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Umtauschen und Reklamieren Es geht auch ohne Kassenbon

Das Wetter war mies und beim Bummel durch das Einkaufszentrum hat man zugeschlagen. Zu Hause angekommen, setzt die Ernüchterung ein. Das Gekaufte würde man am liebsten zurückbringen. Doch rechtlich ist das nicht ohne Weiteres möglich.

Online-Shopping ist einfach. Die Läden haben 24 Stunden am Tag geöffnet – auch an Sonn- und Feiertagen. Kein Einkaufsstress, kein Anstehen. Weil man die Ware vor dem Kauf nicht persönlich in Augenschein nehmen kann, gibt es im Versandhandel ein 14-tägiges Rückgaberecht. Die Frist beginnt mit Erhalt der Ware. Einige Online-Shops gewähren darüber hinaus noch längere Rückgabefristen. Ausgeschlossen sind nur einige Produktgruppen wie frische Lebensmittel, entsiegelte Datenträger wie CDs, DVDs und auch Sonderanfertigungen.

Beim Einkaufsbummel vor Ort denken viele, dass sie dort ebenfalls ein Rückgaberecht hätten. Geld zurück, weil die Ware nicht gefällt, gibt es im Laden zwar oft – ein Recht darauf hat man allerdings nicht. Trotzdem sind viele Händler kulant: "Umtausch mit Kassenbon" heißt es da oft.

Mängelbeseitigung ist Pflicht

Anders sieht es aus, wenn die gekaufte Ware Mängel hat, die man erst später bemerkt. Wenn beispielsweise der Anzug beim Anprobieren noch bestens gefallen hat, man zu Hause dann aber feststellt, dass eine Naht gerissen ist, ist man nicht auf Kulanz des Händlers angewiesen. Der Händler muss den Mangel beseitigen und den Anzug entweder nähen oder komplett austauschen.

Gleiches gilt auch, wenn der Händler einer Ware Eigenschaften zuspricht, die diese hinterher gar nicht hat. Wird beispielsweise ein Zelt als regendicht verkauft, beim Benutzen tropft es aber rein, hat der Kunde einen Nacherfüllungsanspruch. Der Gesetzgeber schreibt bei neuer Ware eine zweijährige Gewährleistungspflicht des Händlers vor. Der Käufer hat also nicht nur zwei Wochen Zeit, um zu reklamieren.

Beweislastumkehr nach einem halben Jahr

Zwei Jahre sind eine lange Zeit. Mängel können währenddessen auch durch unsachgemäßen Gebrauch entstanden sein. Deshalb ist der Kunde nur innerhalb des ersten halben Jahres nach dem Kauf auf der sicheren Seite. In diesem Zeitraum muss der Händler nachweisen, dass die gekaufte Ware bei Übergabe noch völlig in Ordnung war. Ist ein halbes Jahr verstrichen, dreht sich die Beweislast um. Dann hat der Kunde zwar noch für 18 Monate das Recht auf Mängelbeseitigung, muss aber nachweisen, dass die erhaltene Ware schon beim Kauf nicht einwandfrei war. Bei gebrauchter Ware verkürzt sich die Gewährleistung übrigens auf ein Jahr.

Bessere Karten hat man, wenn der Hersteller für sein Produkt zusätzlich eine Garantie anbietet. In der Regel gibt es innerhalb der Garantiezeit eine kostenlose Reparatur oder einen Geräteaustausch. Die Stiftung Warentest rät allerdings davon ab, Garantieverlängerungen zu kaufen. Diese seien oft zu teuer und die dahinterstehende Versicherung erstattet im Garantiefall nicht den Neupreis, sondern nur den niedrigen Zeitwert des Produkts.

Einkauf auch ohne Kassenbon nachweisbar

Als Nachweis, dass man die Ware beim entsprechenden Händler gekauft hat, möchte dieser in der Regel den Kassenbon sehen. Damit ist der Kauf am einfachsten nachvollziehbar. Manchmal ist der Kassenzettel allerdings unauffindbar. Das ist rechtlich kein Problem, solange man anderweitig beweisen kann, dass die mangelhafte Ware tatsächlich dort gekauft wurde, wo man sie reklamiert. Wie der Kunde das macht, ist eigentlich egal. Inzwischen akzeptieren viele Händler auch einen entsprechenden Zahlungsbeleg, wenn die Ware nicht bar, sondern mit Karte bezahlt wurde.

Der Händler hat bei reklamationswürdiger Ware zwei Nachbesserungsversuche. Schafft er es nicht, ein einwandfreies Produkt zu liefern, kann der Kunde vom Kauf zurücktreten und auch sein Geld zurückverlangen. Wurde die Ware allerdings schon eine Zeit lang genutzt, muss der Händler nicht mehr den vollen Kaufpreis erstatten, sondern darf einen Nutzungsersatz fordern.

Quelle: n-tv.de

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