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Keine Rückgabe als Dienstwagen Ein Porsche darf auch ruppig sein

Stotterndes Bremsen oder harte Schaltvorgänge gehören bei einem Sportwagen einfach dazu. Das muss ein Firmenchef einsehen, der sich über das Fahrverhalten seines Dienst-Porsches beschwert hatte. Vor Gericht erfährt er: "It's not a bug, it's a feature."

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Wer einen Sportwagen ordert, kann nicht das Fahrverhalten einer Limousine erwarten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Butterweiches Getriebe, sanftes Ansprechen der Bremse – wer auf solch geschmeidiges Fahrverhalten Wert legt, wird sein Heil nicht unbedingt in einem Porsche finden. Das hat nun auch das  Oberlandesgericht Hamm festgestellt und dem Fahrer eines Porsche 981 Boxster S die Rückgabe seines Fahrzeugs versagt. Spürbares Schalten und Bremsen ist demnach kein Fahrzeugmangel, der zum Rücktritt vom Kaufvertrag berechtigt. (Az: 28 U 162/1)

Geklagt hatte eine Firma, die im Jahr 2012 einen Boxster als Firmenwagen für den Geschäftsführer geleast hatte. Der 76.000 Euro teure Sportwagen war unter anderem mit einem 345 PS starken Mittelmotor und automatisch schaltendem Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet. Doch das Fahrverhalten des Dienstwagens machte den Geschäftsführer nicht glücklich: Das Fahrzeug beschleunige ruckhaft und ließe sich nur stotternd abbremsen. Das Autohaus begutachtete den Wagen, konnte aber keinen Fehler finden. Weil sich auch über die Fahrzeugeinstellungen nichts optimieren ließ, wollte die Firma den Porsche zurückgeben und den Kaufvertrag rückgängig machen.

Doch da stellte sich das Autohaus quer. Zu Recht, wie zunächst das Landgericht Essen entschied und nun auch das OLG Hamm. Nach einem Sachverständigengutachten ließ sich nämlich kein Fahrzeugmangel feststellen, der zum Rücktritt vom Kaufvertrag berechtigt hätte. Der Porsche weise die Beschaffenheit auf, die bei Fahrzeugen gleicher Art üblich sei und die ein Käufer erwarten könne.

"Typische Besonderheiten eines Boxsters"

Das als ruckhaft monierte Bremsverhalten beruhe darauf, dass das automatische Getriebe des Sportwagens beim Bremsen zurückschalte und zwischen den Gangstufen selbstständig Zwischengas gebe. Das stelle keinen technischen Fehler dar, erklärte das Gericht. Im Gegenteil: Dass der Fahrer die Schaltung spüre sei vom Hersteller gewollt und dem propagierten "dynamisch-sportlichen Anspruch an seine Sportwagen" geschuldet. Das Schaltverhalten beruhe auf typischen Besonderheiten eines Porsche Boxster S und sei technisch nicht zu beanstanden.

Die Getriebesteuerung trennt unter bestimmten Voraussetzungen Motor und Getriebe, um Kraftstoff zu sparen. Diese sogenannte "Segelfunktion" sei vom Hesteller gezielt programmiert, so das Gericht. Zu der typischen Schaltcharakteristik gehöre auch, dass der Wagen bei moderatem Gasgeben zurückschalte, um eine unmittelbare Beschleunigung zu ermöglichen.

Man könne dem Autohaus auch nicht vorhalten, dass es den Käufer nicht im Vorfeld gewarnt habe, entschied das Gericht. Der Wagen sei auch nicht unzutreffend beworben worden. In den Prospekten sei davon die Rede, dass das Fahrzeug "straffe und unmittelbare" Schaltvorgänge zeige. Diese Fahrweisen würden von den Käufern nicht unbedingt als Nachteil wahrgenommen, sondern seien von manchen auch durchaus gewollt.

Quelle: n-tv.de, ino

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