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Auf der Suche nach dem Sinn Berufliche Neuorientierung jenseits der 50

Es hat geklappt! Haben ältere Bewerber den oft schwierigen Bewerbungsprozess erfolgreich hinter sich, ist die Freude groß. Foto: Westend61/Chris Adams

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn Berufstätige jenseits der 50 noch einmal über einen Karrierewechsel nachdenken.

(Foto: dpa-tmn)

Ab dem 50. Lebensjahr ist eine berufliche Neuorientierung oft mit Sorgen verbunden. Gleichzeitig ist der Wunsch nach Veränderung und einer sinnhaften Beschäftigung groß. Wie geht man da ran?

Werde ich noch gebraucht? Kann ich das überhaupt noch lernen? Und kann ich mit der jüngeren Konkurrenz mithalten? Wer sich im letzten Karrieredrittel noch einmal beruflich neu orientieren will, kann solche Bedenken oft nicht ausblenden. Gleichzeitig ist es nichts Ungewöhnliches, wenn Berufstätige jenseits der 50 noch einmal mit dem Gedanken an einen Karrierewechsel spielen.

"Die Corona-Pandemie hat hier noch verstärkt, was sowieso um die 50 rum passiert", sagt Sabine Votteler, die in München zur beruflichen Neuorientierung coacht. "Dass Menschen anfangen, sich Gedanken zu machen, wie ihr Leben bisher verlaufen ist." Votteler hält das für einen ganz normalen Entwicklungsprozess, bei dem Menschen in der "sogenannten Mitte des Lebens" beginnen, mehr nach innen zu schauen.

Christiane Karsch, Berufsberaterin und Inhaberin von "CK Coaching Köln" erklärt sich das Phänomen damit, dass viele über 50-Jährige nach "langen Jahren harter Arbeit" anspruchsvoller geworden sind. "Ein Job soll mehr als nur Geld bringen. Er soll in den verbleibenden Jahren bis zur Rente Erfüllung und Sinnhaftigkeit geben." Gleichzeitig sei die Arbeitswelt volatiler geworden: Erwerbsbiografien seien zunehmend von Wechseln und Umbrüchen gekennzeichnet. Das mache selbst gestaltete Veränderung leichter.

Den ersten Schritt wagen: Der Blick geht nach innen

Eine Herausforderung ist es dennoch. "Für eine so massive berufliche Veränderung muss ich ein Stück weit meine alte Identität aufgeben, meine Rolle, die ich bislang im Leben hatte", sagt Votteler.

Wer für das letzte Drittel der Karriere also eine neue Richtung einschlagen möchte, sollte sich Christiane Karsch zufolge zunächst mit sich selbst auseinandersetzen. Welche Bedürfnisse habe ich? Was ist mir wichtig? Was bringe ich mit? Welche Träume möchte ich mir erfüllen? Diese Fragen können helfen, sich auf die "Reise ins berufliche Neuland" vorzubereiten.

Erst im Anschluss geht es darum, sich mit den gewonnenen Erkenntnissen im Hinterkopf mit dem Arbeitsmarkt und den Möglichkeiten vertraut zu machen. So lasse sich viel besser einschätzen, "welcher Job wirklich zu einem passt und welche sich ausschließen lassen."

Nicht in "fluffigen Gedanken" verlieren

Auch Sabine Votteler empfiehlt zunächst eine Innenschau. Genauso wichtig sei es aber, sich auszuprobieren. "Es muss konkreter werden als die fluffigen Gedanken im Kopf." Dazu kann es zum Beispiel gehören, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, die in einer ähnlichen Position waren oder vielleicht in einem Job sind, in den man will.

"Das Netzwerk erweitern, und Menschen treffen, die einem erzählen können, wie es laufen kann, damit man sich da besser reinfühlen kann", beschreibt Votteler. Nur so könne man einschätzen, ob sich die Vorstellungen eines Berufs in der Realität bestätigen.

Die Coachin empfiehlt sich im weiteren Prozess der Neuorientierung möglichst konkrete Schritte vorzunehmen. Und zwar nicht: Nächste Woche schreibe ich Bewerbungen. Sondern: Nächste Woche schreibe ich fünf Unternehmen im Raum München an. Oder: Nächste Woche telefoniere ich mit Herrn X von der Firma Y.

