Ratgeber
Donnerstag, 26. Januar 2012

Ökostrom-Tarife im Test: Zwei von Drei machen's richtig

Mittlerweile wird in Deutschland mehr Strom aus erneuerbaren Energieträgern produziert als aus Steinkohle oder Atomkraft. Damit die Entwicklung so weitergeht, braucht es aber noch mehr Ökostrom-Kunden. Und die müssen sich dann auch noch für die richtigen Tarife entscheiden. Denn nicht alle Ökostrom-Tarife haben echten Umweltnutzen.

Windkraft ist der wichtigste grüne Energieträger in Deutschland.
Windkraft ist der wichtigste grüne Energieträger in Deutschland.(Foto: picture alliance / dpa)

Die "Atomkraft? Nein Danke"-Sticker im Straßenbild sind weniger geworden. Die Bereitschaft zur Energiewende scheint dagegen konstant: Über 60 Prozent der Deutschen würden höhere Strompreise in Kauf nehmen, um den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben. So zumindest das Ergebnis einer Forsa-Umfrage vor wenigen Wochen. Im Moment zahlt jeder Stromverbraucher 3,59 Cent pro Kilowattstunde extra, die sogenannte EEG-Umlage. Davon profitieren Stromerzeuger, die in den Ausbau von Wind- und Wasserkraft, Biomasse und Wasserkraft investieren. Inzwischen machen diese erneuerbaren Energien 20 Prozent des gesamten Strommixes aus. Nur Braunkohle hat einen größeren Anteil.

Wer einen Ökostrom-Vertrag wählt, will diese Entwicklung unterstützen. Doch nicht mit jedem Tarif gelingt das, wie die Stiftung Warentest feststellt. 19 bundesweite Ökostromangebote wurden für die Februar-Ausgabe von "Test" untersucht. In die Auswahl kamen nur Tarife, die wirklich 100 Prozent Ökostrom liefern, außerdem wurden nur Tarife mit maximal einem halben Jahr Vertragslaufzeit verglichen. Die üblichen Discounter-Angebote fielen damit gleich durchs Raster, sie laufen mindestens ein Jahr.

Verdrängungseffekt nutzen

Exemplarisch haben sich die Tester dennoch zwei Discount-Tarife angesehen. Einer von ihnen fällt nicht nur bei den Vertragsbedingungen durch: Für den Naturhit 12-Tarif deklariert Extra Energie einfach Atom- und Kohlestrom mit RECS-Zertifikaten zu Ökostrom um. Der Nutzen für die Energiewende ist gleich Null. Doch auch die übrigen Ökostrom-Anbieter bringen nicht unbedingt umwelttechnischen Mehrwert. Echter Umweltnutzen entstehe schließlich erst dann, "wenn der Ökotarif konventionellen Strom vom Markt verdrängt", so Warentest. Dazu kommt es nur, wenn der Stromanbieter den Ausbau neuer Anlagen fördert. Diese garantierte Zubauwirkung haben  nur 13 von 19 Tarifen im Test. Eprimo, Energie oder NaturenergiePlus beispielsweise verzichten darauf.

Doch wie funktioniert der Zubau? Aufpreistarife, bei denen Stromanbieter einen Teil des Geldes direkt in neue Anlagen investieren, sind die Ausnahme. Der unabhängig Ökostrom-Anbieter EWS Schönau etwa verfährt nach diesem Prinzip. In der Regel wird die Zubauwirkung aber über Lieferverträge garantiert. Dabei beziehen die Anbieter nur Strom, der aus Ökokraftwerken stammt, die ein bestimmtes Höchstalter noch nicht überschritten haben.

Um die Zubauwirkung zu belegen, gibt es mehrere Zertifikate. Die beiden bekanntesten sind das Ok-power-Label und das Grüner-Strom-Label, die von Verbraucher- und Umweltverbänden vergeben werden. Diese legen auch die strengsten Kriterien an. Auch der Tüv-Süd vergibt Zertifikate, die einen gewissen Zubau beglaubigen. Kaum Aussagekraft haben dagegen die europäischen RECS-Zertifikate. Sie belegen nur die Herkunft, nicht aber, dass  es sich um echten Ökostrom handelt.

Strom für Deutschland wird importiert

Auch wenn in Deutschland immer mehr Ökostrom produziert wird, beziehen die Versorger ihre Energie zum größten Teil im Ausland. Meistens handelt es sich dabei um Wasserkraft aus Skandinavien, Österreich oder der Schweiz. Das ist kein Problem – schließlich gibt es ein Europäisches Verbundsnetz und aus der Steckdose kommt ohnehin der Strom des nächstgelegenen Kraftwerks. Dass die Öko-Anbieter vor allem auf Importstrom setzen, liegt am Erneuerbare-Energien-Gesetz: Ökostrom, der in Deutschland erzeugt wird, wird besonders vergütet. Dieser EEG-geförderte Strom darf dann aber nicht extra als Ökostrom verkauft werden. Deshalb gibt es bei Ökostrom-Anbietern fast keinen Strom aus Deutschland, dafür fördern sie den Ausbau im Ausland. Kein Problem, findet die Stiftung Warentest: Kohlendioxid kenne schließlich keine Grenzen.

Pluspunkte im Vergleich gab es übrigens für besondere Initiative und innovative Produkte. Dazu gehören etwa die Mini-Blockheizkraftwerke, die Lichtblick in Privathäusern installiert oder ein Carsharing-Pilotprojekt mit Elektroautos, das von Greenpeace Energy betrieben wird. Auch im kleineren Rahmen können Anbieter Engagement zeigen, so verleihen etwa die Stadtwerke München kostenlos Energiemessgeräte an ihre Kunden.

Unabhängige überzeugen

Preislich liegen die getesteten Anbieter – von Ausreißern abgesehen - nicht allzu weit auseinander. Für 3000 Kilowattstunden in Berlin zahlt ein Haushalt zwischen 732 Euro bei der Energieversorgung Halle und 854 Euro bei Evita. Im Schnitt sind es um die 800 Euro. Gesamtnoten hat die Stiftung Warentest diesmal nicht vergeben, denn manche Kriterien waren schwer vergleichbar. Die beste Kombination aus Tarifbedingungen und ökologischem Engagement findet man bei den unabhängigen Anbietern: EWS Schönau, Lichtblick und Naturstrom wurden in allen Punkten "gut", bzw. "sehr stark" bewertet. Und dabei sind sie nicht unbedingt teurer als konventionelle Versorger.  

Stromanbieter im Vergleich

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Quelle: n-tv.de