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Ärger ums Online-MonopolGenie Magnus Carlsen löst "Krieg in der Schach-Welt" aus

10.04.2026, 16:15 Uhr
imageVon Christian Schenzel
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Schachstar Magnus Carlsen sorgt für wilde Schlagzeilen. (Foto: Gregor Fischer/dpa)

In der Schach-Welt türmt sich neuer Ärger auf. Mittendrin: Superstar Magnus Carlsen. Diesmal geht es nicht um Betrugsvorwürfe, sondern um etwas viel Wertvolleres: die Vorherrschaft auf dem digitalen Markt.

Schach-Genie Magnus Carlsen hat es wieder einmal an die Spitze der Schlagzeilen geschafft. Diesmal nicht mit einem Sieg, diesen verpasste er bei den Grenke Chess Classics in Karlsruhe, nicht mit einer großen Partie, nicht mit einem magischen Zug oder auch nicht mit Betrugsvorwürfen. Sondern mit dem von ihm mitgegründeten Unternehmen "TakeTakeTake", an dem er die Mehrheitsanteile hält. 

Darum geht's: Vor wenigen Tagen gab "TakeTakeTake" eine Zusammenarbeit mit der kostenlos zu nutzenden Online-Plattform "Lichess" bekannt, sowas wie dem kleinen Bruder von Marktführer "chess.com". Dahinter steckt ein strategischer Kurswechsel von "TakeTakeTake", das neben der Analyse und Übertragung von Schach-Partien und der Content Creation nun auch aktiv in das Spielerlebnis einsteigen will. Bei "TakeTakeTake", so das neue Ziel, soll nicht mehr nur zugeschaut, sondern auch gespielt werden. 

Das wiederum schmeckt "chess.com" überhaupt nicht. Das US-amerikanische Unternehmen beansprucht das Online-Monopol mehr oder minder für sich. Dafür hat man in den vergangenen Jahren viel Geld investiert, unter anderem in die "Play Magnus Group", hinter der ebenfalls Carlsen steckte und die von "chess.com" im Jahr 2022 für 80 Millionen US-Dollar gekauft wurde. Im Gegenzug wurde der Norweger vertraglich als Botschafter akquiriert. An dieser Stelle wird es delikat.

Carlsen im Dilemma: "Das ist keine tolle Situation"

Carlsen würde das Schachspielen auf "TakeTakeTake" gerne promoten, darf dies aufgrund seines Vertrags mit "chess.com" aber nicht tun, weil der Marktführer die Konkurrenz fürchtet, die vom bekanntesten Gesicht des Spiels ausgeht. Carlsen hindert damit sein eigenes Produkt auf gewisse Art und Weise am Wachstum. "TakeTakeTake" musste somit seinen neuen Kurs in dieser Woche vorstellen, ohne dass der eigene Chef mit an Bord war. 

"Das ist keine tolle Situation, weder für uns noch für Magnus. Für Magnus ist es frustrierend, weil er super aufgeregt über das ist, was wir aufbauen", bestätigte "TakeTakeTake"-CEO Mats Andre Kristiansen das Dilemma. Überraschend ist das Störfeuer von US-Seite gleichwohl nicht. Schon 2023 habe ihn "chess.com" wissen lassen, dass "TakeTakeTake" besser nicht in den Spiel-Markt einsteigen solle. "Das fand ich ziemlich einschüchternd", erinnerte sich Carlsens Geschäftspartner an eine warnende Ansage des Marktführers. 

Chess.com knipst Carlsen-Unternehmen das Licht aus

Wie wichtig "chess.com" die Exklusivität Carlsens als Werbegesicht ist, zeigte sich in dieser Woche an zwei Beispielen. Zum einen löschte "TakeTakeTake" ein Bild des Norwegers, mit dem die Fusion mit "Lichess" beworben wurde. Offiziell weiß man nicht, warum. Dass "chess.com" dahintersteckte, liegt jedoch auf der Hand. 

Zu einem weiteren Aufreger kam es am Dienstag. Dort übertrug "TakeTakeTake" das wichtigste wöchentliche "chess.com"-Online-Turnier "Titled Tuesday". Mitten im Turnier gingen plötzlich die Lichter aus. "Chess.com" hat die Übertragungspartnerschaft mit TakeTakeTake leider mit sofortiger Wirkung beendet", hieß es auf einem Banner, das eingeblendet wurde. 

Plötzlich ist die Szene alarmiert

Heidi Røneid, die das Online-Turnier für den norwegischen Pay-TV-Sender "Verdens Gang+" kommentierte, sieht nach diesem Schritt schon jetzt einen Sturm aufziehen. "Jetzt gibt es einen Krieg in der Schach-Welt", meinte sie martialisch. In ihren Augen spricht es Bände, dass "chess.com" und "TakeTakeTake" ihren Disput öffentlich gemacht haben. "Vielleicht wäre es besser gewesen, sie hätten miteinander gesprochen und versucht, im Hinterzimmer eine Lösung zu finden, statt etwas zu tun, was die gesamte Schach-Welt auf den Konflikt aufmerksam macht", meinte sie. 

Kristiansen wiederum betonte im "Reuters"-Interview, dass es nicht das Ziel von "TakeTakeTake" sei, "chess.com" vom Online-Thron zu stoßen. "Sie haben ein großartiges Produkt und eine enorme Menge für das Schach-Ökosystem getan", gab er sich diplomatisch. Dennoch gehen er und Carlsen klar auf Konfrontationskurs. 

Gewinnt Magnus Carlsen auch diesen Konflikt?

Diplomatisch geht Carlsen bei solchen Themen für gewöhnlich nicht vor. Der Norweger sagt und macht in der Regel, was er will. Dieses Recht hat er sich verdient, sein Einfluss in der Schach-Welt ist allumfassend. Nun ist die Frage, wie er den Spagat zwischen "TakeTakeTake" und "chess.com" meistern will. Mehr Lust, so viel ist klar, hat er auf sein eigenes Projekt.

Wenn es in den letzten Jahren eine Auseinandersetzung in der Szene gab, hieß der Sieger am Ende meistens Magnus Carlsen. Einen so mächtigen Gegner wie "chess.com" hatte aber selbst der wohl beste Spieler aller Zeiten nur selten.

Quelle: ntv.de

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