Reise

Viele Touristen wollen nicht nur Sonne Urlaub mit sozialem Touch

Viele Touristen wollen nicht nur braun werden, sondern auch etwas über ihr Reiseziel und die Menschen lernen, die dort leben. Etliche Veranstalter bieten inzwischen zumindest als Bestandteil einer längeren Reise Begegnungen mit Einheimischen oder Besuche in sozialen Projekten an. Manchmal können Touristen im Reiseland sogar mitarbeiten. Wie sinnvoll das ist, ist umstritten.

Studiosus, Marktführer bei Studien- und Erlebnisreisen in Deutschland, setzt schon seit langem auf Urlauber, die mehr wollen als Sand und Sonne: "Begegnungen sind bei uns Bestandteil jeder Studienreise", sagt Frano Ilic, Sprecher des Veranstalters in München. "Man kann in einem sizilianischen Dorf einen Tag den Dorfbewohnern beim Ricotta-Herstellen zugucken oder in Istanbul die Übersetzerin von Orhan Pamuk treffen."

Reisegruppen besuchen aber auch Projekte, die von der gegründeten Studiosus Stiftung gefördert werden, wie eine Klosterschule in Madalay in Birma. Marco Polo, die Studiosus-Schwestermarke für das jüngere Publikum, hat in seinem Katalog "Young Line Travel" auch eine 20-tägige Vietnamreise. Bei der waren nun erstmals 2 Tage in einem Dorf westlich von Hanoi eingeplant, bei denen die Reisenden beim Streichen eines Schulgebäudes mitanfassen konnten.

Arbeitskraft von Touristen nicht gebraucht

Ähnlich wie Studiosus handhaben es die Konkurrenten Gebeco und Dr. Tigges: "Wir haben keine Volunteering-Angebote", sagt Geschäftsführer Ury Steinweg. Die Arbeitskraft von Touristen werde nicht wirklich gebraucht. Sinnvoller sei, als Veranstalter Projekte in den Reiseländern finanziell zu unterstützen.

Anders ist das Konzept bei goXplore: Die neue zu Gebeco gehörende Marke bietet "Abenteuerreisen" für das jüngere Publikum an. Dazu zählt auch eine 15-tägige Volunteer-Reise nach Costa Rica, bei der die Teilnehmer an einem Schutzprojekt für Meeresschildkröten mitarbeiten.

Ute Linsbauer, Sprecherin des Forum Anders Reisen in Freiburg, findet es grundsätzlich in Ordnung, Reisen und soziale Projekte miteinander zu verbinden. "Entscheidend ist, dass der Veranstalter und der Reiseleiter sensibel damit umgehen." Egal, ob Touristen ein Hilfsprojekt nur besuchen oder ob sie daran mitarbeiten, Voraussetzung dafür sei, dass es nicht gegen den Willen der Betroffenen passiert. Solche Angebote dürften sich auch nicht auf die Bedürfnisse der Touristen konzentrieren. "Die Frage ist, was die Menschen dort davon haben, dass die Besucher kommen."

Gut gemeint ist nicht immer gut

Sich für das Land zu interessieren, das man bereist, findet auch Heinz Fuchs von der zum Evangelischen Entwicklungsdienst gehörenden Organisation Tourism Watch positiv. Aber gut gemeint sei dabei nicht immer gut. Kurzzeiteinsätze während einer Urlaubsreise findet er problematisch. "Hier mal eine Schule streichen, da mal einen Garten pflegen, das ist ungeeignet für langfristige positive Effekte." Mindestvoraussetzung für sinnvolle Angebote von Reiseveranstaltern sei, dass eine "Begegnung auf Augenhöhe" möglich ist und solche Arbeitseinsätze ausreichend vorbereitet werden.

Wenn beide Seiten etwas davon haben, könnten Besuchs- oder Mitarbeitsprojekte durchaus sinnvoll sein. "Natürlich muss man die Folgen bedenken", betont Ute Linsbauer, "zum Beispiel ob Einheimischen die Arbeit weggenommen wird." Andererseits sei es positiv, wenn Touristen sich für die Situation im Land interessieren.

Quelle: n-tv.de, Andreas Heimann, dpa

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