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Überweisungen widerrufen? Rückholservice hat Tücken

Zahlendreher in der Kontonummer sind bei Überweisungen keine Seltenheit. Wenn man Glück hat, stellt die Bank fest, dass es das Empfängerkonto gar nicht gibt und bucht das Geld zurück. Wenn man Pech hat, landet das Geld auf einem fremden Konto. Viele Banken bieten für Fehl-Überweisungen einen Widerrufs-Service an. Doch der hat seinen Preis und ist nicht immer erfolgversprechend.

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Früher mussten Banken prüfen, ob die Kontonummer korrekt ist. Jetzt haftet allein der Kunde.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Zahlendreher bei der Kontonummer oder ein falsch gesetztes Komma bei der Überweisungssumme – solche kleinen Fehler beim Online-Banking können teuer werden. Und zwar auch dann, wenn man das Malheur frühzeitig bemerkt. Dann kann man die Überweisung zwar unter Umständen noch zurückrufen, wird dafür aber in der Regel von der Bank zur Kasse gebeten. In einer Stichprobe der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen unter 14 Banken und Sparkassen lagen die üblichen Gebührensätze für den Rückrufservice bei fünf bis zehn Euro, in Einzelfällen aber auch weit darüber.

So lässt sich die Volksbank Eisenberg die Rückholaktion mit satten 45 Euro honorieren, die PAX-Bank setzt 30 Euro auf die Rechnung. Und das auch dann, wenn der Rückruf nicht funktioniert hat. Nur drei Institute im Test gaben an, die Gebühr nur im Erfolgsfall zu berechnen.

Ob ein Überweisungsrückruf überhaupt möglich ist, hängt in erster Linie davon ab, wie schnell man ihn veranlasst. Früher mussten Banken die Kontonummern und Empfängernamen miteinander abgleichen, bevor sie Überweisungen durchführten. Seit November 2009 ist eine EU-Richtlinie in Kraft, die Geldhäuser von dieser Pflicht entbindet. Das soll den Zahlungsverkehr beschleunigen, hat aber einen Nachteil: Jetzt haftet der Kunde allein für seine Fehler.

Solange das Geld noch nicht auf dem Empfängerkonto gelandet ist, gibt es aber Hoffnung. Bei Überweisungen zu einem Fremdinstitut wird das Geld zuerst auf ein Sammelkonto der eigenen Bank und danach auf ein Sammelkonto der Empfängerbank gebucht. Erst dann wird es dem Zielkonto gutgeschrieben. Das klingt allerdings langwieriger als es ist: An normalen Bankarbeitstagen bleiben nur 3 bis 24 Stunden, um die Überweisung aufzuhalten. Noch kürzer das Zeitfenster bei einem Empfängerkonto bei der gleichen Bank. Hier wird in der Regel direkt gebucht.

Behalten ist unzulässig

Ist das Geld erst einmal auf dem fremden Konto, hat die eigene Bank keinen Zugriff mehr darauf. Zurückbuchen kann es nur noch der Empfänger selbst. Doch von dem kennt man nicht mehr als die Bankverbindung. Die Empfängerbank wird Namen und Adresse ihres Kunden allerdings auch nicht verraten, das verbietet der Datenschutz. Als einzige Möglichkeit bleibt nun, an die Fremdbank heranzutreten. Sie kann die Rückforderung dann an ihren Kunden weiterleiten.

Rückt der versehentliche Empfänger das Geld nicht freiwillig wieder heraus, bleibt nur die Drohung mit dem Rechtsanwalt. Sie sollte wirken, denn juristisch gesehen hat ein Bankkunde keinen Anspruch auf Geld, das versehentlich auf seinem Konto landet. Das gilt als unrechtmäßige Bereicherung. Da hilft es auch nichts, wenn das Geld schnell ausgegeben oder auf ein anderes Konto übertragen wird.

Eine gute Lösung, um solchen Ärger von vornherein zu vermeiden, hat die Sparda-West gefunden. Wer nach dem Absenden der Überweisung noch einen Fehler bemerkt, hat bis zu 30 Minuten Zeit, den Auftrag direkt am PC zu stornieren. Das ist völlig kostenlos und man muss noch nicht einmal die Bank kontaktieren.

Übrigens: Im Zweifel sind Lastschriften die sicherere Alternative zur Überweisung. Sie lassen sich nämlich bis zu acht Wochen nach Fälligkeit noch widerrufen. Gründe muss man dafür nicht angeben - und auch keine Gebühren zahlen.  

Girokonten im Vergleich

Quelle: n-tv.de, ino

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