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Björn Werner über Football "Als hättest du jede Woche einen Autounfall"

Björn Werner zählt zu den wenigen Deutschen, die jemals in der NFL gespielt haben. Vor einem Jahr erklärte der 27-Jährige seinen Rücktritt vom American Football. Heute ist er als Fernsehexperte aktiv und wird für den Streaming-Anbieter DAZN am Sonntag den Super Bowl kommentieren (Kickoff 0.30 Uhr). Zudem vermittelt er deutsche Football-Talente in die USA. Im Interview mit n-tv.de spricht Björn Werner über den bevorstehenden Super Bowl, aber auch über die Härte des Sports und über den schweren Weg in die NFL.

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Björn Werner spielte bis 2016 in der NFL.

(Foto: imago/Icon SMI)

Herr Werner, was macht den Super Bowl zu so einem besonderen Event?
Werner: American Football ist einfach die beliebteste Sportart der US-Amerikaner, noch beliebter als Basketball und Baseball. Das liegt auch daran, dass die Football-Saison gerade einmal fünf Monate dauert. Basketball und Baseball hingegen werden fast das ganze Jahr über gespielt. Daher ist der Reiz am American Football größer. Und der Super Bowl ist eben das große Finale. Das ganze Drumherum ist einfach mega. Die beiden Teams sind die ganze Woche bereits vor Ort. Jeden Tag gibt es Neuigkeiten zu vermelden. In dieser einen Woche scheint sich die Welt nur noch um den Super Bowl zu drehen.

Die Show scheint beim Super Bowl fast genauso wichtig zu sein wie der Sport, oder?
Für die Musiker ist es eine große Ehre, die Halbzeit-Show machen zu dürfen. Diese wird gerne auch als das größte Konzert der Welt bezeichnet. Auch die Fernsehwerbung spielt eine große Rolle. Die Firmen produzieren extra für den Super Bowl aufwendige und meist auch sehr lustige Werbespots. Hier ist praktisch ein Wettbewerb darum entstanden, wer den lustigsten Werbespot hat. Das hat hier in den USA eine große Tradition. Daher freuen sich die Menschen sogar auf die Werbeunterbrechungen.

Zur Person

Björn Werner spielte von 2013 bis 2016 in der NFL. Der gebürtige Berliner kam in der Jugend zum Klub Berlin Adler, zog aber früh in die USA und spielte dann für die High School von Salisbury, Connecticut. 2010 wechselte er zur Florida State University. Im April 2013 wurde er in der ersten Runde der NFL Drafts als 24. Spieler von den Indianapolis Colts ausgewählt. Damit wurde er der erste Deutsche, der in der ersten Runde gedraftet wurde. Im Mai 2016 wechselte er zu den Jacksonville Jaguars, wurde aber Ende August entlassen. Im Januar 2017 gab er sein Karriereende bekannt.

Nun treffen die New England Patriots und die Philadelphia Eagles aufeinander. Was sind das für Mannschaften?
Die New England Patriots sind ein erfolgreiches und erfahrenes Team. Deren Quarterback Tom Brady steht bereits zum achten Mal im Super Bowl. Fünf Mal hat er bereits gewonnen. Er ist praktisch der Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo des American Footballs, wahrscheinlich sogar der beste Football-Spieler aller Zeiten. Tom Brady macht alle Spieler um sich herum besser - und das mit 40 Jahren.

Und die Philadelphia Eagles sind der Underdog?
Ja. Die Eagles haben noch nie einen Super Bowl gewonnen. Sie haben ein sehr junges Team. Ich habe gelesen: Alle Spieler der Eagles standen zusammen genauso oft im Super Bowl wie Brady alleine. Hinzu kommt, dass sich bei den Eagles der Star-Quarterback Carson Wentz im Dezember schwer verletzt hat und seitdem Ersatzmann Nick Foles als Spielmacher fungiert. Kurz zusammengefasst: Es ist das Duell der Erfahrenen gegen die Unerfahrenen.

