Ratgeber

Mit Kerzen und UntertassenErfolg mit Chartanalyse

28.07.2008, 09:14 Uhr

Untertassen im Aufwärtstrend, Bärenflaggen und Candlestick-Charts - die Fachsprache der sogenannten Chartanalysten ist für die meisten Privatanleger ein Buch mit sieben Siegeln.

Untertassen im Aufwärtstrend, Bärenflaggen und Candlestick-Charts - die Fachsprache der sogenannten Chartanalysten ist für die meisten Privatanleger ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei kann der grafische Kursverlauf einiges über den richtigen Ein- oder Ausstieg in eine Aktie sagen - so lautet zumindest die Annahme der Technischen Analyse, die das Potenzial einer Aktie anhand ihres Kursverlaufs in der Vergangenheit ergründen will.

"Die technische Analyse geht davon aus, dass alle Daten im Markt enthalten sind", sagt Oliver Paesler von der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (VTAD). Demnach reiche die Chartanalyse aus, um ein Wertpapier zu bewerten. Denn schließlich bilde der Kursverlauf sämtliche Informationen über das Unternehmen ab.

Fundamentalanalyse unverzichtbar

"Aber die Chartanalyse macht die Fundamentalanalyse nicht überflüssig", sagt Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Diese ist der Gegenpol zur Chartanalyse: Bei der Fundamentalanalyse werden Unternehmenskennzahlen unter die Lupe genommen, aber auch andere Informationen wie das Marktumfeld.

"Hat man anhand dieser Fundamentalanalyse eine Aktie oder ein anderes Wertpapier ausgewählt, kann die technische Analyse aber Anhaltspunkte dafür geben, wie ich im Timing bin", sagt Cabras. Die Chartanalyse kann also helfen, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden - oder auch den besten Zeitpunkt für den Verkauf.

"Mit Charting-Tools der Online-Broker können Privatanleger wie die Profis Charts analysieren", sagt Cabras. In den gängigen Angeboten lässt sich die Darstellung der Charts unterschiedlich einstellen. "Dabei sollte man möglichst nicht die einfache Liniendarstellung wählen, sondern sich einen Candlestick-Chart anzeigen lassen", rät Jörg Uhlendorf, Analyst bei der Dresdner Bank. Dann werden die einzelnen Tage nicht als Punkte, sondern als Balken dargestellt, die an Kerzenhalter (englisch candlestick) erinnern. "Der Vorteil ist, dass ich dabei auch die Höchst- und Tiefstkurse der jeweiligen Tage sehe."

Linien ziehen

Einige davon sind Unterstützungslinien. Sie werden gezogen, indem die unteren Ausschläge eines Kursverlaufs verbunden werden. Eine zweite Widerstandslinie markiert die oberen Kursausschläge. "Wenn die Widerstandslinie durchbrochen wird, wäre das ein Einstiegskurs", sagt Paesler. Umgekehrt sei ein Reißen der Unterstützungslinie ein Verkaufssignal.

Das kann man sich als Aktieninhaber auch zunutze machen, um einen sogenannten Stop-Kurs zu definieren, bei dem die Aktie abgestoßen wird. Ein weiteres Verfahren der Chartanalyse ist das Erkennen bestimmter Bilder - sogenannter Formationen - im Kursverlauf. Chart-Experten erkennen Untertassen, Keile oder Bärenflaggen in den Börsenkurven. "Eine auch für Laien gut erkennbare Struktur ist die W-Formation", sagt Uhlendorf. Dabei schlägt der Kurs mehrfach unten auf, um sich dann wieder zu erholen. Sie markiert eine Trendumkehr nach oben.