Ratgeber

Keine Mindestverzinsung Umbruch bei Lebensversicherungen

Rund 90 Millionen Lebensversicherungen bestehen in Deutschland. Seit Generationen entscheiden sich viele Deutsche für den Klassiker bei der Altersvorsorge. Doch die niedrigen Zinsen an den Finanzmärkten machen das Geschäft schwierig. Seit Jahren sinkt auch der Garantiezins. Die Branchengrößen Ergo und Allianz setzen nun auf neue Produkte.

Wie funktioniert eine Lebensversicherung?

Ein Blick in die alte Lebensversichung lohnt sich. Viele Verträge wurden - aus heutiger Sicht - mit einem guten Zins abgeschlossen. Foto: Jörg Schmitt

Ein Blick in die alte Lebensversichung lohnt sich. Viele Verträge wurden - aus heutiger Sicht - mit einem guten Zins abgeschlossen.

(Foto: dpa)

Der Kunde schließt mit dem Versicherer einen Vertrag und zahlt über eine bestimmte Laufzeit hinweg regelmäßig Beiträge ein. Für das Ende der Laufzeit wird ihm eine bestimmte Summe garantiert. Entscheidend dafür ist der von der Bundesregierung festgelegte Garantiezins. Dazu kommen Überschüsse aus der Versicherung, wenn die Versicherung das Geld der Versicherten gut angelegt hat.

Was ist der Garantiezins?

Den Garantiezins - offiziell Höchstrechnungszins - legt die Bundesregierung fest. Aktuell beträgt er für alle Neuverträge 1,75 Prozent. Allerdings lag er in der Vergangenheit deutlich höher: In den 1990er Jahren belief sich der Zinssatz nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jahrelang auf vier Prozent - seit 2000 geht es kontinuierlich bergab. Die Absenkungen greifen aber immer nur bei neuen Verträgen. Wer vor Jahren einen Vertrag abgeschlossen hat, bekommt weiter die zu dem damaligen Zeitpunkt garantierten Leistungen.

Was bedeutet das aktuell niedrige Zinsniveau für Lebensversicherungen?

Die Versicherer garantieren ihren Versicherten im Allgemeinen den Garantiezins als Mindestverzinsung. Sie versprechen allerdings die Aussicht auf deutlich höhere Renditen. Wie hoch diese tatsächlich ausfallen, hängt davon ab, wie gut die Unternehmen wirtschaften. Und da die erwirtschafteten Renditen der Unternehmen sinken, schrumpft auch die Überschussbeteiligung. Diese Kürzung betrifft alle Kunden.

Wie reagieren die Konzerne?

Mit Ergo und Allianz setzen zwei Branchengrößen auf neue Modelle. Die Ergo-Versicherung bietet seit Montag neu entwickelte Lebensversicherungen, die Allianz will am Freitag neue Modelle vorstellen. Unter den Angeboten von Ergo ist eine Lebensversicherung, die keine Mindestverzinsung mehr verspricht, sondern nur den Erhalt des eingezahlten Kapitals - also null Prozent Zinsen. Zudem bietet Ergo eine fondsgebundene Rentenversicherung ohne Beitragsgarantie - sie garantiert dem Versicherten somit nicht einmal, die eingezahlten Beitrage komplett zurückzuerhalten. Die Allianz wollte zunächst noch keine Angaben zu ihren neuen Tarifen machen.

Sind Lebensversicherungen für Verbraucher noch attraktiv?

Die Versicherer sagen ja: Weil sie so weniger Geld zur Sicherung von Beitragsgarantien und Mindestverzinsung zurücklegen müssen und höhere Risiken eingehen können, erhoffen sich die Unternehmen höhere Renditen - auch für die Versicherten.

Verbraucherschützer aber stehen den klassischen Lebensversicherungen skeptisch gegenüber. "Wir raten von Kapital-Lebensversicherungen eher ab", sagt Rita Reichard von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Es fließe zu viel Geld in Abschluss- und Verwaltungskosten sowie in den Risikoanteil, sodass der Sparanteil auf der Strecke bleibe. "Ohne Garantiezins wird es für Verbraucher noch unattraktiver", meint die Verbraucherschützerin.

Ist es sinnvoll, alte Verträge zu kündigen?

In vielen Fällen nicht. Dies gilt besonders bei Verträgen vor 2005. Dann nämlich sind die Auszahlungen im Alter noch steuerfrei, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestanden hat, wie Verbraucherschützerin Reichard sagt. Außerdem habe der Garantiezins höher gelegen. Grundsätzlich mahnt sie zudem, dass eine Kündigung immer mit Verlusten verbunden sei.

Quelle: n-tv.de, AFP

Mehr zum Thema