Ratgeber

Fiskus will mehr von Immobilienkäufern Erwerbs-Nebenkosten steigen

Die Bundesregierung will die Wohneigentumsquote erhöhen, doch die Erwerbs-Nebenkosten beim Immobilienkauf steigen weiter. Mehrere Bundesländern haben die Erhöhung der Grunderwerbsteuer angekündigt. In einigen Fällen lassen sich die Erwerbs-Nebenkosten reduzieren.

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Der Weg zur eigenen Immobilie bringt viele Kosten neben dem Kaufpreis mit sich.

(Foto: dpa)

Die Wohneigentumsquote ist in Deutschland im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn gering. Gerade einmal 43 Prozent der Bundesbürger wohnen in den eigenen vier Wänden. Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei rund 60 Prozent. Die Quote steigt in der Regel, je mehr Personen in einem Haushalt leben. Nur 19 Prozent der Singles leben in der eigenen Wohnung, während die Eigentumsquote bei einem Fünf-Personen-Haushalt rund 66 Prozent beträgt.

Immobilien- und Eigentümerverbände beklagen oft, dass mit ein Grund hierfür die hohen Erwerbs-Nebenkosten sind. Diese setzen sich zum größten Teil aus Grunderwerbssteuer, Maklercourtage sowie Notar- und Grundbuchkosten zusammen. Die Bundesregierung hat sich zwar auf die Fahnen geschrieben, die Wohneigentumsquote zu erhöhen, doch an der Steuerschraube drehen die Bundesländer.

Berlin als Vorreiter

Bis 2007 war die Grunderwerbsteuer noch in allen Bundesländern gleich und betrug 3,5 Prozent. Berlin war in Sachen Grunderwerbsteuererhöhung der Vorreiter. Bereits zum 1. Januar 2007 erhöhte der Berliner Senat die Grunderwerbsteuer auf 4,5 Prozent. Hamburg folgte am 1. Januar 2009 und verlang nun ebenfalls 4,5 Prozent. Als erstes Flächenland erhöhte Sachsen-Anhalt im März dieses Jahres den Steuersatz auch um einen Prozentpunkt.

Jetzt planen viele Bundesländer nachzuziehen. Mit dabei sind Bremen, Brandenburg, Niedersachsen und das Saarland, die bereits ab 2011 die Grunderwerbsteuer erhöhen wollen. 2013 will dann auch Schleswig-Holstein folgen. Während das Saarland die Steuer noch moderat von 3,5 auf 4,0 Prozent anheben wird, verlangt Niedersachsen künftig 4,5 Prozent und in Brandenburg und Schleswig-Holstein klettert die Grunderwerbsteuer auf bislang noch nie dagewesene 5,0 Prozent.

Grunderwerbsteuer und Maklercourtage im Überblick

BundeslandGrunderwerbsteuer
(geplant)
Maklercourtage
Thüringen3,5%bis zu 3,57%
Sachsen3,5%bis zu 3,57%
Bayern3,5%bis zu 3,57%
Baden-Württemberg3,5%bis zu 3,57%
Rheinland-Pfalz3,5%bis zu 4,76%
Hessen3,5%bis zu 5,95%
Mecklenburg-Vorpommern3,5%bis zu 5,95%
Nordrhein-Westafenl3,5%bis zu 4,76%
Saarland3,5%bis zu 3,57%
Sachsen-Anhalt3,5% (4,5%)bis zu 3,57%
Bremen3,5% (4,5%)bis zu 5,95%
Niedersachsen3,5% (4,5%)bis zu 5,95%
Berlin4,5%bis zu 7,14%
Hamburg4,5%bis zu 6,25%
Schleswig-Holstein3,5% (5%)bis zu 3,57%
Brandenburg3,5% (5%)bis zu 7,14%

 

Wer ab 2011 in Brandenburg eine bereits bestehende Immobilie für 200.000 Euro kauft, muss künftig 3000 Euro mehr an den Fiskus zahlen als noch in diesem Jahr. Zusätzlich befeuert werden die Kosten durch die höchste zulässige Maklercourtage. In Brandenburg und auch in Berlin dürfen Makler eine Provision von bis zu 7,14 Prozent verlangen. Da wirken die Höchstsätze in Thüringen, Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg, Saarlang, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein mit bis zu 3,57 Prozent geradezu bescheiden.

Rechnet man alle Erwerbs-Nebenkosten zusammen, schlagen diese bei einer angenommenen höchsten Maklercourtage in Brandenburg bei einer 200.000 Euro teuren Immobilie mit 26.891 Euro zu Buche. Dabei entfallen 14.280 Euro für den Makler, 2611 Euro für Notar- und Grundbuchkosten sowie 10.000 Euro Grunderwerbsteuern.

Erwerbs-Nebenkosten drücken

Die Grunderwerbsteuer berechnet sich am Wert des Grundstücks und allen damit verbundenen unbeweglichen Teilen. Deshalb ist beispielsweise bei einem Grundstückskauf und anschließendem Neubau eines Hauses die Grunderwerbsteuer nur auf den Kaufpreis des Grundstückes fällig, wenn das Grundstück nicht vom Bauträger zusammen mit dem Haus erworben wird. Bei einer Bestandsimmobilie ist die Grunderwerbssteuer auf den gesamten Kaufpreis fällig. Deshalb sollte man bei einem Immobilienkauf darauf achten, dass bewegliche Teile aus dem Kaufpreis herausgerechnet werden oder sogar in einem separaten Kaufvertrag gekauft werden. Dies kann zum Beispiel die teure Einbauküche sein oder eine Photovoltaikanklage, die auf dem Hausdach errichtet wurde. Solarstromanlagen, die in das Dach integriert sind, gehören hingegen zum Haus. Wird über die beweglichen Teile ein separater Kaufvertrag aufgesetzt, drückt dies auch die Makler-, Notar- und Grundbuchkosten.

Während über Grundbuch- und Notarkosten nicht verhandelt werden kann, ist die Maklercourtage frei vereinbar. Der Makler ist nicht gezwungen, den Höchstsatz zu verlangen – auch wenn er diesen in den Angeboten meist ausschreibt. Wer nicht handelt, wird allerdings die volle Courtage zahlen.

Quelle: n-tv.de