"Unverantwortliche Verharmlosung"Zu viel Dioxin gefunden
Verunreinigtes Futtermittel hat für deutlich erhöhte Dioxin-Werte in Eiern und Geflügelfleisch gesorgt. Nachgewiesen ist das bislang in westfälischen Betrieben, wahrscheinlich sind aber auch andere Bundesländer betroffen.
Dioxin in Eiern und Geflügelfleisch hat die Behörden in Nordrhein-Westfalen
aufgeschreckt. Bei Kontrollen in einem Legehennen-Betrieb in Soest wurden teilweise
deutlich erhöhte Dioxin-Belastungen festgestellt. Bei einer Eierprobe hätten die ermittelten Werte um das Vierfache über dem zulässigen
Grenzwert gelegen. Auch eine Fleischprobe habe erhöhte Werte ergeben, sagte ein
Sprecher des Düsseldorfer Verbraucherschutzministeriums. Die Behörden sperrten drei Ställe und weiteten die Kontrollen
aus. Der Fall hat möglicherweise bundesweite Dimensionen.
Der in Soest kontrollierte Betrieb hat nach Ministeriumsangaben mehrere 10.000
Legehennen. Wie viele möglicherweise mit Dioxin belastete Eier in den Verkauf gekommen
sind, können die Behörden noch nicht sagen. Die Untersuchungen liefen noch, sagte
der Sprecher. Ob verseuchtes Hühnerfleisch verkauft worden sei, stehe ebenfalls
noch nicht fest. Für einen zweiten Großbetrieb im Kreis Steinfurt werden Untersuchungsergebnisse
in den kommenden Tagen erwartet.
Dem in Soest verwendeten Futtermittel waren nach bisherigen Erkenntnissen mit
Dioxin verunreinigte pflanzliche Futterfette beigemischt. Sie sollen von einem Betrieb
im niedersächsischen Ort Bösel stammen, der mindestens neun Mischfutterunternehmen
in Hamburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen beliefert hat. Diese Hersteller versorgen
Landwirtschaftsbetriebe in der ganzen Bundesrepublik.
Vieles ist noch unklar
"Für uns ist derzeit nicht klar, ob es sich um ein menschliches Fehlverhalten
oder um Vorsatz handelt", sagte Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister
Johannes Remmel (Grüne). Der Fettlieferant gehört den Angaben zufolge zu einer Unternehmensgruppe,
die sowohl Futterfette als auch Fette für technische Zwecke herstellt. Remmel kritisierte
die niedersächsische Landesregierung. Er teile nicht deren Einschätzung, dass der
Dioxin-Fall nur eine untergeordnete Bedeutung habe. "Eine Verharmlosung von
Dioxin in Lebensmitteln ist unverantwortlich." Remmel warf Niedersachsen vor,
nicht ausreichende Informationen an Düsseldorf zu liefern.
Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hatte am Mittwoch mitgeteilt,
ein Futter-Hersteller aus Dinklage habe bei eigenen Kontrollen leicht erhöhte Dioxinwerte
in seiner Ware entdeckt. Die Firma habe im November rund 20 Legehennen-Betriebe
in Niedersachsen beliefert. Wie viele Eier von den mit der Dioxin belasteten Ware
gefütterten Hühnern in den Handel gelangten, sei unklar. Das Essen der Eier sei
"unproblematisch", weil die Erhöhung so gering sei.