Ratgeber

Auf der Suche nach billigem GeldBei Online-Vergleichen nicht blenden lassen

11.08.2014, 06:56 Uhr

Das Wichtigste an einem Kredit? Ein niedriger Zins, klar. Trotzdem ist der billigste Anbieter nicht immer der beste. Vergleichsportale im Internet können Interessenten auf die falsche Fährte führen.

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Beim Kreditvergleich führt nicht unbedingt der niedrigste Zinssatz zum besten Angebot. Vergleichsportale liefern aber eine erste Orientierung. (Foto: dpa-tmn)

Wer einen Kredit braucht, kann sich an die Hausbank wenden. Vielleicht findet sich ja auch ein verlockendes Werbeangebot. Alternativ sieht man sich auf einem der zahlreichen Online-Vergleichsportale um. Der Vorteil: Man spart sich aufwendige Verhandlungen und Recherchen, zumal Online-Kredite in der Regel etwa zwei Prozentpunkte günstiger sind als die Darlehen von Filialbanken. Doch von den teils sehr günstigen Konditionen sollte man sich nicht blenden lassen. Zum einen ist nicht gesagt, dass man den beworbenen Zins überhaupt bekommt. Zum anderen sind niedrige Zinsen allein nicht alles.

Die meisten Vergleichsportale arbeiten nach demselben Prinzip: Der billigste Anbieter gewinnt. Wer zum Beispiel bei Verivox einen Kredit über 5000 Euro für eine Laufzeit von 36 Monaten sucht, sieht ganz oben in der Liste die günstigsten Angebote, die bei einem Zinssatz von 2,8 Prozent beginnen. Unten stehen die Anbieter, deren Zinssätze bei bis zu 7,0 Prozent liegen. Auch bei Wettbewerbern wie Check24 oder Toptarif sieht das Ergebnis bei dieser Abfrage ähnlich aus.

Die Bonität entscheidet

Doch ein solcher Vergleich kann irreführend sein, warnt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Die Höhe der Kreditzinsen hängt in der Regel von der Bonität des Kunden ab". Bewertet also ein Geldinstitut die Zahlungsfähigkeit eines Kunden schlechter, wird er den Kredit so nicht bekommen. "Der Zinssatz ist immer auf den Kunden ausgerichtet", sagt Christian Polenz von Easycredit, dem Kreditspezialisten der Volksbanken Raiffeisenbanken. Sein Institut gehört mit Zinssätzen von etwa 7,0 Prozent zu den eher teuren Anbietern im Beispiel. Aber der Zins allein ist nicht alles, findet Polenz: "Es kommt bei Krediten eben auch auf die Leistungen an".

Aus Sicht von Oelmann sind neben der Höhe des Zinssatzes die Seriosität des Anbieters, die Laufzeit und die Flexibilität zum Beispiel bei den Raten wichtig. "Wer einen Vergleich startet, muss bedenken, dass immer alle Möglichkeiten optimal eingestellt sind", sagt die Finanzexpertin. Die Banken gehen also von einem Kunden mit guter Bonität aus. "Ob ich den Kredit zu diesen Konditionen bekomme, kann ich gar nicht erkennen." Außerdem finden sich oft auch Werbeangebote in den Ergebnissen. "Wer oben steht, ist daher nicht immer der Beste."

Kein vollständiger Überblick

Die Postbank, deren Geschäft mit etwa einer Million Kundenkontakten pro Tag vor allem über die Filiale läuft, nutzt die Vergleichsportale ebenfalls. "Die Portale ziehen allerdings in der Regel nur wenige Kriterien zurate, damit viele Anbieter mit den unterschiedlichsten Angeboten verglichen werden können", erklärt Postbank-Sprecher Ralf Palm. "Kunden können sich so immer nur einen gewissen Marktüberblick verschaffen", sagt auch Thomas Bieler von der ING-Diba.

Trotz allem kann die Abfrage im Netz für Kunden von Nutzen sein. Vielleicht findet man so tatsächlich den Wunschkredit. Ansonsten könne man die Ergebnisse der Vergleichsportale für Verhandlungen mit der Hausbank nutzen, erklärt Oelmann. Denn einen gewissen Spielraum bei der Höhe der Zinsen gebe es in der Regel. Sie rät, sich möglichst umfassend zu informieren. Dazu gehöre auch die Filiale. "Für manche Kunden ist das ja auch ein wichtiges Kriterium, weil sie einen persönlichen Ansprechpartner wollen."

Quelle: ntv.de, ino/dpa