Politik
Freitag, 26. März 2010

Atomare Abrüstung vereinbart: Großer Erfolg für Obama

Es war ein hartes Ringen zwischen Washington und Moskau: Kremlchef Dmitri Medwedew und US-Präsident Barack Obama haben sich nach monatelangen Verhandlungen auf einen neuen Vertrag zur Abrüstung strategischer Atomwaffen geeinigt. Das Nuklearwaffenarsenal beider Länder soll um etwa ein Drittel abgebaut werden. – Für die deutschen Zeitungen ein Schritt nach vorn und ein großer Erfolg für Obama, aber noch lange kein Grund zur Entwarnung.

Obama und Medwedew beseitigen die letzten Hindernisse für ein neues START-Abkommen in einem Telefonat.
Obama und Medwedew beseitigen die letzten Hindernisse für ein neues START-Abkommen in einem Telefonat.(Foto: AP)

"Eine Welt ohne Atomwaffen. Auch wenn US-Präsident Obama von seiner Vision weit entfernt ist - ein Schritt dahin ist getan", kommentiert die Ostseezeitung die Abrüstungsvereinbarung zwischen den USA und Russland. Für das in in Rostock herausgegene Blatt ist es eine gute Nachricht, "die hoffen lässt, dass die nüchterne Botschaft des Kalten Krieges weiterhin verstanden wird. Eine Botschaft, die einen Atomkrieg für ad absurdum hält und die Martin Luther King einmal mit den Worten umschrieb: 'Wir haben nicht mehr die Wahl zwischen Gewalt und Nichtgewalt. Wir haben nur die Wahl zwischen Nichtgewalt und Nichtsein.' Von daher ist jeder Atomwaffen-Abrüstungsvertrag Lohn der Angst und der Vernunft zugleich."

Die Kieler Nachrichten stellen ohne Umwege fest: "Auch mit jeweils 1550 atomaren Sprengköpfen können die USA und Russland die ganze Welt zerstören. Weltuntergangspropheten mögen deshalb die Einigung der Präsidenten Obama und Medwedew für wertlos halten. Das ist sie nicht. Für Obama ist es nach dem Abstimmungssieg über die Reform der Krankenversicherung der zweite große politische Erfolg innerhalb weniger Tage. Der Präsident, dem bereits unterstellt wurde, er sei ein Blender, der großspurigen Worten keine Taten folgen lasse, dieser Präsident kommt nun offensichtlich in Schwung. Aber auch Medwedew, der als Marionette des Ministerpräsidenten Putin gilt, gewinnt an Format."

"Und sie bewegen sich doch", ist in der Märkischen Allgemeinen zu lesen. Die Einigung der beiden Großmächte auf eine Reduzierung ihrer riesigen Atomwaffenarsenale sei, so das Potsdamer Blatt "ein großer diplomatischer Erfolg, vor allem für den Friedensnobelpreisträger Barack Obama, der vor einem Jahr seine Vision von einer Welt ohne Atomwaffen verbreitet hat. Die strategische Bedeutung des Abkommens liegt gar nicht mal so sehr im Verhältnis zwischen den beiden Supermächten. Der Kalte Krieg ist vorbei, die Doktrin der gegenseitigen nuklearen Abschreckung findet heute praktisch keine Anwendung mehr. Es geht vor allem um die Außenwirkung: Ein deutliches Stopp-Signal an alle Länder, die nach Atomwaffen streben. Für Nordkorea oder den Iran könnte es nun noch schwerer werden, sich internationalen Kontrollen zu entziehen."

Dass Russland und die USA einen neuen Abrüstungsvertrag unterzeichnen wollen, ist auch für den Nordbayerischen Kurier "eine gute Nachricht". Doch nach dem Motto 'Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube' fügt das in Bayreuth herausgegebene Blatt hinzu: "Aber jetzt spielen Iran und Nordkorea mit dem atomaren Feuer. Weil die Diktatoren dort meinen, mit Atomwaffen wären sie unantastbar. Solange Despoten Völker in Schwellenländern knechten und solange Konflikte wie in Nahost nicht gelöst werden können, solange werden Politiker nicht von der Atombombe lassen. Und die atomwaffenfreie Welt bleibt ein Traum, den wir mit Obama träumen."

Auch für die Braunschweiger Zeitung gibt es trotz Abrüstungsvertrag keinen Grund zur Entwarnung: "Die Fixierung auf die Gefahren des internationalen Terrorismus hat den Blick darauf verstellt, dass die atomare Bedrohung mit dem Ende des Kalten Krieges nicht etwa aufgehört hat. Die Lage ist unberechenbar und gefährlich. (…) Es ist durchaus ein Signal der Vernunft, aber auch des Eigeninteresses, dass sich die USA und Russland auf ein neues Abkommen zur Abrüstung strategischer Atomwaffen geeinigt haben. Langfristiges Ziel der beiden wichtigsten Atommächte der Welt muss aber ein internationales Abkommen sein, dem sich auch China, Indien, Pakistan und andere anschließen. Mit jedem neuen Atomstaat werden dessen Nachbarn ein Nachziehen verfolgen, um nicht erpressbar zu werden."

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Quelle: n-tv.de