Ratgeber

Nachhilfe im Internet Der Lehrer sitzt in Indien

Max lebt in Arizona, sein Nachhilfelehrer Bindu in Indien - die Hausaufgaben besprechen die beiden übers Internet. Mehr als 700.000 Schüler aus den USA lassen sich mittlerweile auf diese kostengünstige Weise helfen.

Max kämpft in der Schule vor allem mit den Fächern Chemie, Englisch und Physik. "Alleine würde ich das nicht schaffen", sagt der Elfjährige aus Scottsdale im US-Staat Arizona. Deshalb bespricht der Sechst-Klässler ein paar Mal in der Woche mit seinem Nachhilfelehrer Bindu die Hausaufgaben. Vor allem die traditionellen Nachhilfe-Institutionen - wie das amerikanische "Sylvan Learning" mit über 1000 Nachhilfe-Filialen im Land - spüren die neue Konkurrenz. Neue Firmen wie "TutorVista" und "Growing Stars", die ihre Tutoren vornehmlich in Indien beschäftigen, locken vor allem mit niedrigen Preisen.

Nachhilfe-Flatrate

Eltern müssten nicht mehr wie bisher bei den traditionellen, lokalen Anbietern bis zu 70 Dollar (45 Euro) für Gruppennachhilfestunden ihrer Kinder zahlen, betont der Chef des Nachhilfe-Instituts "TutorVista", John Stuppy. Sein Unternehmen wirbt mit einer Nachhilfe-Flatrate von 100 Dollar monatlich, für die Schüler unbegrenzt intensiven Einzelunterricht - übers Web - bekommen können. Alles was die Kinder bräuchten, seien ein Computer mit Breitband-Internetanschluss und ein Kopfhörer mit Mikrofon. Für naturwissenschaftliche Fächer empfiehlt "TutorVista" zudem eine elektronische Tafel, auf der Schüler und Lehrer mit einem digitalen Stift schreiben und das auf ihrem Bildschirm verfolgen können.

Seit der Gründung 2005 ist "TutorVista" laut Stuppy enorm gewachsen: Inzwischen gebe es über 10 000 Abonnenten. Die meisten stammten aus den USA, aber auch Schüler in Großbritannien, Kanada, der Türkei, Finnland, Ägypten und sogar aus Deutschland wählten sich ins Internet ein, um mit ihrem indischen Nachhilfelehrer zu lernen.

Viele Lehrer aus Indien

Die meisten Lehrer stammten aus Indien, es gebe aber auch viele aus Korea, China, Thailand und Malaysia. "Überall auf der ganzen Welt gibt es hervorragende Lehrer - und wir wollen sie mit Schülern hier zusammen bringen", sagt Stuppy. 85 Prozent der Lehrer besäßen einen Hochschulabschluss, manche sogar einen Doktortitel. Sie würden an indischen Schulen rekrutiert, aber auch pensionierte Lehrer oder Lehrerinnen, die sich um ihre kleinen Kinder kümmern wollten, gehörten zum Mitarbeiterstab. "Wir zahlen ihnen doppelt so viel wie sie an einer indischen Schule bekommen würden", so Stuppy. Im Schnitt verdienen die Tutoren 400 Dollar monatlich.

Auch "Sylvan Learning" bietet inzwischen Online-Kurse an. Allerdings stammten alle 1200 Online-Tutoren aus den USA, betont die Direktorin von "Sylvan Online", Charlotte Dowd. Geld sparen die Familien aber kaum. Die Online-Nachhilfe-Stunde kostet noch immer 50 Dollar.

"Online-Nachhilfe ist das am schnellsten wachsende Segment in der Bildungsbranche", erläutert Prof. Kenneth Hartman von der Drexel-University in Philadelphia. Den Trend, Lernhilfe aus dem Internet zu holen, nimmt laut Hartman angesichts der wachsenden Anforderungen an die Schulkinder heute weiter zu.

Quelle: n-tv.de