Ratgeber

Deutsche Bank und PostbankWas auf Kunden zukommt

12.09.2008, 15:22 Uhr

Die deutsche Bankenlandschaft ist im Umbruch: Nur knapp zwei Wochen nach der angekündigten Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank steigt nun die Deutsche Bank bei der Postbank ein.

Die deutsche Bankenlandschaft ist im Umbruch: Nur knapp zwei Wochen nach der angekündigten Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank steigt nun die Deutsche Bank bei der Postbank ein.

Für die Kunden werde sich zunächst nichts ändern, sagte ein Postbank-Sprecher. So soll es beim gewohnten Markenauftritt bleiben, auch werde das Netz der mehr als 850 Postbank-Finanzcenter und 4 000 mobilen Beratern nicht ausgedünnt.

Mittelfristig werden sich die Kunden auf einige Änderungen einstellen müssen, sagen dagegen Verbraucherschützer. Und diese könnten zahlreiche Produkte und Dienstleistungen betreffen. Die Postbank hat derzeit alle wesentlichen Bankprodukte im Angebot, vom Zahlungsverkehr über Kredite und Geldanlagen, Investmentfonds, Versicherungen und Baufinanzierung.

Was geschieht mit laufenden Postbank-Verträgen?

"An den laufenden Verträgen ändert sich nichts", sagte Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie laufen zu den bisherigen Konditionen weiter, so der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. Auch bei den Girokonten, die viele Kunden in Deutschland bei der Postbank führen, werde sich zunächst nichts ändern.

Was ändert sich am Filialnetz?

In einer gemeinsamen Presseerklärung teilten Deutsche Bank und Postbank mit, die Minderheitsbeteiligung werde keine Auswirkungen auf Standorte und Arbeitsplätze bei der Postbank haben. Verbraucherschützer Strube rechnet aber damit, dass es mittelfristig einen massiven Stellenabbau bei der Postbank geben werde: "Die Postbank hat, gemessen an der bereits auf reine Eigenkapitalrendite getrimmten Deutschen Bank, einen enormen Stellenüberhang." Ein Sparkurs dürfte sich nach Worten von Strube auch im Filialnetz und beim Kundenservice bemerkbar machen: "Die Postbank hat ihr Filialnetz schon in den vergangenen Jahren immer stärker ausgedünnt, weil dauernd Postämter schließen. Ich denke, der Zugang für den Kunden wird sich weiter verschlechtern."

Was ändert sich am Beratungsservice?

Verbraucherschützer haben laut Strube in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle dokumentiert, in denen die Postbank "aus reinem Provisionsinteresse und ohne Rücksicht auf Kenntnisstand und Bedürfnisse von Kunden" Produkte verkauft habe. "Ich denke, diese Verkaufsmaschinerie wird mit dem Einstieg der Deutschen Bank noch anziehen", sagte Strube. Für die Kunden sei künftig daher noch mehr Abwägung geboten, um sich keine unpassenden Produkte verkaufen zu lassen.

Habe ich nun ein Sonderkündigungsrecht?

Nein, ein Sonderkündigungsrecht besteht in der Regel weder jetzt noch bei einer späteren Fusion der beiden Banken. Unter Umständen könne es Ausnahmen für Kreditverträge geben, sagte Strube mit Blick auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe - dann müsse allerdings ein "gewichtiger Grund" vorliegen (Az.: 9 U 143/00). Ein solcher Grund liege aber nur dann vor, wenn ein Kunde aus ganz besonderen Gründen einwenden kann, er wolle sich bewusst nicht von der neuen Muttergesellschaft in seine Finanzen schauen lassen. Gekündigt werden müsste dann allerdings sofort, wenn die Fusionsmitteilung erfolgt. Reine Unzufriedenheit mit der Deutschen Bank würde eine Kündigung nicht begründen.