Ratgeber

"Schnapsidee"Postbank wrackt ab

03.04.2009, 06:18 Uhr

Als "Schnapsidee" hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen die aktuelle Werbeaktion der Postbank kritisiert. Mit der "Happy Hour" sollen Kunden zu finanziellen Aktivitäten unter Zeitdruck animiert werden.

Als "Schnapsidee" hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen die aktuelle Werbeaktion der Postbank kritisiert. Mit der "Happy Hour" sollen Kunden zu finanziellen Aktivitäten unter Zeitdruck animiert werden: Jeden Tag von 18 bis 20 Uhr schaltet das Geldinstitut seine Internetseite für Sonderaktionen frei.

In der aktuellen Werbung heißt es: "Verschrotten Sie Ihr altes Depot - kassieren Sie bis zu 500 Euro Abwrackprämie." Wer bei seiner Hausbank das Wertpapierdepot auflöst und den Bestand zum Easy-Trade-Depot der Postbank überträgt, dem verheißt die Bank also bis zu 500 Euro - allerdings nur beim Klick zwischen 18 und 20 Uhr. "Schlagen Sie lieber frühzeitig zu und nutzen Sie den Happy-Hour-Vorteil, bevor das Angebot endgültig beendet wird", heißt es in den Teilnahmebedingungen.

Konditionen prüfen

Unter Zeitdruck gehen die genauen Konditionen des Angebots möglicherweise unter, fürchten die Verbraucherschützer: So gibt es die volle "Abwrackprämie" nur, wenn Wertpapiere in Höhe von mindestens 100.000 Euro übertragen werden. Wer dagegen weniger als 10.000 Euro umbuchen lässt, muss sich mit mageren 50 Euro begnügen, bei weniger als 5.000 Euro Depotvolumen gibt es sogar überhaupt keine Sonderzahlung.

Obendrein müssen sich Abwrack-Fans in Geduld üben: Die Prämien-Auszahlung erfolgt erst "ab dem 15.12.2009", heißt es auf der Internetseite der Postbank. Wer sein Depot vor diesem Zeitpunkt wieder auflöst, schaut in die Röhre und erhält überhaupt keine Sonderzahlung.

Kosten im Rahmen

Gegen die generellen Konditionen des "Easy-Trade-Depots" an sich haben die Verbraucherschützer wenig einzuwenden: Die Orderkosten sind recht günstig, solange man die Transaktion nicht über die Postbank-Filiale abwickelt. Hinzu kommen allerdings die laufenden Gebühren: 2,46 Euro für die Depotführung, wenn das Volumen unter 50.000 Euro liegt. Dazu kommen nochmals 2,25 Euro für die Führung des Verrechnungskontos. "Ohne eine einzige Transaktion pro Jahr kassiert die Postbank somit schon knapp zwanzig Euro", rechnet Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale NRW vor. Andere Direktbanken verzichten auf Gebühren für die Depotführung.

Strubes Fazit: Weder die Abwrackprämie" noch die Standardkonditionen des Internet-Depots der Postbank seien ein wirklicher Anreiz zum Wechsel, wenn Kunden ihre Wertpapiere schon bei einem günstigen Anbieter verwalten lassen.