Ratgeber

Nebenkostenfalle Wenn Bauherrn schwarz sehen

Nur jede zweite Tür hat eine Klinke, das Wohnzimmer ist leider noch nicht bewohnbar, und die geplante Terrasse fehlt auch: So manchem Bauherren geht auf halber Strecke finanziell die Puste aus, weil das Budget zu knapp berechnet wurde.

Denn neben der reinen Kaufsumme fallen erhebliche Nebenkosten an. Dazu gehören die Gebühren für den Kaufvertrag beim Notar, die Eintragung ins Grundbuch und die Grunderwerbssteuer. Für diese Nebenkosten muss der Bauherr nach einer Faustregel zusätzlich zehn Prozent mehr als die reinen Objektkosten einrechnen.

Weiteres Geld ist für den Bauantrag samt Baugenehmigung und alle Bauanzeigen fällig. Ohne diese offiziellen Genehmigungen darf in Deutschland nicht gebaut werden. Sogar Umbaumaßnahmen und Modernisierungen sind in vielen Bundesländern genehmigungs- oder zumindest anzeigepflichtig. Bauherren, die ihr Haus oder Grundstück über einen Makler kaufen, müssen außerdem die Makler-Courtage in ihre Gesamtkosten einbeziehen.

Schlüssel- aber nicht bezugsfertig

Viele Bauträger bieten ihre Häuser schlüsselfertig zum Festpreis an. "Doch schlüsselfertig heißt nicht automatisch auch bezugsfertig", warnt Jörg Sahr von der Stiftung Warentest. Denn in vielen Bau- und Leistungsbeschreibungen - sie legen exakt fest, welche Arbeiten ein Bauunternehmen im Einzelnen zu erbringen hat - sind nicht alle notwendigen Leistungen aufgeführt.

Um nicht auf Kosten für Erdarbeiten oder das Streichen sitzen zu bleiben, sollten Bauherren ihren Vertrag von einer unabhängigen Stelle prüfen lassen. Möglich ist das beispielsweise bei den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale.

Die meisten Bauherren und Hauskäufer brauchen Geld von der Bank oder Bausparkasse, um ihr Bauvorhaben zu finanzieren. "Für eine Finanzierung ist ein Grundstock an eigenen Mitteln notwendig. Als Minimum sollten in der Regel 20 Prozent der Baukosten oder des Kaufpreises plus Nebenkosten zur Verfügung stehen", rät Sahr. Dieser Betrag kann unterschritten werden. An Stelle von Eigengeld muss dann allerdings ein gesichertes hohes Einkommen zur Verfügung stehen.

"Hypotheken sollten nicht mit der Standard-Tilgungssumme von einem Prozent getilgt werden", warnt Sahr. Denn bei einer solchen Finanzierung zahlt man bis zu 35 Jahre lang ab. Wenn es finanziell möglich ist, sollte eine höhere Tilgung vereinbart werden. "Auch Sondertilgungsrechte sollte man mit der Bank vereinbaren." Dies sei besonders wichtig, wenn finanzielle Entlastungen oder Erbschaften in Aussicht sind.

Teuer werden kann bei Krediten eine falsche Bescheidenheit. Auch wenn die Belastung steigt, sollte er nicht zu knapp kalkuliert werden. Sonst werden teure Nachfinanzierungen notwendig,. Auf jeden Fall sollten Bauwillige sich über Förderungen des Staates, der Städte und Gemeinden kundig machen - etwa für junge Familien oder umweltfreundliches Bauen von Energiesparhäusern. Viele Banken vergessen nach Merzyns Erfahrung diese Mittel bei ihren Beratungen.

Damit für den Traum vom Eigenheim der Gürtel nicht zu eng geschnallt werden muss, gilt es, die Kosten für das tägliche Leben angemessen zu kalkulieren. Helfen kann hierbei auch unser Eigenheimrechner (Link unter dem Bild).

Quelle: n-tv.de