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Folgen der Steuerhinterziehung Droht Hoeneß Haftstrafe?

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(Foto: dpa)

"Der Reichtum gleicht dem Seewasser; je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man". Diese Weisheit des Philsophen Schopenhauer scheint auch auf den Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeneß, zuzutreffen der sich mit dem Vorwurf der Steuerhinterziehung konfrontiert sieht. Doch was droht dem mächtigsten Mann des deutschen Fußballs? Steuerexperte Dr. Michael Bormann gibt im n-tv.de-Interview Antworten.

n-tv.de: Was veranlasst einen erfolgreichen und offensichtlich schwer reichen Mann wie Uli Hoeneß, Steuern zu hinterziehen?

Michael Bormann: Zu den persönlichen Motiven von Herrn Hoeneß kann ich eigentlich nichts sagen. Bekannt ist aber zumindest, dass er sich mehrfach öffentlich über die zu hohen Steuersätze in Deutschland beklagt hat. So hat er sinngemäß gesagt, dass die Spieler des FC Bayern München immer die erste Halbzeit für das Finanzamt kicken.

Wieso wird bei Herrn Hoeneß eine Hausdurchsuchung durchgeführt, wenn eine Selbstanzeige stattgefunden hat?

Normalerweise findet bei einer Selbstanzeige keine Hausdurchsuchung statt. Dass es bei Herrn Hoeneß dennoch eine gab, könnte darauf beruhen, dass die Selbstanzeige möglicherweise zu spät kam und damit unwirksam ist. Ein anderer Grund könnte sein, dass sie nicht alle Tatbestände umfasste, dass also nicht alle hinterzogenen Steuern angezeigt wurden. Auch dies würde zur Unwirksamkeit einer Selbstanzeige führen.

Es geht im Fall Hoeneß offenbar nur um nicht gezahlte Kapitalertragssteuer und nicht um komplett unversteuertes Schwarzgeld, richtig?

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Es müssen sämtliche Erträge der vergangenen zehn Jahr gemeldet und nachversteuert werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Da ich mit dem konkreten Fall nicht befasst bin, kann ich dazu nichts sagen.

Drohen im Fall Hoeneß strafrechtliche Konsequenzen?

Das wäre dann der Fall, wenn die Selbstanzeige aus den genannten Gründen unwirksam wäre. Strafrechtliche Konsequenzen drohen zudem bei höheren Summen, die hinterzogen wurden.

Was ist nun dem Steuerflüchtigen zu raten?

Wenn noch keine Prüfungsanordnung vorliegt, das heißt, der Steuerpflichtige noch nicht entdeckt wurde, bleibt zur Selbstanzeige eigentlich keine Alternative. Aufgrund der langen Verjährungsfristen und dem steigenden Druck auf die Steueroasen ist die Wahrscheinlichkeit, in den kommenden zehn Jahren aufzufliegen, einfach zu hoch. Zudem drohen ohne Selbstanzeige ab Summen oberhalb von einer Million Euro Haftstrafen, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden.

Was muss der Steuerflüchtling bei der Selbstanzeige beachten?
Sie muss vor allem vollständig sein, sonst droht sie unwirksam zu werden. Es reicht nicht, ein Konto in Luxemburg anzugeben, wenn ein zweites Schwarzgeldkonto in Liechtenstein besteht. Es müssen sämtliche Erträge der vergangenen zehn Jahr gemeldet und nachversteuert werden. Der Vorgang sollte aus Gründen der Nachweisbarkeit schriftlich dem zuständigen Finanzamt gemeldet werden. Außerdem sollte der Steuerflüchtige ausreichend Liquidität vorhalten, um seine Steuerschuld einschließlich Zinsen und Strafzahlung auch fristgemäß zu begleichen. Nach der Selbstanzeige setzt das Finanzamt dafür eine Frist, die erfahrungsgemäß zwei bis drei Wochen umfasst. In Einzelfällen wird auch mehr Zeit gewährt. Bei Zahlungsverzug droht die Selbstanzeige unwirksam zu werden.

Wie hoch wäre die rein monetäre Strafzahlung bei einer fiktiven hinterzogenen Summe von 10.000.000 Euro?

Zuerst einmal sind die hinterzogenen Steuern selbst zu zahlen. Hinzu kommen noch 12 Prozent Zinsen pro Jahr. Diese setzen sich aus 6 Prozent "normalen" Zinsen und weiteren 6 Prozent Hinterziehungszinsen zusammen. Ab 50.000 Euro ist eine strafbefreiende Selbstanzeige nur möglich, wenn außerdem "freiwillig" weitere fünf Prozent der hinterzogenen Steuer zusätzlich an das Finanzamt abgeführt werden. Ab Summen von einer Million Euro stellt die Selbstanzeige zudem den einzigen Weg dar, eine mögliche Haftstrafe zu vermeiden.

Wie sicher kann sich ein Steuerflüchtling fühlen beziehungsweise wie hoch ist das Entdeckungsrisiko?

Das kann man kaum in Prozent ausdrücken. Aber das Risiko eines Steuerflüchtigen, von den Finanzbehörden entdeckt zu werden, ist signifikant hoch. Das liegt auch an den langen Verjährungsfristen. Rechtlich verjährt eine Steuerhinterziehung erst nach zehn Jahren. Gleichzeitig werden immer mehr und umfangreichere Datensätze veröffentlicht.

Wodurch kommt es Ihrer Meinung nach, dass immer häufiger Datensätze an die Finanzbehörden oder die Medien gelangen.

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Dr. Michael Bormann ist Gründungspartner und Steuerexperte der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Zum einen spielt es eine Rolle, dass die deutschen Behörden dafür zahlen. Mit dem Verkauf von Daten ist also gutes Geld zu verdienen. Zum anderen hat die Digitalisierung die Entwicklung enorm beschleunigt. Früher mussten die Steuerfahnder kistenweise Aktenordner sichten, heute geht es um CDs. Die elektronischen Daten lassen sich viel einfacher und schneller sichten und auswerten. Außerdem bekommt man eine CD auch viel einfacher aus einer Bank geschmuggelt.

Wird ein Konto in der Schweiz in Euro oder in Franken geführt?

Üblich sind Franken-Konten. Es gibt aber natürlich auch so genannte Fremdwährungskonten. Die werden auch in Deutschland angeboten, also Konten, die auf US-Dollar oder Schweizer Franken lauten.

Gibt es einen seriösen Grund Vermögen ins Ausland zu transferieren?

Grundsätzlich ist es nicht illegal über Kapital im Ausland zu verfügen oder es dorthin zu transferieren. Der Anleger muss aber die daraus entstehenden Erträge, also Zinsen oder Dividenden, in Deutschland versteuern.

Ein Konto im Ausland macht zum Beispiel für Privatpersonen oder Geschäftsleute Sinn, die sich viel im Ausland aufhalten oder dort sogar einen zweiten Wohnsitz haben. Ein Auslandskonto kann aber auch aus Gründen der Risikodiversifikation Sinn machen.

Mit Dr. Michael Bormann sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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