Ratgeber

"Unverantwortliche Verharmlosung"Zu viel Dioxin gefunden

30.12.2010, 19:23 Uhr

Verunreinigtes Futtermittel hat für deutlich erhöhte Dioxin-Werte in Eiern und Geflügelfleisch gesorgt. Nachgewiesen ist das bislang in westfälischen Betrieben, wahrscheinlich sind aber auch andere Bundesländer betroffen.

Eier
Für gesunde Erwachsene besteht keine Gefahr. (Foto: picture alliance / dpa)

Dioxin in Eiern und Geflügelfleisch hat die Behörden in Nordrhein-Westfalen

aufgeschreckt. Bei Kontrollen in einem Legehennen-Betrieb in Soest wurden teilweise

deutlich erhöhte Dioxin-Belastungen festgestellt. Bei einer Eierprobe hätten die ermittelten Werte um das Vierfache über dem zulässigen

Grenzwert gelegen. Auch eine Fleischprobe habe erhöhte Werte ergeben, sagte ein

Sprecher des Düsseldorfer Verbraucherschutzministeriums. Die Behörden sperrten drei Ställe und weiteten die Kontrollen

aus. Der Fall hat möglicherweise bundesweite Dimensionen.

Der in Soest kontrollierte Betrieb hat nach Ministeriumsangaben mehrere 10.000

Legehennen. Wie viele möglicherweise mit Dioxin belastete Eier in den Verkauf gekommen

sind, können die Behörden noch nicht sagen. Die Untersuchungen liefen noch, sagte

der Sprecher. Ob verseuchtes Hühnerfleisch verkauft worden sei, stehe ebenfalls

noch nicht fest. Für einen zweiten Großbetrieb im Kreis Steinfurt werden Untersuchungsergebnisse

in den kommenden Tagen erwartet.

Dem in Soest verwendeten Futtermittel waren nach bisherigen Erkenntnissen mit

Dioxin verunreinigte pflanzliche Futterfette beigemischt. Sie sollen von einem Betrieb

im niedersächsischen Ort Bösel stammen, der mindestens neun Mischfutterunternehmen

in Hamburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen beliefert hat. Diese Hersteller versorgen

Landwirtschaftsbetriebe in der ganzen Bundesrepublik.

Vieles ist noch unklar

"Für uns ist derzeit nicht klar, ob es sich um ein menschliches Fehlverhalten

oder um Vorsatz handelt", sagte Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister

Johannes Remmel (Grüne). Der Fettlieferant gehört den Angaben zufolge zu einer Unternehmensgruppe,

die sowohl Futterfette als auch Fette für technische Zwecke herstellt. Remmel kritisierte

die niedersächsische Landesregierung. Er teile nicht deren Einschätzung, dass der

Dioxin-Fall nur eine untergeordnete Bedeutung habe. "Eine Verharmlosung von

Dioxin in Lebensmitteln ist unverantwortlich." Remmel warf Niedersachsen vor,

nicht ausreichende Informationen an Düsseldorf zu liefern.

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hatte am Mittwoch mitgeteilt,

ein Futter-Hersteller aus Dinklage habe bei eigenen Kontrollen leicht erhöhte Dioxinwerte

in seiner Ware entdeckt. Die Firma habe im November rund 20 Legehennen-Betriebe

in Niedersachsen beliefert. Wie viele Eier von den mit der Dioxin belasteten Ware

gefütterten Hühnern in den Handel gelangten, sei unklar. Das Essen der Eier sei

"unproblematisch", weil die Erhöhung so gering sei.

Quelle: dpa