Ratgeber

Steuerhinterziehern droht Knast Besser rechtzeitig nachversteuern

Der Bundesgerichtshof hat ein richtungweisendes Urteil gefällt. Wer mehr als eine Million Euro Steuern hinterzogen hat, muss künftig mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Konkret ging es um einen Unternehmer, der insgesamt 1,1 Mio. Euro nicht rechtmäßig an das Finanzamt abgeführt hatte. Das zuständige Landgericht Augsburg verurteilte ihn dafür zu zwei Jahren Haft, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurden. Dem BGH war dies zu milde, der Fall muss neu verhandelt werden. n-tv.de sprach mit Michael Bormann über die Konsequenzen des Urteils, über Selbstanzeige und anonymisierter Nachversteuerung.

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Steht die Steuerfahndung erstmal vor der Tür, ist es zu spät für Ausweichmanöver.

(Foto: dpa)

n-tv.de: Hat Sie das "härtere" Urteil des Bundesgerichtshof überrascht?

Michael Bormann: Der BGH hat bereits vor rund vier Jahren entschieden, dass bei einer Steuerhinterziehung von mehr als 1 Mio. Euro der Gang ins Gefängnis die adäquate Strafe darstellt. Generell ist festzustellen, dass der Staat, die Finanzbehörden und eben auch die Gerichte zunehmend härter gegen Steuersünder vorgehen. Insofern kam das Urteil nicht wirklich überraschend.

Gibt es für die Steuerflüchtigen noch eine Möglichkeit, einer drohenden Gefängnisstrafe zu entgehen?

Es gibt nach wie vor die sogenannte strafbefreiende Selbstanzeige. Diese ist allerdings vergangenes Jahr massiv verschärft worden. Mittlerweile muss der Steuerhinterzieher alle nicht ordnungsgemäßen Vorgänge der vergangenen zehn Jahr anzeigen. Fehlt hier etwas, ist die komplette Selbstanzeige unwirksam. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir bei einem entsprechenden Verfahren unbedingt, professionelle Unterstützung hinzuzuziehen. Trotz ihrer Nachteile ist aber die Selbstanzeige bei einer nicht deklarierten Steuerschuld von mehr als einer Million Euro der einzige sichere Weg, eine Haftstrafe zu vermeiden.

Außerdem haben sich Deutschland und die Schweiz auf ein Steuerabkommen geeinigt. Um was geht es da konkret?

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Michael Bormann ist Steuerberater und Gründungspartner bei der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Außer der Selbstanzeige besteht die Möglichkeit einer anonymisierten Nachversteuerung. Dabei müssen vom bislang unversteuerten Altvermögen 19 bis 34 Prozent an den deutschen Fiskus gezahlt werden. Der konkrete Satz hängt davon ab, wie alt das Vermögen ist und welche Rendite damit erzielt wurde. Nach dieser einmaligen Strafzahlung ist das Vermögen legal und wird künftig in der Schweiz mit demselben Abgeltungssteuersatz wie in Deutschland belastet – also mit gut 26 Prozent.

Das Abkommen gilt aber erst ab dem kommenden Jahr.

Bis dahin bleibt dem Steuerflüchtigen nur die Wahl zwischen strafbefreiender Selbstanzeige und der Hoffnung, bis 2013 nicht entdeckt zu werden. Ab dem kommenden Jahr kann er dann ausrechnen, welches Verfahren für ihn preiswerter ist. Bei der strafbefreienden Selbstanzeige werden die Erträge der vergangenen zehn Jahre nachversteuert. Dazu kommen noch sechs Prozent Hinterziehungszinsen und eine saftige Strafzahlung. Diese beläuft sich ab einer Hinterziehungssumme von 50.000 Euro noch einmal auf fünf Prozent der hinterzogenen Steuer. Da kommt also schnell einiges zusammen.

Bei der anonymisierten Nachversteuerung führt die Schweizer Bank das Geld an den deutschen Fiskus ab und holt es sich beim Kunden wieder. Hier wird wie gesagt das gesamte Vermögen mit einem Satz von 19 bis 34 Prozent besteuert. Das ganze Verfahren ist einfacher als bei der Selbstanzeige. Zudem bleibt die Anonymität gewährt.

Sie raten also zur anonymisierten Nachversteuerung?

Man muss genau ausrechnen, was im konkreten Fall günstiger ist. Zudem soll das Steuerabkommen mit der Schweiz erst ab dem kommenden Jahr gelten. Vorher muss das Vorhaben noch durch den Bundesrat, wo es die SPD nach dem heutigen Stand aber kippen will. Steuersündern, die 100-prozentig ruhig schlafen wollen, bleibt damit nur die strafbefreiende Selbstanzeige.

Mit Michael Bormann sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de

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