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Mythos Nürburgring Als die "Grüne Hölle" zur Komfortzone wurde

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1984 erfolgte die feierliche Einweihung der neuen Grand-Prix-Strecke mit einem spektakulären Showrennen.

(Foto: imago images/WEREK)

Der Nürburgring ist für viele Jahre eine der legendärsten, aber auch gefürchtetsten Strecken der Formel 1. Irgendwann aber kippt die Wahrnehmung der "Grünen Hölle": Erst verschwindet die Eifel-Route aus dem Rennkalender, dann kehrt sie entschärft zurück - mit einem hochkarätigen Eröffnungsrennen.

Was nützt ein Mythos, wenn er den Menschen Angst macht? Mit dieser Frage mussten sich die Betreiber der Nürburgring-Nordschleife nach dem 1. August 1976 auseinandersetzen. Als Reaktion auf den Feuerunfall von Formel-1-Weltmeister Niki Lauda, der dem Tod nur haarscharf entrann, fuhr die Motorsport-Königsklasse ab 1977 lieber auf dem vergleichsweise biederen Hockenheimring. Auch andere Rennserien drohten, einen Bogen um die "Grüne Hölle" zu machen.

Es war ein Dilemma: Die Strecke in der Eifel faszinierte durch fahrerische Höchstschwierigkeiten, Passagen wie Schwedenkreuz, Fuchsröhre oder Schwalbenschwanz sind weltberühmt. Aber: Mit einer Länge von 22,8 km war der Kurs nicht mehr zeitgemäß, der Spielraum für Sicherheitsmaßnahmen zu klein, Rettungswege waren zu lang. Die Formel-1-Rennwagen waren bereits Mitte der 1970er-Jahre zu kraftstrotzend für den altehrwürdigen Nürburgring geworden. So fiel letztlich die schwere Entscheidung für den Bau einer "modernen" Rennstrecke von gut 4,5 km Länge mit geräumigen Auslaufzonen. Vom alten Kurs blieben nur die Start-Ziel-Gerade - und ziemlich wenig Flair.

Am 12. Mai 1984 erfolgte die feierliche Einweihung der neuen Grand-Prix-Strecke mit einem hochkarätig besetzten Showrennen. Neun Formel-1-Weltmeister gaben sich die Ehre beim Wettstreit von identischen Mercedes-Benz 190 E-Tourenwagen, darunter Lauda, Keke Rosberg und Jack Brabham. Auch der kommende Champion Alain Prost, Triumphator beim Formel-1-Comeback im Oktober 1984, war dabei. Der Sieg ging an einen jungen Brasilianer namens Ayrton Senna.

Der neue Ring konnte nicht an die große Geschichte der Nordschleife anknüpfen, bereits 1986 wurde der Große Preis von Deutschland wieder in Hockenheim gefahren. Erst der Hype um Michael Schumacher brachte die Formel 1 ab 1995 noch insgesamt 16 Mal in die Eifel, meist als Großer Preis von Europa oder Grand Prix von Luxemburg (!). Zuletzt kehrte die Formel 1 im Corona-Jahr 2020 zurück, zuvor hatte sie 2013 das letzte Mal in der Eifel Station gemacht. Bis dahin war der Nürburgring für einen dreistelligen Millionenbetrag um eine "Erlebniswelt" erweitert worden - und erlebte ein wirtschaftliches Fiasko.

Besser steht mittlerweile wieder die alte Nordschleife da: Das 24-Stunden-Rennen ist ein weltweit beachtetes Event. Die Strecke wurde auch zunehmend von Hobbyfahrern erobert, in den 2000ern sogar von Joggern und Radfahrern und Fun-Läufern. Der Mythos lebt - etwas weniger rasant - immer noch.

Quelle: ntv.de, ter/sid

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