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Geld gegen Sicherheit Ratenkredite mit Restschuldversicherung

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(Foto: picture alliance / Daniel Reinha)

Geld gegen Sicherheit. So lautet die alte Regel im Kreditgeschäft. Grundsätzlich ist das gut und richtig so. Doch es ist wirklich sinnvoll, Darlehen mit Restschuldversicherungen abzusichern? Und wenn ja, was ist dabei zu beachten?

Die Idee an sich ist gar nicht schlecht: Wer sich Geld bei der Bank leiht, schließt zeitgleich eine Versicherung ab, die sicherstellt, dass die Schulden auch denn bezahlt werden, wenn der Kunde vor Ende der Kreditlaufzeit stirbt, krank oder arbeitslos wird. Alle profitieren: Die Banken haben Planungssicherheit und der Kreditnehmer erspart seinen Hinterbliebenen im Extremfall unnötige Belastungen.

Verbraucherschützer skeptisch

Wer genau hinsieht, merkt allerdings schnell: Nicht jede dieser sogenannten Restschuldversicherungen hat wirklich das Wohl der Kunden im Blick. Dank üppiger Provisionen dienen viele Policen als lukrative Einnahmequelle für jene, die sie verkaufen. Verbraucherschützer stehen den Produkten daher von jeher kritisch gegenüber. Doch kann man wirklich alle Anbieter über einen Kamm scheren?

ntv wollte es genau wissen und beauftragte die FMH-Finanzberatung mit einer aufwendigen Recherche. Die unabhängigen Experten aus Frankfurt haben 45 Banken angeschrieben und um detaillierte Auskünfte zu deren Restschuldversicherungen gebeten.

Was zeichnet eine gute Versicherung aus?

Bei der Auswertung legte die FMH das Augenmerk vor allem auf die Einmalprämie. In dieser Konstellation verteuert sich der Kreditvertrag ganz einfach um den Beitrag zur Versicherung. Bei der Todesfallabsicherung ist der Vergleich vergleichsweise einfach, da der Leistungsfall immer gleich aussieht: Gezahlt wird nur, wenn der Kreditnehmer stirbt. Damit ist der Preis das ausschlaggebende Kriterium bei der Auswahl.

Nehmen wir an, ein Kunde nimmt einen Kredit über 10.000 Euro mit einer Laufzeit von 36 Monaten auf – und will die Restschuld für den Fall seines Todes absichern. Dafür zahlt er beim günstigsten Anbieter 73,80 Euro einmalig und der teuerste verlangt für die exakt selbe Leistung 322,28 Euro. Ein immenser Unterschied.

Zu beachten ist allerdings, dass Restschuldversicherungen – anders als klassische Risikolebensversicherungen – nie isoliert, sondern immer zusammen mit dem Kreditvertrag abgeschlossen werden. Das bedeutet, dass neben den Beiträgen zur Police auch der Zinssatz des Bankkredites stimmen muss.

Realistische Maßstäbe anlegen

Die FMH hat ihrer Bewertung bei bonitätsabhängigen Angeboten jene Zinssätze zugrunde gelegt, die zwei Drittel der Bankkunden auch wirklich erhalten. Damit hat sie ganz bewusst nicht die Spitzenkonditionen betrachtet, die für sehr wenige Menschen mit Spitzenbonität gelten, sondern Otto-Normalverbraucher ins Visier genommen.

 

Ergebnis: Die besten Ratenkredite in Verbindung mit einem Todesfallschutz über 36 und 72 Monate gibt es für eine 35-jährige Person bei der BBBank, der DKB und der netbank. Wer auch noch eine (vorübergehende) Arbeitslosigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit absichern will, sollte für 36 Monate Laufzeit die Angebote der Degussa Bank, norisbank und netbank in die engere Wahl aufnehmen. Bei einer Kreditlaufzeit von 72 Monaten finden sich ganz vorne die 1822direkt, Degussa Bank und BBBank.

Wichtig: Wie bei jeder Versicherung gilt auch hier: Akribisches Vergleichen ist Pflicht. Das gilt ganz besonders für die 50plus Kreditkunden. Der Grund: Während es viele Policen gibt, die allen Kunden bis zum 60. Geburtstag dieselben Prämien abverlangen, verteuern andere die Einmalprämie für ältere Kunden ganz gewaltig. Wer etwa 55 Jahre oder älter ist, zahlt in der Spitze statt der obigen 73,80 Euro für die gleiche Leistung 415,70 Euro. Wer sich für eine Rundumabsicherung entscheidet, also auch Leistungen für den Fall der Arbeitslosigkeit zubucht, muss ebenfalls genau hinschauen Hier liegt die Kluft zwischen niedriger und hoher Prämie schnell bei 400 bis 500 Euro.

Fazit: Viele Verbraucher möchten sicherstellen, dass sie ihre Kredite auch in schwierigen Zeiten bedienen können und ihren Verwandten im Todesfall Probleme ersparen. Das ist mit Restschuldversicherungen grundsätzlich möglich. Zwingend ist der Abschluss einer solchen Police allerdings nicht. Zudem bieten die meisten Produkte exakt denselben Schutz, den auch klassische Risikolebensversicherungen vorsehen. Allerdings müssen Kunden, die eine Restschuldversicherung erwerben, meist nur einige wenige Gesundheitsfragen beantworten, während Verbraucher, die per Risikolebensversicherung hohe sechsstellige Summen absichern wollen, oft seitenlange medizinische Fragebögen ausfüllen.

Um nicht mehr zu zahlen, als nötig, sollten Kunden vor Vertragsschluss allerdings akribisch die Zinssätze der Darlehen und die Versicherungsprämien der Gesellschaft ihrer Wahl vergleichen und nicht vorschnell unterschreiben. Ein Kreditangebot mit einem Effektivzins von 1,98 Prozent verteuert sich schnell auf 6,99 Prozent. Weil die Restschuldabsicherung bei fast keiner Bank Pflicht ist, ist es auch nicht notwendig, dass der höhere Effektivzins ausgewiesen wird. Um dennoch Transparenz für Interessierte zu schaffen, hat die FMH den höheren Effektivzins in ihrem Vergleich angegeben.

Quelle: ntv.de