Reise

Pilgern ab Porto Geheimtipp portugiesischer Jakobsweg

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235 Kilometer: Der portugiesische Jakobsweg ist eine Alternative zur 800 Kilometer langen französischen Route.

Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela ist so beliebt wie lange nicht mehr. In diesem Jahr erwartet der spanische Wallfahrtsort sogar einen historischen Pilgerrekord mit 240.000 Wanderern und zehn Millionen Besuchern. Denn 2010 feiert Santiago eines der heiligen Jakobsjahre. Das Xacobeo findet nur dann statt, wenn der Todestag des Apostels Jakob, der 25. Juli, auf einen Sonntag fällt. Nach 2010 ist es erst im Jahr 2021 wieder so weit. Wer in diesem Jahr den Pilgermassen auf dem französischen Weg, der populärsten aller Routen nach Santiago, entgehen möchte, findet im portugiesischen Jakobsweg eine attraktive Alternative.

Der Camino Português durch den grünen Norden Portugals und entlang der spanischen Atlantikküste gehört landschaftlich wie kulturell zu den schönsten Jakobswegen und beginnt in Porto. In den Altstadtgassen - seit 1996 Weltkulturerbe - verstrahlt der bröckelnde Putz der alten Häuserfassaden viel Charme. Auch die prachtvollen barocken Kirchen wie die Capela das Almas oder die Igreja de São Francisco mit kunstvollen, für den Norden Portugals typischen Kachelbildern, den Azulejos, verzaubern. Im Bahnhof von Porto ist die Geschichte Portugals auf mehr als 20.000 Kacheln gebannt.

Portwein muss sein

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Portos Gassen haben so viel Charme, dass es vielen Pilgern schwer fällt, sich auf den Weg zu machen.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Nach einem Streifzug über den quirligen Markt Mercado do Bolhão bietet sich ein Besuch im legendären Kaffeehaus Majestic an. Wenn man den Portuensern Glauben schenkt, gibt es dort den besten Kaffee der Stadt. Empfehlenswert ist dann der Aufstieg auf den 75 Meter hohen Turm der Kirche Igreja e Torre dos Clérigos. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf die Altstadt und den Douro-Fluss. Dessen Uferpromenade erwacht am Abend zum Leben. Ein Besuch der Portwein-Kellereien auf der anderen Flussseite ist für die meisten Touristen obligatorisch.

Der Abschied von Porto fällt nicht leicht, und die erste Tagesetappe durch eher hässliche Vorstädte macht es dem Jakobspilger nicht einfacher. Doch bereits kurz hinter Rates taucht der Wanderer am zweiten Tag in Portugals Weinanbaugebiet ein. Hügelige Weinberge und niedliche Winzerdörfer prägen die Landschaft. Vielbefahrene Landstraßen bleiben dem Pilger im Norden Portugals meist erspart. Die Tagesetappen sind leicht und relativ kurz.

Frühes Aufstehen Pflicht

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Grün, so weit das Auge reicht: Kurz hinter Porto betritt der Wanderer Winzerland.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Auf dem Camino Português sind auch die beiden Spanier Lucas und Angel aus Toledo unterwegs. "Freunde von uns sind im Sommer auf dem französischen Weg gepilgert und haben eigentlich nur geflucht", erzählt Lucas. Sie mussten bereits um 6.00 Uhr morgens loswandern. Wer später in die Wanderstiefel steigt, kommt zu spät in der nächsten Pilgerherberge an, um noch einen Schlafplatz zu ergattern. Viele Pilger bevorzugen die portugiesische Route auch deshalb, weil die 235 Kilometer bequem in zehn Tagen zu schaffen sind.

So bleibt immer Zeit, in dem einen oder anderen Ort zu verweilen. Besonders lohnt sich der Aufenthalt in Barcelos mit seinem landesweit bekannten Markt. Direkt am Ortseingang erhebt sich die wuchtige Kapelle de Nossa Senhora da Ponte. Kachelkunst gibt es in der rundlichen Kirche Bom Jesus zu sehen.

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Relikt aus der Römerzeit: Ponte de Lima ist vor allem wegen seiner alten Brücke bekannt.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Weiter geht es nach Ponte de Lima, einem der Höhepunkte dieses Jakobsweges. Das 3000-Seelen-Nest gehört zu den ältesten und schönsten Ortschaften Portugals und ist vor allem wegen seiner alten Römerbrücke bekannt. Im Ortszentrum ist die Matriz-Kirche sehenswert.

Hinter Ponte de Lima beginnt der schönste Abschnitt des portugiesischen Jakobsweges. Vorbei an Rubiães führt der Weg etliche Kilometer durch idyllische Weinreben. Außerdem taucht der Wanderer in dichte Pinienwälder ein. Weiter geht es bis Valença, der Grenzstadt zu Spanien mit ihrer mächtigen Stadtmauer.

Über die Brücke nach Spanien

Über die Internationale Brücke geht es ins spanische Tui hinüber. Über der Stadt thront die imposante romanische Kathedrale aus dem Jahre 1225. Via O Porriño und Mos erreicht der Pilger schließlich Redondela mit seinen weithin sichtbaren Viadukten an der Bucht von Vigo. Das Casa da Torre, ein Renaisance-Herrenhaus, lädt als örtliche Pilgerherberge zur Übernachtung.

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Endstation Santiago de Compostela: Stolz präsentieren Lucas und Angel ihre Pilgerurkunden.

(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Auf dem Weg nach Pontevedra hinein gilt es, die Brücke Ponte Sampaio zu überqueren. Hier brachte die Bevölkerung dem napoleonischen Heer während der spanischen Unabhängigkeitskriege eine der empfindlichsten Niederlagen in Galicien bei. Cruceiros, die Jakobswegkreuze, und Horreros, die typisch galicischen Kornspeicher, säumen den Weg in den Ortskern. Enge Gassen führen auf Plätze wie die Praza da Leña, wo sich Wanderer bei einem Glas Albariño, dem galicischen Weißwein, erholen können. Gläubige Jakobswanderer besuchen die Kirche der jungfräulichen Pilgerin, Virxe Peregrina. Der Kirchen-Grundriss hat die Form einer Jakobsmuschel.

Über Caldas de Reis mit seinen heißen Thermalquelle führt der portugiesische Jakobsweg weiter nach Padrón. Hier landete der Legende nach das Schiff mit dem Leichnam des Heiligen Jakobus. Mit einem Ochsenkarren sollen die sterblichen Überreste dann nach Santiago gebracht worden sein. Die Route führt nun durch Maisfelder, hügelige Weinberge und dunkle Pinienwälder bis der Pilgerer endlich vor der mächtigen Wallfahrtskathedrale von Santiago de Compostela steht - ein überwältigendes Gefühl.

Quelle: n-tv.de, dpa

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