Und wer wird gewinnen?
Vermutlich die Patriots. Wobei ich mir genauso wie die restliche Welt wünsche, dass die Eagles gewinnen. Die New England Patriots sind ähnlich wie Bayern München, die gewinnen fast jedes Jahr. Eigentlich ist es in der NFL kaum möglich, dass eine Mannschaft seit fast zwei Jahrzehnten oben ist. Mit der Gehaltsobergrenze und dem Draft, wo sich die schwächsten Mannschaften die besten Nachwuchsspieler aussuchen können, ist eigentlich für Chancengleichheit gesorgt. Aber die Patriots sind immer stark. Und ich weiß, wovon ich rede: Ich habe mit den Indianapolis Colts drei Mal gegen die Patriots gespielt und drei Mal verloren.

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Dieses Tackling der Philadelphia Eagle erklärt, woher die Schmerzen kommen.

(Foto: AP)

American Football ist ein brutaler Sport. Inwiefern gehört es zum Profileben dazu, trotz Schmerzen oder Verletzungen weiterzuspielen?
Als Stammspieler hast du die ganze Saison über Schmerzen und bist angeschlagen. Die Saison fühlt sich ungefähr so an, als hättest du jede Woche einen Autounfall. Du gehst immer mit einem körperlichen Trauma vom Feld. Selbst wenn es sich um eine größere Verletzung handelt und man eigentlich nicht spielen sollte, quält man sich auf das Spielfeld, um kein Spiel zu verpassen. Ansonsten nutzt der Ersatzmann seine Chance und man selber wird aussortiert. Es ist hart, in die NFL zu gelangen. Aber es ist noch viel härter, in der NFL zu bleiben.

Sie waren der erste deutsche Footballspieler, der in der ersten Runde gedraftet wurde. Sie haben drei Spielzeiten für die Indianapolis Colts gespielt und einige Monate später Ihre Karriere beendet. Was war der Grund dafür?
Mein Knie ließ eine längere Karriere leider nicht zu. Ich hatte bereits am College Probleme mit dem Knie. Der Rücktritt fiel mir natürlich schwer. Ich bin mit 16 Jahren in die USA gegangen und habe mein ganzes Leben auf den Sport ausgerichtet. Es ist hart, nie wieder Football spielen zu können. Trotzdem bleibe ich dem Sport verbunden.

Sie haben es sich mit Ihrer Firma Gridiron Imports zur Aufgabe gemacht, junge deutsche Footballspieler an US-Colleges zu vermitteln, die dann später vielleicht den Sprung in die NFL schaffen. Wir haben aktuell in Mark Nzeocha und Kasim Edebali zwei Deutsche in der NFL. Wie gut sind wir in Football-Deutschland überhaupt aufgestellt?
In Deutschland wird zwar nicht so gut ausgebildet wie in den USA. Aber wir haben viele Athleten, die groß und schwer, aber dennoch sehr schnell sind. Das ist die Voraussetzung, um einen guten Spieler in der Offense- oder Defense-Line abzugeben. Zudem ist die Bereitschaft vieler junger Spieler groß, den Schritt in die USA zu vollziehen. Ich habe das früher genauso gemacht. Das ist der beste Weg, um es in die NFL zu schaffen. Die College-Liga ist die zweitbeste Liga der Welt. Dort wird unter professionellen Bedingungen trainiert. Dort gibt es unglaublich gute Trainer, die Millionen verdienen. Man muss auf einem guten College gespielt haben, um im Draft von einem NFL-Team ausgewählt zu werden. Der Sprung von der deutschen GFL in die NFL hingegen ist meist zu groß.

Die Superstars im American Football sind meist die Quarterbacks, die Wide Receiver oder die Runningbacks. Also Spieler, die Punkte machen. Können Sie sich vorstellen, dass es auf diesen sogenannten Skill-Positionen bald einen Deutschen geben wird?
Man sollte niemals nie sagen. Die Chance ist aber klein. Man sieht doch auch bei den 100-Meter-Sprintern der Leichtathletik, dass wir Deutschen nicht die Allerschnellsten sind. Das ist aber die Voraussetzung, um einen starken Wide Receiver oder Runningback abzugeben. Es gibt in Moritz Böhringer zwar einen deutschen Wide Receiver, der in der NFL gedraftet wurde. Aber leider hat er den Durchbruch bislang nicht geschafft. Und um einen guten Quarterback abzugeben, müsste man sehr jung anfangen. Das tun die meisten deutschen Footballspieler aber nicht. Daher sind wir Deutschen eher für die Offense und Defense Line prädestiniert.

Mit Björn Werner sprach Oliver Jensen

Quelle: n-tv.de

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