Ratgeber

Nuss- oder Lachsschinken? Täuschung mit "Klebe-Schinken"

Verbraucherschützer fordern ein Reinheitsgebot für rohen Schinken. Untersuchungen belegen, dass nicht nur gekochter, sondern zum Teil auch roher Schinken aus Formfleisch besteht, das mit Enzymen zusammengehalten wird.

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So sollte ein roher Schinken aussehen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Verbraucherschützer fordern ein Reinheitsgebot für rohen Schinken. "Wer rohen Schinken kauft, erwartet keine zusammengesetzten Teilstücke, sondern ein Stück gewachsenes Muskelfleisch", sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen. Der NDR hatte zuvor berichtet, dass es bei angeblich rohem Schinken den Verdacht auf die Verarbeitung von Formfleischteilen gebe. Dies sei möglich, weil zusätzliche Enzyme verwendet würden.

In 6 von 13 untersuchten Rohschinken-Produkten waren Schinkenscheiben, die mit Hilfe von Enzymen aus Teilen zusammengeklebt wurden. Die Produkte seien nicht als Formschinken gekennzeichnet, sondern zum Beispiel als Nuss- oder Lachsschinken. Der NDR beruft sich auf Untersuchungen der Freien Universität Berlin. Der Hersteller Gutfried hatte erklärt, sein Schinken sei frei vom Enzym Transglutaminase und einwandfrei deklariert. Der NDR berichtete allerdings, das Enzym werde erst seit April nicht mehr eingesetzt.

Der oberste Verbraucherschützer forderte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner auf, sich auf europäischer Ebene für ein Zulassungsverbot von "Klebe-Enzymen" einzusetzen. Aigner hatte in den vergangenen Monaten kritisiert, dass sogenannter Mogelschinken und falscher Käse verkauft wird. Die CSU-Politikerin will auf EU-Ebene eine klare Kennzeichnung von falschem Käse und Schinken durchsetzen. Eine Rechtsverschärfung hält Aigner nicht für notwendig.

Eindeutige Kennzeichnung gefordert

"Alle Lebensmittel in Deutschland müssen so gekennzeichnet sein, dass eine Irreführung der Verbraucher ausgeschlossen ist", sagte ein Ministeriumssprecher. Der immer schärfere Preiskampf zwischen den großen Discountern drohe langfristig zu Lasten der Qualität zu gehen. "Die immer länger werdende Liste der Skandale zeigt, dass Aufforderungen und Ermahnungen alleine bei der Lebensmittelindustrie nicht mehr fruchten", kritisierte der Verbraucherschutzexperte der CDU/CSU im Bundestag, Peter Bleser (CDU), im Gegensatz zur Verbraucherschutzministerin. "Wir brauchen strengere gesetzliche Regelungen." Außerdem müssten die Lebensmittelkontrollen in Ländern und Kommunen erweitert werden.

Nach Angaben der Verbraucherorganisation Foodwatch ist es in Deutschland möglich, herausgelöste Muskelfleischstücke ohne besonderen Hinweis zu größeren Schinken zusammenzufügen. Dagegen müssen Erzeugnisse, die ganz oder teilweise aus kleineren Teilen hergestellt sind, ausreichend gekennzeichnet werden. Das geht aus dem Lebensmittelbuch hervor, einer Sammlung von Expertenempfehlungen.

Quelle: n-tv.de, dpa