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Berlin & Brandenburg Arbeitsplatzzusagen für die Lausitz werden konkreter

Jörg Steinbach (SPD), Brandenburger Minister für Wirtschaft, Arbeit und Energie. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

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Wegen des Kohleausstiegs bis 2038 steht die Lausitz vor einem gewaltigen Umbruch. Milliarden Zuschüsse sollen helfen, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Wird das für eine erfolgreiche Strukturentwicklung ausreichen?

Potsdam (dpa/bb) - Die von Politik und Wirtschaft angekündigte Jobinitiative zum Strukturwandel in der Lausitz nimmt allmählich Gestalt an. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums in Potsdam haben fünf Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen 500 neue Arbeitsplätze in Cottbus zugesagt. Die Zahl der geplanten Jobs auf dem Kraftwerksstandort Schwarze Pumpe in Spremberg und dem dortigen Industriepark ließe sich dagegen noch nicht exakt beziffern. Laut Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) werden derzeit bei 40 Projekten Gespräche über eine mögliche Ansiedlung in der Lausitz geführt.

Wie das Ministerium auf eine Anfrage aus der AfD-Landtagsfraktion mitteilte, sind einige Arbeitsplatzzusagen in Cottbus durch Fördermittelbescheide bereits gedeckt. Dazu gehöre eine Demonstrationsanlage zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe aus Strom. Bei dem Vorhaben "Power to X" (Ptx) sollen rund 60 Arbeitsplätze entstehen. Ptx-Technologien sollen es ermöglichen, Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien zu speichern oder anderweitig zu nutzen.

Die Demonstrationsanlage gehört zum "Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien", das das Bundesumweltministerium in Cottbus errichten will. Für dieses Jahr ist der Aufbau von 20 Stellen geplant.

Bis 2024 will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in seinem Cottbuser Standort des Instituts für CO2-arme Industrieprozesse 65 Stellen schaffen. Das Institut, das seit Mitte 2019 aufgebaut wird, soll helfen, Jobs in den Lausitzer Kraftwerken zu erhalten, die wegen der bis zum Jahr 2038 auslaufenden Braunkohleförderung gefährdet sind.

Ebenfalls bis 2024 plant die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastruktur und Geothermie 60 neue Arbeitsplätze an ihrem Cottbuser Standort. Mit der Brandenburgischen-Technischen Universität (BTU) und einer Außenstelle im sächsischen Zittau soll erforscht werden, welche Infrastruktur erforderlich ist, um die Energiesektoren Wärme, Strom, Gas und Verkehr zu koppeln.

Die Airbus-Tochter Apworks hat laut Wirtschaftsministerium in Cottbus mit dem Standort- und Stellenaufbau begonnen. Gemeinsam mit der BTU will Apworks ultraleichte Bauteile für die Luft- und Raumfahrt entwickeln.

Wie im Falle Apworks machte das Wirtschaftsministerium auch für die geplante Hybridlokfertigung und die ICE-Wartung der Deutschen Bahn in Cottbus noch keine konkreten Aussagen über das Beschäftigungspotenzial. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) stehe im Gespräch mit der Bahn. "Daher kann die projektbezogene Anzahl neuer Arbeitsplätze zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genannt werden", teilte das Ministerium mit.

Mit dem Vorhaben "Big Battery" will das Energieunternehmen Leag in Schwarze Pumpe zukunftssichere Arbeitsplätze für einen Teil seiner heutigen Belegschaft sichern. Der Konzern will in der Lausitz Europas größten Stromspeicher schaffen. Laut Wirtschaftsministerium ist "Big Battery" integrierter Bestandteil des Kraftwerksstandorts Schwarze Pumpe. Eine nur auf das Projekt bezogene Darstellung der neu zu schaffenden Arbeitsplätze sei nicht möglich.

Das geplante Terminal für den kombinierten Verkehr (KV) im Industriepark Schwarze Pumpe befindet sich laut Ministerium noch in einem "frühen Stadium". Daher könne die genaue Anzahl der künftigen Arbeitsplätze derzeit noch nicht beziffert werden. Das KV-Terminal soll helfen, mehr Warentransporte wieder auf die Schiene zu verlagern. Mit dem Baustart für das Terminal wird in den nächsten vier Jahren gerechnet.

Zu den weiteren Investitionsvorhaben, die in der AfD-Anfrage nicht aufgelistet waren, gehört eine neue Fabrik des Chemiekonzerns BASF, der in Schwarzheide derzeit knapp 2000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen will dort ab 2022 Kathoden für Batterien von Elektroautos herstellen. Wie ein Sprecher des BASF-Werkes Schwarzheide der Deutschen Presse-Agentur sagte, sollen in der neuen Fabrik 150 Arbeitsplätze entstehen.

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