadt feiern sie, die anderen beklagen sich.

(Foto: imago/Schreyer)

Aufgeben muss Stadler auch gar nicht - im Gegenteil, es sieht auch für ihn persönlich nach einem Aufstieg aus, ganz wie bei seinem Verein. Nach dem spektakulären Machtkampf zwischen VW-Konzernchef Martin Winterkorn und VW-Patriarch Ferdinand Piëch sind die Chancen des Betriebswirts Stadler eher gestiegen, am Ende selber VW-Konzernlenker zu werden. Denn Piëch ist weder Fußballfan noch will er einen Betriebswirt an der VW-Spitze sehen - sondern einen Ingenieur. Doch mit der Niederlage Piëchs im VW-Machtkampf wird der vermeintliche Nachteil Stadler nicht mehr so streng gesehen. 

Für den Ingolstädter sprechen drei Gründe und ein Joker.

Erstens: Unter Stadler (er ist seit 2006 im Amt) läuft Audi glänzend, rast von Rekord zu Rekord. Der operative Gewinn erreichte 2014 stolze 5,15 Milliarden Euro. Und im neuen Jahr brummt das Geschäft weiter. Audi hat im ersten Quartal mit 438.250 Autos rund 6 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahresquartal verkauft - und so viele wie noch nie. Nachdem man in China seit Jahren atemraubend erfolgreich unterwegs ist, kommt man nun auch in den USA und im Heimatmarkt wieder in Fahrt. Der Absatz in den USA stieg um 13,8 Prozent und in Deutschland plus 10,2 Prozent. 

Zweitens spricht für Stadler, dass Audi für den VW-Konzern immer wichtiger wird und inzwischen zu den satten Gewinnen in Wolfsburg das Wesentliche beisteuert - während die Kernmarke VW bei Gewinnen und Renditen eher schwächelt. Stadler sitzt seit 2010 im Konzernvorstand von Volkswagen und gilt dort als Schwergewicht und struktur-logischer Nachfolgekandidat von Winterkorn. Denn auch Winterkorn war vor seinem Wechsel an die VW-Spitze Audi-Chef, ebenso wie Winterkorns Vor-Vorgänger Piëch.

Drittens ist Stadler mit 52 Jahren genau im richtigen Alter, um noch eimal eine Karrierestufe ganz nach oben zu steigen. Außerdem gilt er als bodenständig (Sohn eines Landwirts in der Nähe von Eichstätt, Realschüler, Fachholschul-BWL), teamfähig und ehrgeizig. Der dreifache Familienvater ist heimatverbunden und kann davon schwärmen, zur Hopfenernte durch die Hallertau zu fahren. "Da liegt ein Duft in der Luft. Das gibt es in der Stadt so nicht."

In der Bundesliga murren sie schon

Doch am Ende könnte der Fußball-Joker über die Karriere entscheiden. Denn Stadler teilt seine Begeisterung mit Martin Winterkorn. Beide sind Fußballfreunde und sitzen nicht nur zusammen im Aufsichtsrat von Bayern München. Beide haben den VfL Wolfsburg diskret zur zweitbesten Mannschaft Deutschlands dirigiert. Und wenn sie zusammen Bundesligaspiele besuchen, dann machen sie bei dieser Gelegenheit auch Konzernpolitik und stärken ihre persönliche Bande. 

Das alles wird freilich in der deutschen Fußballszene zusehends kritisch beäugt. Offen fragen inzwischen die Chefs von Traditionsclubs wie Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt, ob denn da nicht immer größere Interessenkonflikte entstünden. So, wenn Martin Winterkorn in seiner Doppelfunktion als Patron des VfL Wolfsburg und als Aufsichtsrat des FC Bayern einen Transfer des Müncheners Luiz Gustavo nach Wolfsburg absegnet. Winterkorn gibt offen zu, dass er sich in solche Dinge zuweilen aktiv einmischt. Etwa beim Transfer von Angreifer Ivica Olic zum HSV. "Ich habe seit zehn Jahren ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm. Er hat mit mir über den Wechsel gesprochen", sagte Winterkorn und schon war der Weg frei.

Wenn nun mit Wolfsburg, Bayern und Ingolstadt gleich drei Vereine in der Bundesliga derart stark unter VW-Audi-Einfluss stehen, was passiert dann bei Duellen der Clubs in brisanten Konstellationen? Ist der deutsche Fußball auf dem Weg von einer Herzensangelegenheit zum Konzernsport? Schließlich ist Volkswagen auch bei Schalke 04 und Werder Bremen stark engagiert und verzerrt mit seinen hohen Kapitalinvestments die Wettbewerbssituation. Borussia Dortmund kritisiert lautstark nicht nur aggressive Transfers wie bei Mario Götze oder Robert Lewandowski. Es handele sich um "massive Subventionierung" von einem Industriekonzern im deutschen Fußball. Schon macht das Wort von der "VW-Bundesliga" die Runde.

Stadler ist klug genug, diese negative Stimmungswoge zu wittern. Sein Haus wiegelt daher mit Blick auf Ingolstadt ab. Man werde den sprichwörtlichen Ball flach halten. Während die Beteiligung am FC Bayern die "Premiumstellung" des Konzerns verkörpere und die Marke international strahlen lasse, sei Ingolstadt das bodenständige soziale Engagement in der Heimatstadt. Wie auch immer die Fußballdebatte ausgeht - für Stadlers persönliche Aufstiegschancen könnte sich das Engagement schon bald gelohnt haben.

Quelle: ntv.de

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