Ratgeber

Mit Hilfe von Greenpeace Lidl will Kleidung entgiften

Lidl ist zwar als Lebensmitteldiscounter bekannt, gleichzeitig ist das Unternehmen aber auch der achtgrößte Modehändler Deutschlands. Nachdem Greenpeace reichlich Schadstoffe in den Textilien gefunden hat, will der Discounter Gifte künftig verbannen.

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Nicht nur Lidl produziert unsauber, auch in den anderen Billigtextilien fanden sich reichlich Schadstoffe.

(Foto: dpa)

Im Oktober hat Greenpeace in Kinderkleidung vom Discounter reichlich gefährliche Chemikalien nachgewiesen. Mit Lidl hat nun der erste Anbieter reagiert. Bis 2020 will das Unternehmen Textilien seiner Eigenmarken ohne umwelt- und gesundheitsgefährliche Chemikalien produzieren lassen. Dafür habe man eine entsprechende Vereinbarung mit Greenpeace unterschrieben, teilte Lidl mit. Der Discounter ist der achtgrößte Modehändler Deutschlands.  

Lidl und die anderen Discounter hatten nicht nur im Schadstofftest schlecht abgeschnitten. In einem Einkaufsratgeber prangerte Greenpeace auch Schwächen beim Rohstoffeinsatz, bei der Wiederverwertbarkeit der Kleidung und bei Sozialstandards in der Produktion an. Lidl ist nun der erste Lebensmittel-Discounter, der der Aufforderung von Greenpeace nachkommt, die Produktion zu entgiften. 21 Modeunternehmen, darunter Zara, H&M, Adidas oder Puma sowie sechs italienische Zulieferer haben sich bereits verpflichtet, bis 2020 ohne giftige Chemikalien auszukommen. Auch der Kaffee- und Gemischtwarenhändler Tchibo arbeitet mit Greenpeace zusammen und hatte jüngst ein Rücknahme- und Recycling-Programm angekündigt.

Lidl mache einen gewaltigen ersten Schritt nach vorne, lobte Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace. "Nun müssen Aldi, Penny, Tesco, Carrefour und Wal-Mart nachziehen." Der Zeitplan sieht vor, dass bis Ende Juni 2016 alle verkauften Textilien frei von gefährlichen Schadstoffen wie Alkylphenolethoxylaten (APEOs) sind. Aus ihnen entstehen im Abwasser Alkylphenole, die Wassertiere wie Fische und Schnecken in Flüssen und Seen schädigen, so Greenpeace. In Reinigungsmitteln seien diese Stoffe in Europa deshalb bereits teilweise verboten, erklärte die Umweltschutzorganisation. Im Produktionsland China seien allerdings schon zwei Drittel der Gewässer mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien belastet.  

Bis Juli 2017 sollen bei Lidl außerdem sogenannte per- und polyfluorierte Chemikalien verschwinden. Sie können nach Darstellung von Greenpeace Einfluss auf Immunsystem und die Fortpflanzung haben. 80 Prozent der Lieferanten von Lidl sollen zudem bis Ende 2015 Daten über ihre Abwässer offenlegen.

Greenpeace zufolge macht Lidl allein mit Kleidung einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro. Eine Sprecherin des Discounters wollte die Zahl nicht bestätigen. Im Geschäftsjahr 2013/2014 lagen die Umsätze von Lidl europaweit bei 54 Milliarden Euro, in Deutschland waren es 18 Milliarden Euro.

Quelle: ntv.de, ino/dpa