Die eigenen Stärken kennen

Zur potenziellen Neuausrichtung gehört auch eine Bestandsaufnahme der eigenen Talente, Stärken und Erfahrungen. Hier haben Bewerberinnen und Bewerber jenseits der 50 oft mehr zu bieten als sie vielleicht im ersten Moment denken, sagt Anna Bordzol, Standortleiterin beim Weiterbildungsanbieter GFN in Hamburg. Oft würden Unternehmen zum Beispiel Fachkräfte im Projektmanagement suchen. Erst in einer Beratung stellen Jobsuchende dann fest, das Projektmanagement genau das ist, was sie schon jahrelang gemacht haben - ohne es so zu bezeichnen.

Neben der fachlichen Expertise sind es oft Soft Skills, die einen ab einem Alter von 50 Jahren von anderen abheben. "Zum Beispiel den Umgang mit Menschen", sagt Bordzol. "Wer älter als 50 Jahre alt ist, hat natürlich schon viele Situationen erlebt, in denen zwischenmenschliches Geschick gefragt ist, etwa auch im Konfliktmanagement." Jüngere müssten das oft erst noch lernen.

Daneben können ältere Fachkräfte gute Ausbilder sein, die ihr Wissen schon jahrelang an andere weitergegeben haben. Und: Wer sich in diesem Alter nach einer neuen Stelle umschaut, sucht in der Regel ein Unternehmen, in dem er oder sie auch länger bleiben kann. Für Arbeitgeber bedeutet das Planbarkeit. Jüngere scheuen schließlich häufig weder Jobwechsel noch Umzüge, um voranzukommen.

Potenzielle Defizite ausgleichen

"Auf der anderen Seite der Medaille", wie Anna Bordzol sagt, seien technische Kompetenzen oft ein Stressfaktor für Bewerberinnen und Bewerber über 50. Sie ließen sich aber ausgleichen, häufig dauert lediglich die Einarbeitung in neue Programme etwas länger. Manchmal aber stehen sich Menschen auf ihrem Weg zur beruflichen Neuorientierung selbst im Wege. "Das Denken umzustellen und den Paradigmenwechsel im Kopf hinzubekommen, sich neuen Herausforderungen zu öffnen, fällt nicht jedem leicht", sagt Bordzol.

Laut Votteler sollte man für eine berufliche Neuausrichtung die eigenen Scheuklappen ablegen: "Statt in Optionen und Wahrscheinlichkeiten zu denken, muss man sich mal die Frage stellen: Was ist eigentlich alles möglich?" Gerade wer lange auf der gleichen Position gearbeitet hat, sei oft extrem von den Umständen geprägt und lasse sich zu schnell ausbremsen. "Ich bin doch zu alt, ich bin doch zu teuer, mich nimmt doch keiner mehr: Es ist wichtig, solche Einschränkungen im Denken zu erkennen, damit man sie hinterfragen und neutral betrachten kann." Nicht zuletzt sei es wichtig, Bereitschaft zum lebenslangen Lernen zu zeigen. "Manche sind einfach träge geworden, aber auch mit 50 kann man noch lernen und Spaß daran haben", so Votteler.

Eigene Motivation klarmachen

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Das sollte im besten Fall auch in der Bewerbung rüberkommen. Früher habe man eine Standardbewerbung gehabt, die dann jeweils für verschiedene Stellen angepasst wurde, so Bordzol. "Das wollen Personalverantwortliche heute nicht mehr sehen."

Vielmehr geht es um Individualität und Kreativität. Viele Lebensläufe jenseits der 50 seien nicht so glatt, etwa weil man schon einige Branchenwechsel hinter sich hat oder noch nie in seinem Leben den Arbeitgeber gewechselt hat. "Da muss man dem Arbeitgeber klarmachen, warum man dennoch oder vielleicht sogar deswegen auf die ausgeschriebene Position optimal passt", sagt die Expertin.

Quelle: ntv.de, Amelie Breitenhuber, dpa

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