Ratgeber

"Musterbeispiel für Greenwashing" Danone wird abgemahnt

Danone füllt den "Acitivia"-Joghurt nun in Becher aus sogenanntem Biokunststoff. Der sei besser für die Umwelt, sagt Danone und druckt es auch auf die Packung. Die "Deutsche Umwelthilfe" wirft dem Konzern Etikettenschwindel vor. Ein Kritikpunkt: Derzeit wird der Biokunststoff nicht einmal recycelt.

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In der Gesamtbilanz ist der Becher im Moment nicht unbedingt umweltfreundlicher.

Nach der Nominierung für den Anti-Preis "Goldener Windbeutel", den die Verbraucherorganisation "Foodwatch" für dreiste Werbelügen verleiht, steht Danones "Activia"-Joghurt erneut in der Kritik. Diesmal geht es nicht um den Inhalt, sondern um die Verpackung. Die besteht seit April dieses Jahres aus dem "Biokunststoff" Polymilchsäure (PLA), der auf Basis von Maisstärke hergestellt wird. Weil Danone den neuen Becher als besonders umweltfreundlich anpreist, hat die "Deutsche Umwelthilfe" (DUH) den Konzern wegen irreführender Werbung abgemahnt.

Dass das neue Material eine günstigere Umweltbilanz hätte als das bisherige, ist nämlich keineswegs erwiesen. Zwar hat Danone den Nachweis versucht und eine Studie beim "Institut für Energie und Umweltforschung" in Heidelberg (ifeu) in Auftrag gegeben. Das Ergebnis fiel allerdings nicht so eindeutig aus wie gewünscht. Unter Betrachtung aller zwölf untersuchten Wirkungskategorien lasse sich "kein ökobilanzieller Vor-oder Nachteil für eines der beiden Systeme ableiten", so die Forscher.

Recycelt wird (noch) nicht

Zwar hat der PLA-Becher auch Vorteile gegenüber dem alten aus Polystyrol. Die kommen etwa bei den Treibhausgasemissionen oder beim fossilen Ressourcenverbrauch zum Tragen. Das ifeu-Institut warnt jedoch ausdrücklich, dass die Ergebnisse "keinesfalls für gesamtökologische Aussagen herangezogen werden" können. Denn gleichzeitig belastet die Herstellung des neuen Bechers beispielsweise Böden und Gewässer stärker als die des alten.

Diese Nachteile verschweigt Danone in auf der Verpackung aber lieber und weist darauf hin, dass der Becher "optimal verwertet bzw. recycelt werden" könne. In der Theorie mag das stimmen, doch die Praxis sieht derzeit anders aus:  Der Becher wird gar nicht recycelt, sondern in der Regel einfach verbrannt. Das Grüne-Punkt-System kennt nämlich mangels Masse noch keine Sortiergruppe für PLA-Kunststoffe, so dass das Material von Recycling-Anlagen nicht aussortiert wird. Davon profitiert wiederum Danone: Weil Biokunststoffe bis Ende 2012 nicht für das duale System lizensiert werden müssen, spart der Hersteller Millionenbeträge für die Verpackunsentsorgung.

Laut Danone soll das anders werden: Zusammen mit dem WWF wolle man weitere Unternehmen  zu  finden, um  einen Recyclingkreislauf zu begründen .  DUH-Chef Jürgen Resch kann das nicht überzeugen: Danone katapultiere sich in die "Steinzeit der Recyclingwirtschaft", und suggeriere gleichzeitig angebliche Umweltvorteile - "ganz offensichtlich um auf Kosten der Gutgläubigkeit der Verbraucher maximalen Profit zu erzielen", so Resch.

Danone weist Vorwurf zurück

Für "Foodwatch" ein Grund mehr, "Activia" Etikettenschwindel vorzuwerfen: Im Frühjahr hatten die Verbraucherschützer den Joghurt noch wegen irreführender Werbung als vermeintliches Wundermittel gegen Verdauungsbeschwerden auf dem Kieker. "Zur Verdauungslüge kommt jetzt die Verpackungslüge", so Anne Markwardt von "Foodwatch", sowohl die Gesundheitswirkung als auch die vermeintliche Umweltfreundlichkeit seien reine Marketing-Hülsen. Die DUH spricht von einem "Musterbeispiel für Greenwashing" und will der Abmahnung auch eine Klage folgen lassen, wenn Danone die Beschriftung der Becher nicht ändert. Danach sieht es im Moment nicht aus: Danone habe der DUH umfangreiche Informationen zur Verfügung gestellt und Dialogbereitschaft signalisiert, heißt es aus der Pressestelle. Den Vorwurf, Verbraucher in die Irre zu führen, weist der Konzern "vollumfänglich zurück".  

 

Quelle: ntv.de, ino

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